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Wie das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren kann, darüber wurde beim Bürgerforum unter Leitung von Moderator Hans Weiskopf (li.) und Vorstand Wolfgang Neumeister diskutiert.

„Zammleben“ diskutiert mit Bürgern 

Nachbarschaftshilfe sammelt Ideen für neue Projekte 

80 interessierte Bürger diskutierten bei Bürgerforum über Visionen und neue Ideen der Nachbarschaftshilfe „Zammlebn“ mit. 

Benediktbeuern – Wie kann das soziale Miteinander in Benediktbeuern und Bichl künftig weiter gestaltet werden? Um über diese Frage nachzudenken, beteiligten sich rund 80 Interessierte am Freitagabend an einem Bürgerforum im Pfarrsaal. Organisiert wurde es vom 2013 gegründeten Verein „Zammlebn“, der mit seinen Nachbarschaftshilfen längst eine feste Größe ist. Auch zwei Bürgermeister unterstrichen mit ihrer aktiven Beteiligung an diesem „Werkstattgespräch“ den hohen Stellenwert und die Wertschätzung, die diese gemeinnützige Initiative mittlerweile genießt.

Vorstand Wolfgang Neumeister betonte, man wolle gemeinsam ermitteln, was die Menschen über das bislang Erreichte hinaus für erforderlich halten, um auch in Zukunft die Herausforderungen bewältigen zu können: „Damit alle Menschen, Gruppen und Generationen in unserem Gemeinwesen gut miteinander leben können.“

Neue Weichenstellung laut Neumeister notwendig 

Die Notwendigkeit neuer Weichenstellungen begründete er mit der demografischen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Wandel. Der geht einher mit einer Aushöhlung des Generationenvertrags durch berufsbedingte Mobilität, der Berufstätigkeit von Männern und Frauen, dem Mangel an Pflegekräften und der Gefährdung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Der Benediktbeurer Vize-Bürgermeister Hanns-Frank Seller pflichtete ihm bei: „Vor dem Strukturwandel dürfen wir nicht die Augen verschließen. Wir können das nur gemeinsam schaffen, und die politischen Gemeinden können dabei auf ,Zammlebn‘ nicht verzichten.“

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Der methodische Ansatz dieses Werkstattgesprächs zielte darauf ab, alle Interessierten in den angestrebten Prozess von Meinungsbildung und Entscheidungsfindung mit einzubinden: Dafür wurden die 80 Teilnehmer für 45 Minuten auf vier parallel laufende Workshops unter der Leitung von Gabriele Lang, Bernadette Oppel, Ignaz Dreyer und Tanja Schmidhofer aufgeteilt. Dort konnte wirklich jeder zu Wort kommen und seine eigenen Vorstellungen und Probleme schildern.

Viele Vorschläge von interessierten Bürgern 

Die im kleinen Kreis zusammengetragenen Wünsche, Meinungen und Thesen wurden anschließend im Plenum vorgestellt und zusammengefügt. Das geschah unter der Moderation von Hans Weiskopf, der als Managementtrainer und Lehrbeauftragter an der örtlichen Hochschule tätig war. Zu den bestehenden Zielsetzungen von „Zammlebn“ (gesellschaftlicher Zusammenhalt, Jugend- und Altenhilfe, Bildung und Erziehung, Flüchtlingshilfe, Unterstützung hilfsbedürftiger Personen mit einem ehrenamtlichen Helferkreis) kamen dabei etliche interessante Vorschläge auf den Tisch.

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Fünf Projekte mit konkreten Maßnahmen wurden angestoßen: Ein Treffpunkt zum Aufbau eines Netzwerkes, Verbesserung der Pflege mit der Einrichtung von bedarfsgerechten Plätzen, bedarfsgerechtes Wohnen – etwa mit einem Mehrgenerationenhaus, Barrierefreiheit mit Bordsteinabsenkungen und besserer Beleuchtung, Stärkung und Wertschätzung des Ehrenamtes.

18 Teilnehmer wollen bei Projekten mitarbeiten 

Viel Anerkennung erfuhr Weiskopf für seine Moderation. 18 Teilnehmer erklärten sich spontan bereit, bei den Projekten mitzuarbeiten. Wertschätzung wünschte sich Bichls Bürgermeister Benedikt Pössenbacher auch für das kommunalpolitische Ehrenamt und für den Umgang aller Beteiligten miteinander vor der anstehenden Kommunalwahl. (Rainer Bannier)

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