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Der Biber hat sich in den vergangenen Jahren im südlichen Loisachtal rasant vermehrt. Das stellt die Landwirte vor große Probleme.

Naturschutz

Biberdämme dürfen entfernt werden

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Die Landwirte im Loisachtal sind erleichtert: Das Landratsamt lenkt ein und erlaubt das Entfernen von Biberdämmen im südlichen Loisach-Kochelsee-Moor. Endgültig gelöst ist das Problem damit aber nicht – denn die Population ist nach wie vor sehr groß.

Benediktbeuern/Ried/Bichl– Wie massiv die Biber-Plage im Loisachtal ist, hatte unsere Zeitung im Mai ausführlich berichtet.Nun kommt allmählich Bewegung in die Sache. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt genehmigt nun im südlichen Loisachtal das Entfernen von Dämmen, die die Nagetiere immer wieder errichten. Das ist das Ergebnis einer Ortsbegehung im Bereich Stierfleck auf Benediktbeurer Flur. Teilnehmer waren die Vorstände der örtlichen Wasser- und Bodenverbände und Mitarbeiter des Amts.

„Man hat das Gefühl, dass man nun endlich gehört und ernst genommen wird“, sagt Franz Sindlhauser, Vorstand des Wasser- und Bodenverbands in Benediktbeuern. Wie berichtet, macht das Wasser, das sich durch die Biberdämme aufstaut, den Landwirten erhebliche Probleme. Durch die vielen Pfützen auf den Wiesen erkranken die Rinder an Parasiten oder brechen in die unterirdischen Bibertunnel ein. Es mussten sogar schon Tiere notgeschlachtet werden. Auf den feuchten Wiesen breitet sich zudem ein borstiges Gras aus, das die Rinder nicht fressen können.

Die Vermehrung des Bibers im Moor ist immens. „Ich kenne keinen Graben ohne Biber“, sagt Landwirt Franz Petzold aus Ried. Auch er ist zufrieden mit der Erlaubnis vom Landratsamt. Freilich: Die Bauern müssen nach wie vor täglich kontrollieren, ob der Biber nachts tätig war oder nicht. Baut das Tier an einer Stelle, zu der man nicht fahren kann, muss man das Gehölz mühsam per Hand aus dem Wasser ziehen.

„Aber wenigstens haben wir jetzt Rechtssicherheit, dass wir das machen dürfen“, sagt Sindlhauser und betont, dass die Landwirte die Biber keinesfalls wieder ausrotten wollen. „Aber es muss ein Miteinander möglich sein. Der Biber hat hier keine natürlichen Feinde. Das wurde von den Umweltschützern nicht bedacht, als das Tier hier vor ein paar Jahren wieder heimisch wurde.“

Landwirtin Monika Gaisreiter, die heuer im Frühjahr bei der Bichler Bürgerversammlung auf das massive Problem aufmerksam machte, ist dennoch skeptisch, wie sich die Lage weiter entwickelt. „Im Sommer ist es nicht so schlimm, weil es da trockener ist.“ Sie hat Mitte Oktober einen Termin mit Umweltschützern aus dem Zentrum für Umwelt und Kultur, dem einige Flächen im Moor gehören.

„Ich denke, die Entscheidung des Landratsamtes hilft den Landwirten zumindest ein bisschen“, sagte Benediktbeuerns Bürgermeister Hans Kiefersauer, als er im Gemeinderat von der Begehung berichtet wurde.

Die Nagetiere dürfen bei der Entfernung der Dämme nicht verletzt oder getötet werden. Und die Biberburg, also die Wohnstätte der Tiere, ist nach wie vor streng geschützt. „Man darf sie allerdings soweit öffnen, dass sich der Wasserspiegel im verträglichen Bereich befindet“, sagt Franz Sindlhauser.

Wer entlang der Bundesstraße 472 von Bichl Richtung Urthaler Hof fährt, sieht derzeit rechts und links schon wieder viele umgenagte Bäume. Die Landwirte treibt nach wie vor die Sorge um, dass die Bäume auf Zäune fallen und dadurch die Rinder ausbrechen können, vor allem nachts. „Wer übernimmt da die Verantwortung?“, fragt Landwirtin Gaisreiter und sagt: „Ich lehne jede Haftung ab.“

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