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Den Blick ins Tal genießen: Wanderer können künftig wieder teilweise in Berghütten einkehren.

Corona-Krise

Viele Hütten öffnen wieder: Brotzeit auf der Gipfel-Terrasse

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An diesem Montag startet der Betrieb im Berggasthaus Herzogstand, am Donnerstag auf der Staffelalm. Andere Hütten warten noch ab.

Kochel am See/Benediktbeuern Frühling, Sonnenschein – was gibt es da Schöneres als eine Brotzeit auf einer Berghütte bei traumhafter Aussicht? Heuer ist die Vorfreude allerdings getrübt, vor allem bei den Hüttenwirten. Vieles ist ungewiss. Die große Frage lautet: Lassen sich Berghütten in Zeiten der Corona-Beschränkungen überhaupt wirtschaftlich führen?

Am frühesten dran ist das Berggasthaus Herzogstand, das bereits an diesem Montag seine Terrasse wieder öffnet. „Wir haben selbst ein Hygiene-Konzept ausgearbeitet, wie es der Staat fordert“, sagt Wirt Siegfried Zauner „Ich hoffe, es passt so.“ Normalerweise finden auf der Terrasse 600 Leute Platz, in Zukunft wohl nur noch 170. Am 25. Mai will Zauner auch den Innenraum wieder für Gäste öffnen. Dort wird es dann nur noch 75 statt 240 Plätze geben. Ob sich das Haus unter diesen Umständen betriebswirtschaftlich sinnvoll führen lässt? „Wenn ich das wüsste“, entgegnet Zauner. „Wir machen im Mai und Juni jetzt mal einen Probelauf, und dann gibt es einen Kassensturz.“

Klar sei, dass auch bei schlechtem Wetter acht bis neun Leute Personal notwendig sind: „Wir brauchen eine Klofrau, zwei Leute, die permanent am Eingang stehen. Einer muss die Leute zum Tisch bringen, und einer muss permanent die Tische und Stühle desinfizieren.“ Zauner stellt sich die Frage: „Ob sich dieser Aufwand rentiert, wenn wenig los ist?“ Und dann gibt es noch einige Unsicherheitsfaktoren: „Ich weiß nicht, ob die Leute mit Mundschutz bei uns rumhocken wollen. Und ich weiß nicht, ob es ihnen zu blöd ist, Name und Adresse anzugeben, wenn sie sich hinsetzen wollen.“ In Zukunft sollen die Gäste nur noch eine Stunde im Gasthaus sitzen dürfen: „So können wir vielleicht ein paar Leute mehr bedienen“, hofft Zauner. „Vielleicht können wir so erreichen, dass der Umsatz nicht um zwei Drittel, sondern nur um die Hälfte sinkt.“

„Die Leute drückt es jetzt zu uns rauf“

Dass die Bergbahn vorerst noch nicht läuft, bereitet Zauner unterdessen kein größeres Kopfzerbrechen: „Bergwandern boomt ohne Ende“, sagt der Gastronom. „Die Leute sind so lange daheim gesessen, jetzt drückt es sie zu uns rauf.“ Es haben Tage gegeben, an denen brachte die Bergbahn 3000 Leute auf den Herzogstand: „Wenn wir dann nur 1500 bedienen konnten, haben viele Leute keinen Platz gefunden – und waren zwider.“

Ein paar Nummern kleiner ist die Gastronomie auf der benachbarten Staffelalm am Rabenkopf bei Kochel. Hier stehen die Almwirtschaft und die Rinder im Vordergrund. Vor dem Haus stehen nur ein, zwei Tische und ein paar Sitzbänke. Für die Wanderer gibt’s in der Alm Getränke und hofeigene Produkte. Almbauer Sepp Orterer will mit der Bewirtschaftung am Donnerstag starten und sich dabei an alle Vorgaben halten. So will er in der Hütte einen „Einbahn-Verkehr“ einrichten und die Namen aller Gäste aufschreiben. „Ich verstehe, dass man das wegen der Rückverfolgung machen muss“, sagt Orterer. „Auch wenn es ein Riesen-Aufwand ist und sicher nicht angenehm. Jetzt müssen wir schauen, dass die Gäste mitziehen.“ Orterer hofft, dass die Menschen diszipliniert und vernünftig bleiben, „damit wir den Stand der Lockerungen nicht gefährden. Wenn wir noch mal zusperren müssen, wäre das das Allerschlimmste für uns.“

Tutzinger Hütte: Glück im Unglück

Glück im Unglück hatten die drei Wirte der Tutzinger Hütte: Ausgerechnet während der Corona-Pause ging die Material-Seilbahn kaputt, die nun in aller Ruhe repariert werden konnte: „Während der Hauptsaison wäre das nicht so schnell zu bewältigen gewesen“, sagt Sabine Jauernig. Sie lässt es ruhig angehen und verzichtet darauf, den Außenbereich schon ab heute zu bewirtschaften. „Wir müssen wahnsinnig viele Auflagen erfüllen – dafür benötigen wir Vorarbeit.“ Erst einmal müssten viele Dinge organisiert werden, beispielsweise Desinfektionsmittel: „Es ist schwierig, dass man so was kriegt. Wenn es überhaupt lieferbar ist, dann zu utopischen Preisen.“ Hinzu kommen praktische Probleme: „Was machen wir, wenn schlechtes Wetter ist? Dann dürfen wir unsere Gäste nicht ins Haus lassen.“ Dies ist erst ab dem 25. Mai erlaubt, und dann wird auch die Tutzinger Hütte wieder aufgesperrt.

Klar ist laut Jauernig, dass der Betrieb in dieser Saison auf ein Minimum heruntergefahren wird, „denn Festangestellte können wir uns nicht mehr leisten“. Ebenfalls auf ein Minimum reduziert wird die Speisekarte.

Völlig unklar sei, wann die 16 Räume mitsamt den 91 Schlafgelegenheiten wieder nutzbar sind. Die Richtlinien des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands seien nicht sonderlich aussagekräftig: „Wir fischen da noch im Trüben“, sagt Jauernig. Ob die Hütte unter diesen Rahmenbedingungen betriebswirtschaftlich vernünftig geführt werden könne, wisse man erst in einem Monat.

Am Brauneck: Hoffen auf baldigen Start der Bergbahn

Am Brauneck steht und fällt alles mit der Bergbahn – und bei der ruht momentan der Betrieb – sehr zum Ärger von Georg Glaßner, Wirt der Tölzer Hütte: „Fußball spielen darf man, aber alleine in einer Bergbahn-Gondel darf man nicht hochfahren.“ Besonders schlimm sei, dass noch nicht einmal ein Termin für den Bergbahn-Start feststehe: „Traurig, dass die Regierung da keinen Weitblick hat.“ Ohne die Bergbahn sei am Brauneck wenig los. Glaßner will heute zählen, wie viele Wanderer im Gipfelbereich unterwegs sind: „Wenn da nur 20 kommen, können wir das Aufsperren bleiben lassen.“ Wenn mehr los ist, könne man über eine Wiedereröffnung am Donnerstag nachdenken. Klar sei, dass aufgrund der neuen Abstandsregeln 220 der 300 Sitzplätze wegfallen werden. „Es müssen zwei- bis dreimal am Tag 80 Leute da sein“, sagt Glaßner. „Sonst wird’s mit unseren Angestellten zäh.“ 

Christine Steiger, Wirtin am Brauneck-Gipfelhaus, hat sich schon festgelegt: „Wir warten darauf, dass die Bergbahn aufmacht, und dann machen auch wir auf.“ Möglicherweise sei dies am 30. Mai der Fall: „Wir haben noch nichts hergerichtet“, sagt Steiger. „Wir müssen schauen, wie wir die Situation händeln können. Unter diesen Bedingungen ist das nicht ganz so einfach.“ 

Eine Großbaustelle ist momentan die Lenggrieser Hütte am Seekar: „Wir bekommen neue sanitäre Anlagen und eine neue Terrasse“, sagt Wirt Florian Durach. So lange der Umbau läuft, macht er sich keine Gedanken über Corona-Regelungen: „Die Lagerplätze bleiben so wie sie sind.“ Und die Hütte bleibe noch den ganzen Mai geschlossen

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