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Kokain soll ein Benediktbeurer vom sogenannten Kinderzimmer-Dealer gekauft haben.

Benediktbeurer vor Gericht

Kokain vom Kinderzimmer-Dealer

Benediktbeuern - Ein 22-Jähriger Benediktbeurer muss sich vor dem Jugendrichter verantworten, weil er Anfang 2015 im Darknet Marihuana und Kokain gekauft haben soll. Der Angeklagte streitet die Anschuldigungen ab.

Das Drogenlager, aus dem der Mann aus Benediktbeuern den Stoff bezogen haben soll, befand sich in einem Leipziger Mehrfamilienhaus. Von dort verkaufte ein damals 18-Jähriger binnen 15 Monaten mehr als 900 Kilo Drogen. Weil der Jugendliche seine überaus florierenden Geschäfte am Computer in seinem Kinderzimmer abwickelte, erhielt er im Laufe seines Prozesses den Beinamen „Kinderzimmer-Dealer.“

Es begann im Dezember 2013 und endete mit der Verhaftung des Leipzigers im Februar 2015. Als er aufflog, stapelten sich in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung Kisten mit rund 300 Kilogramm Drogen, unter anderem Haschisch, Ecstasy-Tabletten und LSD-Pillen. Daneben stellte die Kripo eine Datei sicher, auf der der jugendliche Großdealer fein säuberlich seine Kunden aufgelistet hatte. Darunter befand sich auch der Benediktbeurer, der sich nun wegen unerlaubtem Erwerb von Betäubungsmitteln in zwei Fällen vor dem Jugendrichter verantworten muss. Am 25. Dezember 2014 wurde an die Adresse des 22-Jährigen per Einwurfeinschreiben eine Postsendung mit elf Gramm der Partydroge MDMA zugestellt. Mitte Januar 2015 soll er auf die gleiche Weise ein weiteres Paket mit 100 Gramm Marihuana und zwei Gramm Kokain erhalten haben.

„Ich habe damit nichts zu tun“, erklärte der Angeklagte kurz und knapp. Von der Drogenbörse „Shiny Flakes“, einem ausgeklügelten System mit Verschlüsselungen, anonymen Mailadressen und ausländischen Servern, habe er zum ersten Mal in der Anklageschrift gelesen, beteuerte der junge Mann. Auch vom Zahlungsmittel „Bitcoin“, mit dem der Leipziger insgesamt rund vier Millionen Euro umgesetzt haben soll, habe er „nie gehört“. Die Frage des Richters, ob er sich erklären könne, wie seine Daten in die Datei des Leipziger Dealers gelangt sein könnten, beantwortete er mit ratlosem Kopfschütteln. „Womöglich gibt es eine dritte Person, die sich die Sachen an die Adresse meines Mandanten schicken ließ“, mutmaßte der Verteidiger des Benediktbeurers.

Nachdem auch der ermittelnde Kripobeamte außer den Hinweisen aus der Kundendatei nichts Belastendes vorbringen konnte, setzte Richter Urs Wäckerlin die Verhandlung aus und gab das Verfahren zwecks weiterer Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft zurück.

Aufgeflogen war das Ganze, weil der Dealer beim Adressieren seiner Drogenpäckchen geschlampt hatte. Mindestens elf Sendungen waren nicht zustellbar und gelangten schließlich ins Rauschgiftkommissariat der Leipziger Kripo. Der „Kinderzimmer-Dealer“ ist bereits Anfang November 2015 vom Landgericht Leipzig zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Rudi Stallein

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