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Spannung vor der Auszählung am Sonntagabend: Die Gemeinderäte Clemens Hammerl (li.) und Toni Lugauer (re.) leeren eine Wahlurne im Leseraum der Gäste-Info. Links im Bild Claudia Wenzl von der Bürgerinitiative. Beide Seiten engagierten sich als Wahlhelfer. 

Bürgerinitiative siegt bei der Abstimmung in Benediktbeuern

Lainbachwald bleibt erhalten: Gewerbegebiet wird nicht erweitert

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Freude bei der Bürgerinitiative und enttäuschte Gesichter bei den Unterstützern der Gewerbetreibenden: Der Lainbachwald bleibt in seiner jetzigen Form bestehen und wird nicht gerodet, um Platz für weitere Firmen zu schaffen.

Benediktbeuern– Es war gegen 19.15 Uhr, als Rathaus-Geschäftsführer und Abstimmungsleiter Franz Pölt zwei Personen zu sich ins Büro bat: Bürgermeister Hans Kiefersauer und Claudia Wenzl als Vertreterin der Bürgerinitiative (BI). Anschließend wurde das Ergebnis der Presse verkündet: Die BI hat sich erfolgreich dafür engagiert, dass der Lainbachwald erhalten bleibt.

1337 Stimmberechtigte hatten sich an dem Bürgerentscheid beteiligt. Auf dem Stimmzettel standen zwei Fragen, eine von der BI („Bürgerentscheid 1“) und eine von der Gemeinde („Bürgerentscheid 2/ Ratsbegehren). Wie berichtet, schlug die Gemeinde vor, etwa drei Hektar Wald abzuholzen und einen 40 Meter breiten Grünstreifen entlang des Lainbachs zu erhalten. Beide Bürgerentscheide erfüllten das erforderliche Quorum mit über 595 abgegebenen Stimmen. Bereits hier hatte die Bürgerinitiative die Mehrheit, sagte Bürgermeister Hans Kiefersauer anschließend bei der Analyse. Die Stichfrage brachte es dann deutlich zum Ausdruck: Hier entschieden sich 62,1 Prozent der Stimmberechtigten dafür, die BI zu unterstützen. Für den Vorschlag der Gemeinde stimmten lediglich 37,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,9 Prozent. Zum Vergleich: Am letzten Bürgerentscheid in der Verwaltungsgemeinschaft, bei der Abstimmung über den Supermarkt in Bichl, hatten sich 68 Prozent der Stimmberechtigten beteiligt. BI-Sprecher Hans Schweiger ist trotzdem sehr zufrieden: „Bayernweit liegt die Wahlbeteiligung bei Bürgerentscheiden zwischen 23 und 27 Prozent. Da sind wir mit 45 Prozent schon sehr gut dabei.“

Die BI-Engagierten freuten sich am Sonntagabend sehr über ihren Erfolg. „Wir sind sehr erleichtert“, sagte Claudia Wenzl. Im Vorfeld sei es schwierig gewesen, die Lage einzuschätzen. „Wir haben natürlich auch sehr viel Gegenwind gemerkt.“

Dass die Benediktbeurer Bürger gut über das Thema informiert waren, habe sich im Laufe des Tages gezeigt, berichteten abends die Wahlhelfer übereinstimmend. Die Engagierten von Gemeinde und BI hatten sich den Dienst in den Abstimmungslokalen in zwei Schichten geteilt. „Die Leute waren nicht lange in der Kabine“, sagte Gemeinderat Toni Lugauer. Nur die wenigstens hätten noch Fragen zum Abstimmungsprozdere gehabt, sagte Wahlhelferin Susanne Lidl.

Bürgermeister Hans Kiefersauer zeigte sich nach der Ergebnisbekanntgabe enttäuscht. „Benediktbeuern wird Gewerbetreibenden mittelfristig keine neuen Flächen anbieten können“, sagte er. Ein Dorf lebe aber eben nicht nur vom Tourismus, sondern auch von einer guten und verschiedenartigen Gewerbestruktur. Eine Erweiterung des bestehenden Areals nach Norden ist laut Kiefersauer nicht möglich – die Eigentumsverhältnisse seien zu kompliziert. Auf Wenzls Einwand, man müsse eben jetzt über eine Innenverdichtung im Dorf nachdenken, sagte Kiefersauer: „Das ist nicht möglich, auch durch die zunehmende Klagementalität der Bevölkerung.“

Für BI-Sprecher Schweiger hingegen ist der Erfolg des Bürgerentscheids ein deutliches Zeichen, dass sich die Menschen gegen zunehmenden Flächenverbrauch zur Wehr setzen und sich dafür stark machen, die Natur zu erhalten.

Kiefersauer bedauert die niedrige Wahlbeteiligung. Die „gefühlte Mehrheit“ sei zu Hause geblieben, sagte der Bürgermeister. Die Gemeinde habe „alles Mögliche gemacht“, die Bürger von ihren Argumenten zu überzeugen.

Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist jetzt ein Jahr bindend. Kiefersauer geht jedoch nicht davon aus, dass die Gemeinde in einem Jahr einen neuen Anlauf machen wird, das Gewerbegebiet Richtung Süden zu erweitern.

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