Monika Huppelsberg ist Seniorenbeauftragte von Benediktbeuern.
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Monika Huppelsberg ist Seniorenbeauftragte von Benediktbeuern.

Seniorenbeauftragte spricht im Gemeinderat

„Wir brauchen dringend einen Pflegestützpunkt“ in Benediktbeuern

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Wie geht es den Senioren in Benediktbeuern – insbesondere jetzt während der Corona-Pandemie? Dazu wollte sich der Benediktbeurer Gemeinderat ein Bild machen und hatte sich deshalb für seine jüngste Sitzung Monika Huppelsberg, die Seniorenbeauftragte der Kommune, eingeladen.

Benediktbeuern - Natürlich, so berichtete die erfahrene Sozialpädagogin, die seit elf Jahren als Seniorenbeauftragte im Klosterdorf unterwegs ist, habe es während der vergangenen Monate keine Veranstaltungen für Senioren gegeben. Doch im Rahmen von Hausbesuchen habe sie auch während der Pandemie die älteren Bürger aufgesucht und versucht, sie in einem selbstbestimmten Leben in ihrem eigenen Zuhause zu unterstützen.

Viele Senioren wissen nicht, welche Geld- und Sachleistungen ihnen zustehen

Auffällig sei dabei, so Huppelsberg, „wie hilflos die alten Leute gegenüber den Behörden sind“. Viele wüssten gar nicht, welche Geld- und Sachleistungen ihnen etwa von der Pflegeversicherung zustünden, um möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Zuhause führen zu können. Stattdessen würden viele Ältere bei ihren Nachbarn oder Angehörigen um Hilfe bitten – etwa bei der Hausarbeit. „Das ist aber nicht selbstbestimmt. Sie begeben sich in eine Abhängigkeit“, bedauerte Huppelsberg. „Das ist eine echte Schande für Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben.“

Oft, so berichtete die Seniorenbeauftragte, werde sie von Nachbarn, der Gemeinde oder der Pfarrei informiert, wenn alte Menschen ihre Unterstützung bräuchten. Dann gehe sie zu ihnen, helfe bei Anträgen oder sei vor Ort, wenn der Medizinische Dienst komme, um etwa einen Pflegegrad zu ermitteln. „Wenn mich jemand ruft, bin ich da. Ich reagiere sofort“, betonte sie. Wegen der Pandemie führe der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Pflegegrad-Einstufung derzeit allerdings nur noch telefonisch durch, was die Situation für so manchen hilfebedürftigen Senior zusätzlich erschwere.

Ambulante Pflegestrukturen sind im Klosterdorf nicht gut ausgebaut

Auf die Frage von Dorothea Bugl (FBM), wie es in Benediktbeuern um die ambulante Pflege bestellt sei, fiel Huppelsbergs Antwort nicht gut aus. Der Pflegedienst sei im Klosterdorf nicht gut ausgebaut. „Wir brauchen hier dringend einen Pflegestützpunkt“, forderte sie. Außerdem fehle es an zertifizierten Haushaltshilfen, die sich um das Zuhause der Senioren kümmern könnten. Um diese Arbeit zu machen, müssten Interessierte einen entsprechenden Kurs absolvieren, denn nur mit Zertifikat könnten die Leistungen mit den Kassen abgerechnet werden. Der Kurs werde zweimal pro Jahr über das Tölzer Landratsamt angeboten (Ansprechpartner: Christiane Bäumler, Telefon 0 80 41/50 52 80).

Was die Wohnsituation in Benediktbeuern betreffe, so hätten die meisten alten Menschen reichlich Platz in ihrem Zuhause. Oft sogar so viel, dass etwa in einem Haus nur noch ein kleiner Teil von dem Senior bewohnt werde – etwa weil er nicht mehr die Treppe in seine oberen Räume hochkomme – und der Rest ungeheizt leer stehe. So würden einige Häuser verfallen. Dass Modell „Wohnen für Hilfe“, bei dem junge Menschen zu den Senioren ziehen, um sich um sie zu kümmern und im Gegenzug günstig wohnen zu können, werde in Benediktbeuern aber nicht funktionieren, denkt sie.  

Kontakt: Monika Huppelsberg ist erreichbar unter Telefon 01 79/7 04 33 93

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