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Ein Schatz im Klosterarchiv: Leiter Pater Franz Schmid hält das Original-Exemplar des „Chronicon Benedictoburanum“ in den Händen, gedruckt 1751/52. Interessierte Besucher können das Buch nach Voranmeldung einsehen, ebenso die Geschichte über die Diözese Freising („Historia Frisingensis“). Die handschriftlich verfasste Chronik über Benediktbeuern („Meichelbeckiana Nr. 7) wird hingegen in der Staatsbibliothek in München aufbewahrt.

Am 29. Mai: 350. Geburtstag von Pater Karl Meichelbeck 

Ein Mönch, an dem man nicht vorbeikommt

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Der Benediktinermönch Karl Meichelbeck wurde am 29. Mai vor 350 Jahren geboren. Er hat nicht nur die Historie des Klosters Benediktbeuern verfasst, sondern maßgeblich dazu beigetragen, dass die wissenschaftliche Geschichtsforschung verbreitet wurde.

Benediktbeuern„Sie sind also der Nachfolger von Karl Meichelbeck!“ Pater Franz Schmid, heute Leiter des Klosterarchivs in Benediktbeuern, muss schmunzeln, wenn er an die Begegnung mit einem Allgäuer Handwerker denkt, der vor einiger Zeit im Kloster beruflich zu tun hatte.Denn Meichelbeck wurde in Marktoberdorf (Landkreis Ostallgäu) geboren und ist dort relativ bekannt. „Das ist hier im Tölzer Land nicht so sehr der Fall“, sagt Pater Schmid.

Pater Karl Meichelbeck lebte von 1669 bis 1734.

Auch wenn Schmid kein Historiker ist, als Leiter des Klosterarchivs tritt er doch gewissermaßen in die Fußstapfen von Karl Meichelbeck, dessen Geburtstag sich am 29. Mai zum 350. Mal jährt. Der Benediktinermönch ist einer der Wichtigsten in der Geschichte des Klosters. Geboren in einer ärmlichen Familie, schickten ihn die Eltern nach Benediktbeuern zur Schule. Bei den Benediktinern erwachte bald Meichelbecks Interesse für für Musik, Philosophie und Geschichte. 1694 wurde er in Augsburg zum Priester geweiht. Der begabte junge Mann studierte fleißig, wurde Professor für Theologie und 1708 Geschichtsschreiber der bayerischen Benediktinerkongregation.

Meichelbeck kehrte immer wieder nach Benediktbeuern zurück. „Der Bau einer Bibliothek samt Archiv sind ihm zu verdanken“, sagt Pater Schmid. Der Mönch war Zeitzeuge des „Wunders vom Kochelsee“ (1704; siehe Kasten) sowie der Sendlinger Mordweihnacht (1705). Meichelbeck vervollständigte die Annalen der bayerischen Benediktinerkongregation und schrieb unter anderem ein zweibändiges Werk über die Geschichte der Diözese Freising sowie – auf Latein – das „Chronicon Benedictoburanum“ (gedruckt 1751/52). Diese Chroniken sowie zahlreiche Aufsätze über Meichelbeck selbst befinden sich heute im Klosterarchiv.

Die Chronik ist noch heute ein wichtiges Hilfsmittel für alle, die sich mit Benediktbeurer beziehungsweise deutscher Klostergeschichte befassen. Das Besondere ist Meichelbecks kritische Auseinandersetzung mit Quellen. Hatte man bis dato meistens ungeprüft Aufzeichnungen übernommen, begann man nun, diese genau zu untersuchen. Meichelbeck arbeitete sehr akribisch.

„Er ist der Mönch aus dem Kloster, der die längste Wirkung bis in die heutige Zeit hat“, sagt Jost Gudelius, Hobby-Historiker aus Jachenau. Beim Verfassen der Dorfchronik stieß Gudelius in der Staatsbibliothek in München auf eine Handschrift, die Meichelbeck bereits 1732 über Benediktbeuern verfasst hatte, noch dazu auf Deutsch. Diese bezeichnet man heute als „Meichelbeckiana Nr. 7“. Seit über fünf Jahren ist Gudelius dabei, diese Handschrift zu transkribieren, um sie der Öffentlichkeit vollständig zugänglich zu machen. Das ist nicht leicht. „Meichelbeck hatte eine Sauklaue“, sagt Gudelius schmunzelnd. Dank Unterstützung einiger Sponsoren aus der Region ist ein Teil online abrufbar. „Meichelbeck hat Unglaubliches für das Kloster und für die ganze Region geleistet“, sagt Gudelius. Er beschreibt den Pater als einen „sehr zielorientierten Menschen, der sich durch nichts ablenken ließ“.

Jost Gudelius verbindet mit Karl Meichelbeck noch etwas ganz anderes: Die beiden Männer haben am gleichen Tag Geburtstag. Bewusst wurde das Gudelius aber erst im Laufe des Gesprächs mit dem Tölzer Kurier: „Da forscht man so lange und merkt das gar nicht“, stellte er lächelnd fest. Jost Gudelius wird am Mittwoch 77 Jahre alt.

Infos und Einblicke in die Chronik gibt es im Internet auf der Seite www.gudelius.de, Bereich „Aktive Familie“ und Link „Meichelbeckiana Nr. 7“.  Jost Gudelius freut sich über Unterstützung beim Transkribieren der Handschrift.

In Benediktbeuern wird am 30. Juni ein neuer Bürgermeister gewählt. Das sind die Kandiaten: Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung), Hanns-Frank Seller (CSU) und Rudi Mühlhans (Freie Bürgerliste Miteinander). 

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