+
Herausragende Solistinnen: Dorothee Binding (Flöte) und Catherine Rechsteiner (Klavier).

Auftritt bei den Oberland-Konzerten in Benediktbeuern

Musikerinnen mit großem Einfühlungsvermögen

Benediktbeuern – Wer sich so in Franz Schuberts heitere Melancholie, seine düstere Tiefen und verstörende Verzweiflung hineinversetzen kann, der muss kein Seelenverwandter sein, aber doch über viel Einfühlungsvermögen verfügen. Dorothee Binding (Flöte) und Catherine Rechsteiner (Klavier) haben es, wie sie bei einem Konzert am Sonntagabend im Barocksaal im Kloster Benediktbeuern bewiesen.

Wie sie fünf Stücke aus Schuberts „Winterreise“ emotional packend und mit viel Ausdruck als instrumentale Duette gestalteten, war bewegend. Ähnlich den Originalfassungen wurden sie zu dialogischen Liedern ohne Worte, das hochsensible Spiel der Flötistin wurde zum Gesang.

Der Klaviersatz ist bei Schubert weit mehr als nur Begleitung, er ist ein Kunstwerk für sich mit raffiniert gesetzten Umspielungen, die Perlenschnüren gleichen. Auch hier traf die Anschlagskultur der Pianistin alle Abstufungen von leuchtend bis fahl, von vehement bis gehaucht. Im fein abgestimmten Miteinander ihrer beiden Instrumente ergründeten sie den Geist dieser Musik, was hinreißend klang.

Ähnlich in der Grundstimmung, nämlich voller Sehnsucht, sind auch Schuberts kunstvolle Variationen über sein Lied „Trockene Blumen“. Wohl überlegt wählten die beiden renommierten Solistinnen deshalb für ihren Konzertabend das Motto „Winterzauber“. Auch wenn Schuberts Winter mehr das Lebensfeindliche verkörpert, konnte den begeisterten Zuhörern wahrlich warm ums Herz werden.

Eine festliche viersätzige Duo-Sonate von Johann Sebastian Bach und die „Fantaisie sur le Freischutz“ von Paul Taffanel rundeten das Programm ab.

Beide Solistinnen sind etwa gleich alt und weisen verschiedene biografische Übereinstimmungen auf, haben an der Musikhochschule München studiert und später Lehraufträge übernommen. Dorothee Binding ist auch an einer deutschen Hochschule in Südkorea tätig gewesen – in einem Land, in dem ehrgeizige Eltern ihre Kinder für eine internationale Künstlerkarriere mit fanatischem Übungsfleiß antreiben. (Von Rainer Bannier)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arbeiten, wenn andere Ferien haben
Statt Kindern tummeln sich in den Sommerferien an vielen Schulen im Landkreis die Handwerker. Mit kleineren kosmetischen Eingriffen ist es bei vielen …
Arbeiten, wenn andere Ferien haben
Tölzer Parkhaus: Oberes Deck heute gesperrt
Tölzer Parkhaus: Oberes Deck heute gesperrt
Kohlstattstraßen-Asphalt kommt Mitte September
Die Tölzer Kohlstattstraße wird Mitte September eine knappe Woche gesperrt. Während der neue Asphalt kommt, wurden von der Dauerbaustelle bereits 600 Tonnen Kies …
Kohlstattstraßen-Asphalt kommt Mitte September

Kommentare