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Der Deutsche Meister in seinem Siegerobjekt: Nach strengen Wettbewerbsvorgaben hat Florian Meigel einen filigranen Schaukelstuhl ohne rechten Winkel geschaffen. Das Foto zeigt den Gesellen in der Werkstatt von Konrad Hundhammer in Penzberg, Dort absolvierte der 19-Jährige auch seine Lehre.

2019 zur WM

Der beste junge Schreiner Deutschlands ist ein Benediktbeurer

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Der Benediktbeurer Florian Meigel (19) ist ein Präzisionstalent – und auch deshalb Deutscher Meister im Schreinerhandwerk. 2019 vertritt er Deutschland bei der Weltmeisterschaft im russischen Kasan.

Benediktbeuern/Penzberg – Wenn man Florian Meigel nach seinen Schwächen fragt, fällt ihm einiges ein: „Ich brauche viel Zeit, um mich in etwas einzuarbeiten. Ich halte mich zu lange mit Details auf. Ich habe normalerweise Schwierigkeiten, unter Zeitdruck zu arbeiten.“ Normalerweise. Denn Meigel, 19 Jahre alt und aus Benediktbeuern, hat all diese Schwächen widerlegt. Er hat sich in einen komplexen Bauplan mit jeder Menge Details eingearbeitet und in nur 18 Stunden ein Meisterstück geschaffen: einen modern-filigranen Schaukelstuhl ohne einen einzigen rechten Winkel, dafür mit allerhand schrägen Holzverbindungen. Den gleichen Stuhl haben auch noch 13 andere Jungschreiner aus Deutschland gebaut – aber nicht annähernd so sauber und präzise wie Meigel.

Deutscher Meister im Schreinerhandwerk: Diesen Titel trägt er jetzt. 92 von 100 möglichen Punkten gaben ihm die Preisrichter im niedersächsischen Bad Zwischenahn. In den Wochen davor hatte er erst die Kollegen der Innung Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen übertrumpft. Es folgte der oberbayerische, dann der bayerische Meistertitel. Und nach dem Gewinn des deutschen, lernte Meigel dazu: „Ich wusste gar nicht, dass es auch noch eine Weltmeisterschaft gibt.“ Die „Worldskills“ steigt 2019 im russischen Kasan. Handwerker aus über 70 Ländern stehen sich in über 50 Wettbewerben gegenüber. Bei den Schreinern sind Teilnehmer bis 22 Jahre zugelassen – und der Benediktbeurer vertritt Deutschland.

Die Dimension seines Erfolgs muss man im Gespräch mit Florian Meigel immer wieder bewusst machen, denn selbst würde er es nicht tun. Wenn der junge Mann in der verdreckten brauen Arbeitshose beim Sprechen nach Worten sucht, fährt er mit den beiden Daumen auf dem Holztisch hin und her. Unbewusst streicht er über Maserungen, als würde er nach etwas suchen. Etwas herzustellen nur aus Massivholz, „dafür bin ich Schreiner geworden“, sagt er. Hier, in der großen Werkstatt von Konrad Hundhammer in Penzberg hat Meigel gelernt. Im großen Bankraum im ersten Stock schallt Rockmusik aus dem Radio, im Hintergrund sägen und schleifen ein paar erfahrene Kollegen. Meigel ist erst seit drei Monaten Geselle.

Pixel brechen aus dem Sideboard: Florian Meigels Gesellenstück. Aus Spaß hat er auch noch ein optisch harmonierendes Longboard, das er selbst fährt, gebaut.

Im Gegensatz zur Deutschen Meisterschaft, wo Arbeit strikt nach Plan gefragt war, durfte Meigel bei seinem Gesellenstück seine volle Kreativität ausschöpfen. Herausgekommen ist ein Sideboard, das er „Pixelart 172.“ nennt. Die 17 mal 17 Millimeter kleinen Würfel aus Kirsch- und Nussbaumholz erinnern tatsächlich an digitale Pixel, die aus dem Sideboard hergebrochen scheinen. Passend dazu hat der Schreiner ein Longboard angefertigt, das er selbst fährt. „Mittlerweile habe ich sieben Stück davon gebaut, zwei davon für Freunde“, sagt er.

Wenn Meigel Longboards baut, ist das reines Vergnügen für ihn. Die deutsche Meisterschaft dagegen war Stress pur. Sieben Konkurrenten in einem Raum, jeder sieht, wie weit der andere schon ist. „Das ist belastend, man muss lernen, es zu ignorieren.“ Wie kurz 18 Stunden Arbeit ohne Pause – aufgeteilt über drei Tage – sein können, erlebte Meigel. „Ich bin auf die Sekunde fertig geworden.“ Und bei der WM in Russland, sagt er, „wird der Leistungsdruck noch größer.“

Und was macht der 19-Jährige, wenn er gerade nicht schreinert? Eine Jägerausbildung zum Beispiel, die des Fischers hat er ja schon. An freien Tagen geht Florian Meigel raus in die Natur. Weit weg vom Holz ist er eigentlich nie.

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