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Großes Interesse: Rund 120 Bürger waren zu der Versammlung in die „Friedenseiche“ gekommen.

Bei der Bürgerversammlung in Benediktbeuern

Lebhafte Diskussion um Lainbachwald

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Rund 120 Bürger und damit wesentlich mehr als in den vergangenen Jahren waren am Dienstagabend zur Benediktbeurer Bürgerversammlung gekommen.

Benediktbeuern Beherrschende Themen waren Gewerbegebiet und Lainbachwald sowie steigender Verkehr und die Straßenausbau-Beitragssatzung.

Als „sehr arbeitsreich, bewegt und erfolgreich“ beschrieb Bürgermeister Hans Kiefersauer das Jahr 2017 und fasste viele Themen, teilweise seit Amtsantritt 2014, in seinem umfangreichen Rechenschaftsbericht zusammen. Detailliert ging er unter anderem aufs Thema Gewerbegebiet-Erweiterung ein und berichtete, dass man heuer im Januar als Kompromiss übereingekommen sei, am Lainbach einen 40 Meter breiten Grünstreifen Wald stehen zu lassen. „Es stimmt nicht, dass nachkartiert wurde“, sagte Kiefersauer nun. Die Behörden hätten sich den Wald nochmal anschauen müssen, weil Wälder in Bayern nicht Biotop-kartiert seien. „Wir sind halt in Bayern, das kann ich auch nicht ändern.“

Aufgabe des Gemeinderats sei es gewesen, rein über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens zu entscheiden. Das sei, so Kiefersauer, „ein ganz normaler Rechtsakt“. Er könne die Enttäuschung über die Ablehnung verstehen. Aber Gewerbe sei wichtig, um Ausgaben zu finanzieren, etwa Breitbandausbau, Kindergarten und Don-Bosco-Club. Was ihn generell störe, sei „eine entweder-oder-Haltung“, dies sei ein „Stilelement der Diktatur“.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde teilweise lebhaft über Gewerbegebiet und Lainbachwald diskutiert. Von Seiten der BI hatten Claudia Wenzl und Sabine Leidl mehrere schriftliche Fragen eingereicht. Derzeit, antwortete der Bürgermeister, würde die Gemeinden von Betrieben durchschnittlich Steuern im vierstelligen Bereich einnehmen. Für die geplante Erweiterung liegen elf Bewerbungen vor, vor allem von Handwerkern. Das Gewerbe müsse überwiegen, Wohnnutzung sei nur bis maximal 120 Quadratmeter zulässig.

Wenzl kam erneut darauf zu sprechen, dass die BI erst bei der Sondersitzung vom Wegfall des Biotop-Schutz-Statuses erfahren hatte. „Wir haben nicht damit gerechnet, so ausgetrickst zu werden.“ Wenzl und Leidl kritisierten auch, dass Kiefersauer eine wesentliche Information zur Abholzung der Bäume in nichtöffentlicher Sitzung kundgetan hatte. Dieser rechtfertigte sich damit, es habe Ende Oktober keine öffentliche Sitzung gegeben. Dass er, Kiefersauer, anschließend Gemeinderat Cölestin Allgäuer öffentlich gerügt hatte, weil dieser seine BI-Kollegen informiert hatte, sei „eine grundsätzliche Belehrung gewesen“, sagte der Bürgermeister nun. Überhaupt habe sich in punkto Öffentlichkeit „in jüngster Zeit einiges geändert“, antwortete der Rathauschef auf eine weitere Frage von Wenzl und Leidl. Man habe jetzt nur noch das auf der nichtöffentlichen Tagesordnung, was dort zwingend sein müsse.

Bürger, die nicht in der Initiative aktiv sind, äußerten sich unterschiedlich zu diesem Thema. Auch wenn „das eine oder andere schief gelaufen ist: das Engagement ist eine gute Sache“, sagte zum Beispiel Florian Bacher jun. Er appellierte an alle Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen, wie es Kiefersauer immer wieder vorschlage. Ein anderer Bürger meinte, besagter Wald sei wenig erhaltenswert. Auch Gemeinderat Bruno Bacher ergriff das Wort: „Es war eine rein rechtliche Entscheidung.“

Hans Schweiger, einer der BI-Gründer, glättete schließlich die Wogen. „Es ist eine extrem schwierige Stimmung, weil sich keiner auskennt. Hocken wir uns zusammen und reden drüber“, sagte er und bekam dafür Beifall. Allerdings: „Information ist Macht“, sagte Schweiger zum Bürgermeister, „und du hast Macht.“ Man müsse jetzt „auf Augenhöhe reden“, was bedeute, dass Kiefersauer der BI alle Informationen zur Verfügung stellen müsse. Konkret nannte Schweiger das Schreiben vom Gemeindetag, demzufolge nur die Ablehnung des Bürgerbegehrens möglich war. Zudem müsse man auch über Alternativstandorte reden. „Wir sind nicht gegen Gewerbegebiete, aber nicht an dieser Stelle“, sagte Schweiger. Und: „Wenn es einen Bürgerentscheid gibt, und eine Mehrheit stimmt für die Abholzung, dann ist es eben so.“

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