Mit dem Kajak unterwegs: Teilnehmer von Orientierungstagen in Benediktbeuern fahren übern Kochelsee.
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Mit dem Kajak unterwegs: Teilnehmer von Orientierungstagen in Benediktbeuern fahren übern Kochelsee.

Positionspapier

Benediktbeurer Salesianer fordern: Verbot von Schulfahrten beenden

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Ein Ende des Verbots von mehrtägigen Schul- und Klassenfahrten fordern die Salesianer Don Boscos in einem Positionspapier. Die Deutsche Provinz des Männerordens macht darin deutlich: Junge Menschen brauchen Bildung und Begegnung – auch außerhalb des Klassenzimmers.

Benediktbeuern – In ihrem am Dienstag veröffentlichten Brief an das bayerische Kultusministerium schreiben die Salesianer Don Boscos Klartext: Sie kritisieren das noch bis Ende Januar 2021 geltende Verbot mehrtägiger Schul- und Klassenfahrten in Bayern und fordern dessen Aussetzung zum neuen Schuljahr.

„Das ist eine sehr schwierige Situation für uns“, sagt Pater Heiner Heim. Der Benediktbeurer Pfarrer ist der Vorstandsvorsitzende des zuständigen ZUK-Trägerverbunds. Bereits in der Jahresversammlung hatte sich das Gremium mit der schwierigen Situation befasst (wir haben berichtet). In einer Vorstandssitzung am gestrigen Dienstag brachten die Teilnehmer nun ihre einmütige Zustimmung zu dem Positionspapier zum Ausdruck. „Wir sind zurzeit völlig in der Schwebe und müssen deshalb kürzen, wo es nur geht“, kündigt Pater Heim an. Es gebe Überlegungen, die Bildungseinrichtungen im Herbst vorübergehend für einen Monat zu schließen und die Angestellten in Kurzarbeit zu schicken. Betroffen sind davon allein in Benediktbeuern die Jugendbildungsstätte Aktionszentrum und das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster sowie die Don-Bosco-Jugendherberge. Weitere Don-Bosco-Einrichtungen der Salesianer-Provinz stehen derzeit ebenfalls leer – in München, Ensdorf und Jünkerath in Rheinland-Pfalz.

Früher zeitweise bis zu fünf Klassen pro Woche im ZUK

„Wir hatten in der Vergangenheit oft bis zu 100 Klassen jährlich in Benediktbeuern zu Gast“, rechnet Pater Heim vor. Zeitweise haben bis zu fünf Klassen pro Woche die Bildungsangebote wahrgenommen. Insgesamt waren Jahr für Jahr rund 16 000 Schüler im und außerhalb des Klosters untergebracht.

Mit Blick auf die weitreichenden Maßnahmen zur Einschränkung der Covid-19-Pandemie sei es wichtig, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, miteinander und in Begleitung Erfahrungen aus der Krise aufzuarbeiten und nach Wochen des Homeschoolings zu einer tragfähigen Klassen- und Lerngemeinschaft zurückzufinden, heißt es in dem Positionspapier. Außerschulische Jugendbildung als sozialer Ort des Lernens – in Ergänzung zu Elternhaus und Schule – sei wichtiger und notwendiger denn je. Sorge bereite vor allem das Wohl, die Lebensqualität und die psychische Gesundheit junger Menschen.

Wichtiger Baustein in der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen

Zur Erinnerung: Anfang Juli hatte das Kultusministerium angeordnet, dass mehrtägige Schul- und Klassenfahrten bis Ende Januar 2021 untersagt sind, um den im coronabedingten Lock-Down verpassten Unterrichtsstoff besser nachholen und Wissenslücken schließen zu können.

„Diese Entscheidung sehen wir mit großer Sorge, denn neben der formalen Bildung ist die außerschulische Jugendbildungsarbeit ein wichtiger Baustein in der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen“, erklärt Pater Stefan Stöhr, der Provinzökonom der Salesianer Don Boscos. Eine ganzheitliche Förderung junger Menschen dürfe nicht länger zurückstehen, sagt Stöhr. Sie sei essenziell – gerade in Krisenzeiten.

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