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„Wölfe in Europa sind für Menschen nicht gefährlich“: Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky räumte bei seinem Vortrag zum Auftakt der Benediktbeurer Gespräche mit „Schauermärchen“ auf.

Gesprächsreihe

Wildbiologe in Benediktbeuern: „Wölfe leben bei uns wie im Schlaraffenland“ 

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Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Um diese Frage ging es bei der Auftaktveranstaltung zu den Benediktbeurer Gesprächen. Experte Ulrich Wotschikowsky erklärte den rund 200 Besuchern, was es mit der Rückkehr „eines mystifizierten Wildtiers“ auf sich hat.

Benediktbeuern – Der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau kennt sich aus. Seit über 17 Jahren erforscht er, warum der Wolf nach Mitteleuropa zurückkehrt. Aus einigen Einwanderern aus dem Baltikum ist in Deutschland inzwischen ein Bestand von rund 700 Wölfen in 70 Rudeln geworden, erklärte Wotschikowsky in einem spannenden Referat zum Auftakt der Benediktbeurer Gespräche im Allianzsaal des Maierhofs.

Je mehr Wölfe registriert werden, um so mehr Schauermärchen tun sich seiner Meinung nach auf. Wotschikowsky ist überzeugt: „Die Wölfe in Europa sind nicht gefährlich.“ In den vergangenen 40 Jahren sei beim Aufeinandertreffen von Mensch und Wolf nichts passiert.

„In Gegenden mit Weidetierhaltung wie hier wird meine Ansicht allerdings kritisch gesehen“, räumte Wotschikowsky ein. Als Beispiel zeigte er Bilder aus dem Nordschwarzwald, wo vor wenigen Tagen ein Wolf bei Bad Wildbad 40 Schafe getötet hat. „Das wird so weitergehen“, prophezeit der Experte. Eine derartige Attacke sei ein normales Verhalten von Beutegreifern. „Schuld“ sei in diesem Fall der Schäfer, der seine Herde nur an drei Seiten der Koppel mit einem Elektrozaun gesichert hatte. Der Zugang zum angrenzenden Bach war nicht eingezäunt. „Ein Wolf schwimmt sogar durch die 200 Meter breite Donau.“ Sollte ein Problemtier das Massaker verursacht haben, muss es abgeschossen werden. Aber Problemtiere sind laut Wotschikowsky „so selten wie weiße Hirsche“.

„Die Wölfe leben bei uns wie im Schlaraffenland“ 

Schafe sind nach den Studien des Wolf-Experten der geringste Teil auf dem Speiseplan des Raubtiers. Zu 90 Prozent ernähre sich der Beutegreifer von Schalentieren wie Rehen. „Die Wölfe leben bei uns wie im Schlaraffenland, weil es so viel Wild in den Wäldern gibt.“

Nicht verstehen kann Wotschikowsky die Ankündigung der bayerischen Staatsregierung, die die Wolfspopulation neuerdings auf das „artenschutzrechtlich Erforderliche“ begrenzen will. Diesen Begriff gebe es weder im deutschen noch im europäischen Naturschutzrecht. Für Wotschikowsky ist und bleibt der Wolf ein „charismatisches Tier“. Viel Beifall für den Experten, der mit seinen Forschungen sicher den einen oder anderen Zuhörer betroffen nach Hause schickte.

„Wir haben ein Problem mit dem Wolf“, fasste Lutz Spandau das Referat zusammen. Ein Problem mit der Einwanderung, der Obergrenze und der Willkommenskultur, so der Vorsitzende der Allianz-Umweltstiftung, die die Benediktbeurer Gespräche seit 22 Jahren veranstaltet.

Ganz aus dem Häuschen war Spandau nach dem anschließenden Auftritt der Musikgruppe „Gankino Circus“. „Die waren richtig gut“, schwärmte er. Das schräge Quartett aus Franken spielte sich mit Leichtigkeit in die Herzen der Gäste.

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