+
Ausverkauft : Rund 3100 Besucher waren in den Maierhof gekommen, um den Auftritt von Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina zu sehen. Die Regenjacken mussten die Fans nicht auspacken. 

Auftritt in Benediktbeuern

“Süden II“-Tournee: Jubel für Schmidbauer, Kälberer und Pollina

  • schließen

Standing Ovations gab es am Samstag in Maierhof in Benediktbeuern für Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina.

Benediktbeuern– Auch wenn die ganz jungen Musikfans fehlten, das Konzert „Süden II“ von Pippo Pollina, Werner Schmidbauer und Martin Kälberer am Samstagabend brachte ein alterstechnisch gut gemischtes Publikum in den Benediktbeurer Maierhof. Zudem haben die drei Musiker eine überaus treue Fangemeinde: Mehr als ein Drittel der insgesamt gut über 3000 Besucher hob die Hände auf Schmidbauers Frage, wer denn das Abschlusskonzert der Tournee „Süden I“ in der Arena in Verona live miterlebt hat. Und als die drei gegen Ende des Konzerts einige ihrer bekannten Songs anstimmten, erwiesen sich große Teile des mithüpfenden, mitklatschenden und mitsingenden Auditoriums als überaus textsicher.

„Wir sind heute hier, um diesen schönen Abend zu genießen. Ich hoffe, es geht euch genauso“, begrüßte eingangs Schmidbauer die Besucher. Die Menschen verbinden sehr viel mit dem Süden, sagte Multiinstrumentalist Martin Kälberer: „Da schwingt oft eine kleine Urlaubssehnsucht mit, die wir gerne aufnehmen. Der Süden ist ja ein Sehnsuchtsort, der noch nicht einmal genau benannt werden muss. Es ist etwas Inneres, manchmal auch nur ein Gefühl.“

So unterstrich Schmidbauer auch die kongeniale Verbindung der Menschen aus dem Süden. Er und Kälberer aus dem Süden Deutschlands und Pollina aus Italiens südlichstem Zipfel Sizilien. Und da das Wetter mit angenehmen Temperaturen ganz entgegen der „nassen“ Vorhersage hielt, machte sich im Benediktbeurer Meierhof auch bald eine leicht heitere Stimmung mit südlichem Flair breit.

Die drei Musiker sind keine Freunde der harten Klänge. Sie beschreiben vielmehr in ihren Liedern, wechselweise auf Italienisch und Bayerisch gesungen, auf poetische Weise das Lebensgefühl des Südens – die Feste, die Tänze, die feinen Speisen und die Freundschaften, die sich bei all’ dem anbahnen. „Süden II“ ist aber auch eine politische Standortbestimmung. „Wo wir her sind, liegt nicht in unserer Hand“, heißt es in einer Textzeile gegen Hass, Hetze und Nationalstolz, welcher jeglicher Grundlage entbehre. Das Lied „Die ganz große Kunst“ hat Schmidbauer komponiert, nachdem im Mittelmeer wieder einmal zahlreiche Flüchtlinge ertrunken waren. „Wir haben uns geschworen, dieses Lied so lange zu spielen, wie es das Flüchtlingsdrama gibt.“ Dabei betonen die drei Musiker, dass ihr Schaffen dem Geist der Begrüßungskultur und der Humanität gewidmet sei. Das Stichwort lautet Solidarität, „ohne Wenn und Aber“.

Musiker hätten es scheinbar gut, wenn sie bei ihren Auftritten immer wieder Applaus erhalten. Dem Klempner widerfahre solche Wertschätzung selten. Auf der anderen Seite – und davon handelte ein selbstkritisches Lied von Pollina – sind tourende Musiker oft fern der Heimat und abseits ihrer Familie und ihrer Kinder.

Auch sonst schreckten Schmidbauer, Pollina und Kälberer vor schwierigen Themen nicht zurück. Ein anderes Lied etwa handelt vom allzu frühen Tod von Pollinas Bruder: Mit dem Blick zum Himmel und der Frage, was folgen könnte. „Man weiß es nicht.“

Auch wenn der erste Teil des gut zweistündigen Konzerts im Benediktbeurer Maierhof etliche Längen aufwies, so nahm der Abend nach der Pause spürbar an Drive zu. Als die drei Musiker dann ihre Hommage an Nelson Mandela und das italienische Partisanenlied „Bella Ciao“ anstimmten, stand alle Besucher des Konzerts auf den Beinen. Es wurde deutlich, dass der große Fanclub von Pollina, Schmidbauer und Kälberer am Samstag sicher nicht das letzte Mal ein Konzert dieses erfolgreichen Trios besucht hat.

Lesen Sie auch: So begeisterten Herbert Pixner und Andreas Bourani beim Konzertsommer 2019 in Benediktbeuern

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brauneck-Drama: Münchner rutscht aus und stürzt in den Tod
Am Brauneck kam es zu einem tödlichen Bergunglück. Ein Mann stürzte 100 Meter in die Tiefe und starb. Er war zusammen mit seiner Ehefrau wandern.
Brauneck-Drama: Münchner rutscht aus und stürzt in den Tod
„Studenten haben ihr Testament gemacht“
Der Schriftsteller Christopher Kloeble spricht im Interview über seinen Hongkong-Aufenthalt in bewegten Zeiten.
„Studenten haben ihr Testament gemacht“
Unbekannte zerstechen Reifen an Vereinsbus
Was die Täter geritten haben mag? Unbekannte haben den Bus eines Tölzer Vereins massiv beschädigt.
Unbekannte zerstechen Reifen an Vereinsbus
Raues Fahrwasser für Tourenanbieter
Nach der ersten Saison mit den neuen Regeln auf der Isar beklagen die Unternehmer eine einseitige Belastung.
Raues Fahrwasser für Tourenanbieter

Kommentare