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Ein Kohlweißling auf einer Löwenzahnblüte im Loisach-Kochelseemoor. Schmetterlinge sind nur eine von vielen Insekten-Arten, bei denen die Zahl der Tiere seit Jahren sinkt – auch im Benediktbeurer Moos.

Umdenken gefordert

BN-Brandbrief warnt vor dem Artensterben

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Das Sterben der Arten schreitet im Voralpenraum voran und macht auch vor dem Loisachtal nicht halt. In einem offenen Brief wenden sich verschiedene Naturschutzverbände nun an Politik und Verbraucher.

Benediktbeuern/BichlDie zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft ist für Ingrid Busch-Merz ein Hauptgrund für das Artensterben, das mittlerweile im gesamten Voralpenraum um sich greife. Auch im Loisach-Kochelseemoor sei es überdeutlich zu beobachten, so die Zweite Vorsitzende der im Januar dieses Jahres neu gegründeten Ortsgruppe Benediktbeuern-Bichl im Bund Naturschutz. „Der Artenreichtum hier geht massiv zurück“, sagt Busch-Merz. Zwischen 2003 und 2017 habe sie regelmäßig Schulkinder durchs Moos geführt und dabei unter anderem Schmetterlingsarten bestimmt – eine Arbeit, die immer mühsamer geworden sei im Laufe der Jahre. „Zuletzt haben wir keine Schmetterlinge mehr gefunden.“ Generell würde die Zahl alle Insekten-Arten abnehmen. Als Heilpraktikerin, die Pflanzen für die Behandlung mitunter selber sammle, habe sie außerdem festgestellt, dass auch deren Vielfalt kontinuierlich weniger geworden sei. „Und auch die Schwalben werden immer weniger“, nennt Busch-Merz eine weitere ihrer Beobachtungen.

Ingrid Busch-Merz ist eine der Unterzeichnerinnen des offenen Briefs.

In einem offenen Brief, den die Bichlerin zusammen mit sieben weiteren Vertretern örtlicher Umweltorganisationen sowie dem Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern und unter Mitwirkung von Landwirten aus der Region nun verfasst hat, und der unserer Redaktion vorliegt, fordern die Unterzeichner unter anderem mehr Förderung für nachhaltige und extensive Landwirtschaft.

Die Verbraucher werden in dem Brief aufgefordert, mehr regionale Produkte von extensiv wirtschaftenden Betrieben zu kaufen, da der Einkauf von Billiglebensmitteln „Tiere, Böden und Landschaft dauerhaft schädigt“ und den Lebensraum nachfolgender Generationen nachhaltig zerstöre. An Molkereien wird appelliert, über den Milchpreis den Erhalt klein-strukturierter, bäuerlicher Familienbetriebe zu unterstützen.

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Kein Vorwurf in Richtung der Landwirte

Der mehrseitige Brief ging unter anderem an Politiker der unterschiedlichsten Parteien von der Kommunal- bis zur Bundestagsebene. Die Unterzeichner des Schreibens werten zwar die zunehmend intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung als Hauptschuldigen für das Schwinden der Tier- und Pflanzenarten. Den Landwirten mache man aber keinen Vorwurf, betont Busch-Merz. „Sie sind nur die Ausführenden. Den Vorwurf muss man den Verbrauchern und der Politik machen.“ Eindringlich schildern sie in dem Brief, wie etwa die intensive Mähnutzung gerade auch in den Loisach-Kochelsee-Mooren der bisher artenreiche und vielfältige Bestand immer mehr von artenarmem Grasland verdrängt wird. Und: „Auch im Voralpenraum entstehen zunehmend landwirtschaftliche Betriebe, die mit hohem Viehbesatz und Hochleistungsrindern eine Reihe sehr bedenklicher Folgen für die Kulturlandschaft nach sich ziehen“, heißt es in dem Brief. In Bichl, nennt Busch-Merz ein Beispiel, plane ein Landwirt derzeit etwa einen Stall für 400 Kühe. Dass die Ställe auch in der Region immer größer werden sei ein Trend, der ihr Sorgen mache.

Beispielsweise deshalb, weil die Güllewirtschaft dieser Großbetriebe die Kräuter verdrängen und die Grundwasserqualität verschlechtere. Unter intensiver Bewirtschaftung würden die Moore zudem die Klimabelastung zusätzlich steigern, heißt es in dem Schreiben. Darin steht unter anderem auch die Forderung, Agrarsubventionen ausschließlich Betrieben zu gewähren, die eine ressourcenschonende Landwirtschaft praktizieren. Kleine Höfe zu bewirtschaften müsse sich wieder lohnen.

Die ersten Antworten kamen schnell

Der offene Brief wurde zwar erst vor wenigen Tagen verschickt. Doch erste Antworten seien schon eingegangen, sagt Busch-Merz. Unter anderem von der Europa-Abgeordneten der SPD Maria Noichl. „Sie hat die Initiative sehr gelobt.“

Da das Artensterben das gesamte Alpenvorland betreffe, hofft Busch-Merz unter anderem, dass sich weitere Organisationen aus anderen Landkreisen dem Appell anschließen. Dass sie „eine Allianz bilden“ und ähnliche Aktionen starten. 

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