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Großer Andrang: So viele Interessierte wollten den Bericht von Ingrid Wenger (re.) hören, dass das Erzählcafé diesmal kurzerhand in den Allianzsaal verlegt wurde.

Im Zentrum für Umwelt und Kultur

Bericht über Nahtod-Erfahrungen: „Es kann nur ein Schutzengel gewesen sein“

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Wie fühlt es sich an, wenn man stirbt? Was passiert dabei? Über Nahtod-Erfahrungen wurde nun im Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern gesprochen. Das Interesse war groß.

Benediktbeuern – Bevor sich Ingrid Wenger tötet, betet sie. „Lieber Gott, du weißt, ich will nicht sterben, aber ich sehe keinen anderen Ausweg.“ Danach schluckt die damals 14-Jährige einen Mix aus Rattengift und starken Medikamenten. Dann beginnt der Albtraum.

Es waren keine schönen Nahtoderfahrungen, die Ingrid Wenger den Teilnehmern am jüngsten „Erzählcafé“ im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern schilderte. Co-Referent Werner Barz erlebte andere, positive Dinge auf der Schwelle zum Jenseits. Der Leiter der Münchner Selbsthilfe- und Studiengruppe „Nahtoderfahrung“ konnte allerdings nicht kommen – wegen eines Todesfalls in der Familie.

Ohne Barz auf der Bühne zu sitzen – keine leichte Situation für Ingrid Wenger. Fast 50 Jahre lang hatte sich die Wahl-Münchnerin überhaupt nicht getraut, über das zu sprechen, was sie als Jugendliche nach ihrem Suizidversuch erlebt hat – aus Scham, weil sie sich das Leben hatte nehmen wollen. Aber auch aus Angst, nicht ernst genommen zu werden. Nun tat sie es sogar öffentlich und erntete viel Verständnis von ihren Zuhörern. Die haben zum Teil ähnliche Erfahrungen gemacht wie sie, kam im Gespräch mit Moderator Martin Blösl heraus.

Blösls Recherchen zufolge haben vier Prozent der Deutschen eine Nahtoderfahrung gemacht – vor allem, seit die Reanimationsmöglichkeiten immer besser geworden seien. Berichte über dieses Phänomen gebe es aber bereits seit Jahrtausenden. „Diese Erfahrungen können das Leben grundlegend verändern“, sagte Blösl.

Das gilt auch für Ingrid Wenger. Als Krankenschwester versuchte sie, etwas von dem zurückzugeben, was sie 1971 in Mainz erlebt hat. Sichtlich nervös erzählte die 63-Jährige ihre Geschichte: Als Straßenkind ohne Schulbildung und mit massiven Zukunftsängsten sah sie keinen anderen Ausweg, als sich zu vergiften. Auf der Schwelle zum Jenseits begegnen ihr heulende Dämonen mit Hörnern und Fratzen, ein lautes Dröhnen schmerzte in den Ohren. „Ich hatte den Eindruck, dass sie mich gleich packen“, sagt Wenger. Plötzlich spürte sie einen Sog und raste durch einen Tunnel. „Es hat wehgetan, und ich hatte Angst.“ Am Ende wurde sie in ein helles Licht „ausgespuckt“. Es entpuppte sich als Neonröhren in der Notaufnahme. Was Wenger wie fünf Minuten vorkam, waren in Wirklichkeit 24 Stunden.

Ein fremder Mann hatte Wengers Bruder auf einer Party angesprochen und aufgefordert, nach seiner Schwester zu sehen. Sie wurde gerettet, trotz mehrerer Herzstillstände. „Wer war dieser Mann?“, fragt sich Wenger bis heute. Wie konnte er wissen, was sie vorhatte und wo sie war? Warum hat er nicht selbst den Notarzt gerufen? „Es kann nur ein Schutzengel gewesen sein.“

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Eine Frau aus dem Publikum berichtete von einem ähnlichen Erlebnis. Eine fremde Frau klingelte an ihrer Tür und gab ihr Geld, als die alleinerziehende Mutter am Tiefpunkt angekommen war. „Es hat mich sehr angerührt, als Sie von dem fremden Mann sprachen“, bedankte sich die Frau.

Später im Leben begegnete Wenger noch einmal einem Schutzengel: Einer plötzlichen Eingebung folgend, schnallte sie sich auf der Fahrt von Koblenz nach Limburg an. Damals gab es noch keine Anschnallpflicht, und Wenger hörte zunächst nicht auf die Stimme in sich. Die ließ jedoch nicht locker. Vor Wengers geistigem Auge flog ein Mensch durch eine Windschutzscheibe. Kurze Zeit später platze ein Reifen ihres alten VW Käfer, das Auto überschlug sich fünfmal. „Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich nicht angeschnallt gewesen wäre.“ So kam Wenger mit einem Schleudertrauma davon.

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Wie diese Erfahrungen ihr Leben beeinflusst hätten, wollte Blösl wissen. Trotz ihrer lieblosen Kindheit habe sie als Krankenschwester und Mutter eines Sohnes Liebe weitergeben können, antwortete die Referentin. Ob sie ihr Leben wie im Film an sich habe vorbeiziehen sehen, wollte eine Zuhörerin wissen. „Gott sei Dank nicht“, sagte Wenger. „Das will ich auch bei meinem nächsten Tod nicht erleben.“ Auf Blösls Frage, was sie dem Publikum mit auf den Weg geben wolle, sagte Wenger: „Trotz aller Widrigkeiten das Gottvertrauen behalten.“

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