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Willkommen in der Ausstellung (v. li.): Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler, die Kuratorinnen Slávka Rude-Porubská und Katharina Osterauer, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und der stellvertretende Garmischer Landrat Michael Rapp.

Im Benediktbeurer Maierhof 

Ausstellung im Kloster: Wie Ludwig Thoma zum Mythos wurde

Bauernpoet in Lederhose, Verfasser von antisemitischen Hetzartikeln und jovialer Frauenheld: Das sind nur drei Seiten von Ludwig Thoma. Mit dem verschrobenen Heimatdichter befasst sich jetzt eine Ausstellung im Kloster Benediktbeuern.

Benediktbeuern – Vor 150 Jahren wurde in Oberammergau Ludwig Thoma geboren. Wie kaum ein anderer Schriftsteller steht er in den Köpfen vieler Menschen für oberbayerische Gemütlichkeit und die „gute alte Zeit“. Sein Bild – ein breites Gesicht mit Schnauzbart, den Zwicker auf der Nase und die Pfeife im Mund – ist hervorragend geeignet, um damit auch Gasthäuser oder bayerisches Bier zu bewerben.

Dass dieses Bild vom Dichter der Lausbubengeschichten sehr einseitig ist, zeigt die Ausstellung „Ludwig Thoma. Mensch – Mythos – Marke“, die am Sonntag in den Räumen der Fachberatung Heimatpflege im Kloster Benediktbeuern eröffnet wurde.

„Das Bild von Ludwig Thoma hat in den letzten Jahren viele Risse bekommen“, so formulierte es Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, in seiner Rede. Damit bezog er sich auch auf die lange vergessenen und unterdrückten Hetzartikel gegen Juden und Sozialdemokraten, die Thoma in den letzten Monaten seines Lebens für den Miesbacher Anzeiger verfasste. Wie die Ausstellung zeigt, waren diese Artikel, deren Bekanntwerden unter anderem dafür verantwortlich ist, dass die Stadt München die Ludwig-Thoma-Medaille nicht mehr verleiht, schon 1938 in Buchform erschienen. Aber auch das ist nur ein Aspekt in der Ausstellung. „Wir wollen Ludwig Thoma nicht verteufeln, aber auch nicht reduziert haben auf den Pfeife rauchenden Bauerndichter in der Lederhose“ sagte Mederer. „Jeder Besucher der Ausstellung soll sich seine eigenen Gedanken machen.“

Damit das möglich ist, haben die Kuratorinnen Katharina Osterauer und Slávka Rude-Porubská die Ausstellung, die mit vielen Originaldokumenten, Fotos, Briefen und frühen Ausgaben der Bücher Thomas bestückt ist, in mehrere Bereiche eingeteilt. „Ludwig Thoma war ein Provokateur“, sagte Katharina Osterauer in ihrer Einführung. Sein Motto war: „Reinhauen, bis die Fetzen fliegen.“ Sein mitunter aufbrausendes Temperament, seine manchmal gegensätzlichen Einstellungen und Äußerungen werden dokumentiert, und diese Widersprüche sind es letztendlich, die einen Besuch in der Ausstellung so interessant machen. Der Besucher lernt Ludwig Thoma als Schriftsteller und Journalist kennen oder als Frauenheld. Aber auch Thomas Beziehungen zu den Themen Heimat und Religion werden dargestellt. Darüber hinaus geht es um die mehr als 100 Jahre andauernde Rezeption. Es wird dargestellt, wie Ludwig Thoma zu einem „bayerischen Mythos“ und schließlich sogar zur Marke geworden ist. Passend dazu konnten die zahlreichen Besucher der Vernissage sogar das Ludwig-Thoma-Bier probieren.

Auch Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger von Oberbayern, der die Idee zur Ausstellung hatte, begrüßte die Gäste, unter ihnen der stellvertretende Landrat des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, Michael Rapp, und wies auf das Rahmenprogramm hin. Am 24. Juni wird es einen Vortrag mit dem Titel „Welch ein Spießer!“ zu Kurt Tucholsky und Thoma geben, und zur Finissage der Ausstellung steht Thomas Theaterstück „Waldfrieden“ auf dem Programm.

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung in der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters Benediktbeuern, Michael-Ötschmann-Weg 4, ist noch bis 30. Juli geöffnet, und zwar dienstags und samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. Internet: www.fachberatung-heimatpflege.de

Heribert Riesenhuber

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