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Der Südtrakt des Klosters Benediktbeuern wird umfangreich saniert. Die Gemeinde würde 1,3 Millionen Euro geben, wenn aus einem staatlichen Förderprogramm fast acht Millionen Euro für das Bauvorhaben der Ordensgemeinschaft fließen. Das Bild zeigt den Ostbereich mit der Basilika.

Kontroverse Diskussion im Gemeinderat

Benediktbeuern: Millionen-Zuschuss für Kloster-Sanierung?

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Ein Zuschuss in Höhe von 1,3 Millionen Euro von der Gemeinde Benediktbeuern soll dem Kloster helfen, für die aufwendige Sanierung einen staatlichen Zuschuss von knapp acht Millionen Euro zu erhalten. Die Räte diskutierten kontrovers.

Benediktbeuern – Die Haushaltssitzung des Benediktbeurer Gemeinderats wartete am Mittwochabend mit einer Überraschung auf: Die Gemeinde will 1,3 Millionen Euro bereitstellen, in der Hoffnung, dass die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos den Zuschlag für ein großes Förderprojekt vom Bund bekommt. Es handelt sich um ein „nationales Projekt des Städtebaus“, für das sich laut Bürgermeister Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung) die beiden CSU-Politiker Martin Bachhuber (Landtag) und Alexander Radwan (Bundestag) einsetzen.

Insgesamt stehen hier laut Ortlieb 75 Millionen Euro vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zur Verfügung. Das Geld wird auf die einzelnen Bundesländer projektbezogen verteilt. Voraussetzung ist, dass es sich um „konzeptionelle Projekte mit besonderer nationaler beziehungsweise internationaler Wahrnehmbarkeit, mit sehr hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit hohem Innovationspotenzial“ handelt. Antragsberechtigt sind Kommunen.

Für Bayern stehen 7,6 Millionen Euro zur Verfügung. Schon im vergangenen Jahr, sagte Ortlieb am Donnerstag im Gespräch mit dem Tölzer Kurier, habe man sich darum beworben, sei jedoch nicht zum Zug gekommen. Heuer sei die „Tendenz nicht schlecht“, habe man ihm mitgeteilt. Der Antrag ist bereits gestellt, die Entscheidung der Jury soll im April fallen.

Unterstützung wird mit Kredit finanziert

Voraussetzung für die millionenschwere Förderung ist, dass sich auch die Gemeinde mit einem prozentualen Anteil beteiligt. Für Benediktbeuern sind das knapp 1,3 Millionen Euro. In nichtöffentlicher Sitzung habe man zweimal darüber diskutiert, sagte Ortlieb. Die Gemeinde steht zwar finanziell gut da, hat in den kommenden Jahren aber zahlreiche Infrastrukturprojekte wie Kanal- und Straßensanierungen zu schultern. Deshalb wurde beschlossen, die 1,3 Millionen Euro über einen Kredit zu finanzieren. „Die aktuelle Zinslage kommt uns entgegen“, sagte Ortlieb, der gelernter Bankkaufmann ist.

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Sollte man in den Genuss der Fördermittel kommen, wird das Geld für den Bauabschnitt zwei im Kloster verwendet. Geschätzte Kosten: 12,7 Millionen Euro. Wie berichtet, muss der Südtrakt („Fürstentrakt“) umfangreich saniert werden. Bedingt durch ein Absenken der Grundpfeiler ist die Stabilität des Klosters in Gefahr. Der Bereich soll umfangreich modernisiert werden, damit man ihn auch Tagungsgästen zur Verfügung stellen kann. Das wiederum soll Einnahmen für die Salesianer sichern.

Für Ortlieb ist das Kloster „ein Barockjuwel mit regionaler und internationaler Bedeutung“. Es gehe darum, den Standort zu sichern. Nicht zuletzt sei das Kloster einer der größten Arbeitgeber in der Region. Man gehe davon aus, dass das Benediktbeurer Kloster das einzige in der Region sei, das Zukunft habe. Von Seiten der Bistümer gebe es Zusagen zur weiteren finanziellen Unterstützung und Aufrechterhaltung der Hochschule. Mit dem Geld, so Ortlieb weiter, schenke die Gemeinde der Ordensgemeinschaft auch das Vertrauen, den Standort zu erhalten.

Gemeinderäte unterschiedlicher Meinung

Die Ratsmitglieder äußerten sich zur Finanzspritze recht unterschiedlich. Zweiter Bürgermeister Hanns-Frank Seller (CSU) wies auf den hohen Kredit hin und sprach davon, „in einen sauren Apfel zu beißen. Da kommen wir schon an unsere Grenzen.“ Die Gemeinde sei bereits mehrfach fürs Kloster in Vorleistung gegangen, auch für Projekte, die dann nichts geworden seien, etwa der Bebauungsplan für das Fraunhofer-Tagungshaus, nannte Seller ein Beispiel. Andererseits wolle man natürlich, dass die Salesianer bleiben. „Es wäre noch schlimmer, mit dem Staat zu verhandeln, wenn die Salesianer abziehen würden.“ Rudi Mühlhans (Freie Bürgerliste Miteinander/FBM) sprach aus einer anderen Perspektive: „Wir gehen nicht in Vorleistung, sondern wir geben etwas zurück.“ Die Salesianer hätten vor 90 Jahren das damals brachliegende Kloster wieder zum Leben erweckt. Das Dorf habe der Ordensgemeinschaft viel zu verdanken, sowohl in sozialer Hinsicht als auch durch diverse Steuereinnahmen. Die Finanzspritze sei „die absolut richtige Entscheidung“. Auch Thomas Guggemos (CSU) sprach von einer Investition, die „sinnvoll und nachhaltig“ sei. Für Dritte Bürgermeisterin Margarete Steffens ist es eine Investition „in die Zukunft“.

„Das Kloster macht den Unterschied zu anderen Gemeinden aus“, sagte Toni Lugauer. Es würde dem Dorf „viel zurückgeben“. Auch Lugauer steht hinter der Kreditaufnahme. Denn: „Das Kloster bleibt, auch wenn die Salesianer gehen sollten.“

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Skeptisch äußerte sich Stefan Geiger (Freie Wählergemeinschaft): „Wir müssen dem Kloster nichts zurückgeben.“ Ihn bewege viel mehr die Frage, ob die Gemeinde „irgendwelche Risiken eingehe“, wenn die Renovierung teurer werde. Bürgermeister Ortlieb verneinte das. Es sei sogar davon auszugehen, dass die Baukosten steigen werden – „aber die Höchstfördersumme ist gesetzt“.

Marcus Klingler (Freie Wählergemeinschaft) brachte noch ein ganz anderes Argument ins Spiel, nämlich die Frage der Haftung, wenn Fehler im Vergabeverfahren passieren. „Ich weiß, wie schnell so etwas gehen kann.“ Es müsse geklärt sein, dass die Gemeinde hier nicht für die Gesamtsumme in die Pflicht genommen werde. „Denn das würde dem Dorf das Genick brechen.“ Darum werde er sich kümmern, sicherte Bürgermeister Ortlieb zu: „Das klären wir im Vorfeld durch rechtliche Beratung.“ Außerdem sei es ja das Kloster und nicht die Gemeinde, die auf der Baustelle mit den Planungsbüros zusammenarbeite.

Geld fließt nur, wenn Förderung zustande kommt

Dorothea Bugl (FBM) dankte im Namen des Kloster-Fördervereins Juwel, dem sie angehört, für die Unterstützung. Seit vielen Jahren würden sich im Verein zahlreiche Ehrenamtliche für den Erhalt des Klosters engagieren. „Es ist schön, von der Gemeinde so eine große Bereitschaft und Wohlwollen zu erfahren.“

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Bekommt Benediktbeuern nicht das Geld aus dem Förderprojekt vom Bund, wird die Gemeinde auch nicht die 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stellen, sagte Bürgermeister Toni Ortlieb auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet (ausführlicher Bericht).

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