Eindrucksvolle Begegnung: Beim Wandern an der Benediktenwand kann man unversehens einem Steinbock gegenüberstehen. Die Menschen sollten aber darauf achten, den Lebensraum der Tiere nicht zu stören.
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Eindrucksvolle Begegnung: Beim Wandern an der Benediktenwand kann man unversehens einem Steinbock gegenüberstehen. Die Menschen sollten aber darauf achten, den Lebensraum der Tiere nicht zu stören.

Damit Kolonie erhalten bleibt, ist aber auch Rücksichtnahme gefragt

Neue Steinböcke für die Benediktenwand

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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An der Benediktenwand ist die Ansiedlung von weiteren Steinböcken geplant. Sie kommen aus der Schweiz und sollen die Population nachhaltig sichern.

Benediktbeuern - Begegnungen mit Steinböcken an der Benediktenwand sind für Wanderer und Hobbyfotografen immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis. Und den örtlichen Jägern ist es ein Herzensanliegen, das Wohlergehen dieser einzigartigen Kolonie im Auge zu behalten. Für die Region ist es daher eine gute Nachricht, was der Bayerische Jagdverband bekannt gegeben hat: Die Ansiedlung von zehn weiteren Steinböcken aus der Schweiz soll Inzucht verhindern und die Population langfristig sichern. Damit sich das Steinwild weiter an der Benediktenwand wohlfühlt, ist aber auch die Rücksichtnahme jedes Einzelnen gefragt, der in dem Gebiet unterwegs ist.

Im Frühjahr und im Herbst wird der Bestand akribisch gezählt

„Mit wie viel Hingabe, Leidenschaft und Fachwissen sich die Jäger um das Steinwild kümmern, das ist einmalig“, betont Anton Krinner, Vorsitzender der Hochwildhegegemeinschaft Isarwinkel. Es seien die drei Jagdpächter der Reviere Wegscheid, Schlegldorf und Arzbach sowie die beiden zuständigen Revierförster der Staatsforsten, die „täglich mit den Steinböcken leben und sie kennen wie niemand sonst“. Sie hätten das Wohlergehen und das Verhalten der Tiere immer im Auge, könnten reagieren, wenn ein Tier sich verletze oder krank wirke. Im Frühjahr und Herbst betreiben die Jäger akribisch die Zählung des Bestands.

Verende ein Tier oder müsse eines entnommen werden, so Krinner, werde der Körper zur Untersuchung in die Tierpathologie nach München gebracht.

Südlicher Bereich der Probstenwand für Kletterer gesperrt

Vor Ort stellen die Jäger auch fest, was die Lebensbedingungen der Steinböcke stört. „Kletterer sind immer wieder in die Rückzugsgebiete der Kitze vorgedrungen“, berichtet Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Deswegen haben wir den südlichen Bereich der Probstenwand für Kletterer gesperrt.“

Dass auf den Wegen viel los ist, daran gewöhnen sich die Tiere laut Steger. „Problematisch wird es, wenn die Wanderer quer durchs Gelände marschieren oder sogar auf dem Gipfel übernachten. Das sorgt für Stress bei den Tieren. Wenigstens nachts müssen wir ihnen eine Verschnaufpause gönnen.“

Durch anhaltende Störungen durch den Mensch findet keine Rudelbildung mehr statt

Auch Krinner weist auf die Folgen der Störung der Tiere durch den Menschen hin: „Es findet keine große Rudelbildung mehr statt.“ Die aber sei für das Wohlbefinden der Tiere essenziell. „Im Rudel herrscht Sicherheit – während die einen Tiere aufpassen, können die anderen ungestört äsen.“ Er appelliert daher, besonders im Winter und in der Aufzuchtzeit bis Ende Juli besondere Rücksicht zu nehmen und allgemein ausgewiesene Ruhezonen zu respektieren. Das sei auch für Vögel von Bedeutung, die im gleichen Gebiet brüten – seien es Falken, Rauhfußhühner oder Auerhähne.

Ein weiterer Störfaktor seien Gleitschirmflieger. „Sie schrecken die Steinböcke auf und lösen den Fluchtreflex aus“, sagt Steger. „Leider finden wir immer wieder Tiere, die in den Tod gestürzt sind.“ Laut Krinner stufen Auerhähne Drachenflieger als Adler ein, ergreifen die Flucht – und die Küken, die der Mutter hinterhermarschieren, bleiben orientierungslos im Gelände zurück. „Damit ist das Gelege eines Jahres tot.“

Steinböcke mit gebührendem Abstand bewundern

Aus angemessenem Abstand aber sei es ein wunderbares Erlebnis, beim Wandern auf einmal zehn imposanten Steinböcken gegenüberzustehen – „und das in freier Natur, nicht im Zoo, nicht hinter einem Zaun“, schwärmt Krinner. Mit Rehen oder Hirschen, die entweder rasch fliehen oder nachtaktiv sind, seien solche Begegnungen nicht möglich. Das macht für Krinner die Faszination der Steinböcke aus – und er freut sich, wenn die Neuansiedlung von zehn Tieren die Population gesund und vital erhält. Das sei laut Experten durch die anstehende Maßnahme für 50 bis 70 Jahre gesichert.

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