Jetzt live - die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Benediktbeuern.
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Jetzt live - die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Benediktbeuern.

Stellen Sie hier Ihre Fragen in den Stream

Hier in voller Länge im Video: Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Benediktbeuern

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Benediktbeuern wählt einen Bürgermeister. Drei Kandidaten stehen zur Wahl. Hier stellen sie sich Ihren Fragen. Der ganze Abend im Video zum Nachschauen.

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Benediktbeuern - Es gibt viele Themen, die den Bürgern in Benediktbeuern wichtig sind: Das zeigte sich am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion des Tölzer Kurier zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl, die im Allianzsaal des Klosters mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Hans Kiefersauer begann. Die Veranstaltung wurde live im Internet übertragen. 

Die Benediktbeurer beteiligten sich lebhaft an der Diskussion und stellten viele Fragen. Vor allem das Thema Wohnraum stand im Mittelpunkt, aber auch freie Flächen für Gewerbe, die Zukunft des derzeit leer stehenden Gasthofs Post und die Situation der Hochschule wurden angesprochen. Hanns-Frank Seller (CSU), Rudi Mühlhans (FBM) und Toni Ortlieb (Bürgervereinigung) waren gut vorbereitet – und es gibt natürlich Punkte, in denen sind sie sich einig waren. Im Gespräch mit Kurier-Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz, die den Abend moderierte, kristallisierten sich aber eben auch die Unterschiede heraus. Dabei ging es etwa um die Versäumnisse der vergangenen Jahre. 

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Wurde das Thema Wohnraumbeschaffung in den vergangenen Jahren im Gemeinderat ausreichend behandelt oder nicht? Hier vertraten Seller und Mühlhans eingangs gleich ganz unterschiedliche Positionen. Mühlhans, der als erster hierzu Stellung beziehen durfte, sagte, dass die „Freie Bürgerliste Miteinander“ (FBM) das Thema immer wieder vorgebracht habe, an der Mehrheit jedoch gescheitert sei. Zudem habe er vermisst, eine Grundsatzdiskussion über den Flächennutzungsplan zu führen. 

Hanns-Frank Seller (CSU)

Seller konterte, man habe das Thema Wohnraum immer wieder besprochen und „das Problem erkannt“. Mühlhans bekam in der Diskussion jedoch Rückenwind von Ortlieb, der monierte, dass der Rat nur einmal in Klausur gegangen sei, nämlich 2015. 

Ortlieb möchte das sanierungsbedürftige Gemeindehaus an der Benediktusstraße in ein Mehrfamilienhaus umwandeln. Und wie soll es mit dem Einheimischenmodell am neuen Feuerwehrhaus weitergehen? Wie berichtet, ist die Vorgehensweise zur Vergabe nicht mit dem EU-Recht konform. Der Beschluss wurde gekippt, der Gemeinderat muss eine neue Lösung finden. Für die 19 Parzellen gibt es 168 Bewerber. Mühlhans will die Bürger mit ins Boot holen und mit ihnen über Geschoßwohnungsbau diskutieren. „Ich kann mir da auch Mietwohnungen vorstellen“, sagte Mühlhans.

Das Thema Wohnraum wurde im Laufe der Veranstaltung von den Bürgern mehrmals angesprochen. „Nicht noch mehr Flächenversiegelung“, meldete sich eine Zuschauerin über Facebook zu Wort. „Es stehen viele Häuser und Wohnungen leer.“ Seller meinte dazu, dass man mit der Fläche sorgsam umgehen müsse. „Wir können Benediktbeuern nicht einfach nur mit Wohnraum zupflastern.“ Ein Bürger im Saal merkte kritisch an, dass die Preise so hoch seien, dass sich nachfolgende Generationen überhaupt kein Eigentum mehr leisten könnten. Sellers Antwort dazu sorgte für ein Raunen: Es gebe Leute, die dieses Geld aufbringen. „Aber die Frage ist: Sind es die Leute, die wir haben möchten.“ Mühlhans forderte immer wieder eine Grundsatzdiskussion: „Der Gemeinderat hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht einmal ernsthaft Gedanken über Bauleitplanung gemacht.“ Dies sei unbedingt erforderlich, „weil uns sonst die Infrastruktur auf den Kopf fällt“. 

Rudi Mühlhans (FBM)

Und wo sollen neue Gewerbetreibende Platz finden? Die Erweiterung des bestehenden Gebiets sei 2018 gescheitert, weil man das Thema „nicht richtig kommuniziert habe“, räumte Seller ein – und überraschte gleichzeitig mit der Aussage, man könnte „vielleicht nach Osten“ erweitern. Da horchte Mühlhans auf: „Dabei wurde doch im Gemeinderat immer gesagt, es seien schon alle Alternativen geprüft und alle Gespräche geführt worden.“ Alle drei Kandidaten waren sich einig, an dem Bürgerentscheid zugunsten des Lainbachwalds nicht zu rütteln. Ortlieb schlug zudem die Errichtung eines Handwerkerhofs wie in Gaißach vor. 

Weil auch in Benediktbeuern der Platz in Kindergärten knapp wird, möchte Ortlieb als Bürgermeister prüfen lassen, ob man nicht freie Flächen an der Mittelschule nutzen könnte. Mühlhans findet diese Idee gut, will aber „noch weiter denken“, etwa an eine gemeinsame Tagesstätte für Kinder und Senioren, „um Synergien zu nutzen“. Seller sieht beim Thema Kindergarten „die Gemeinde in der Pflicht“. Auch er findet Ortliebs Vorschlag überprüfenswert. 

Klosterdirektor Pater Lothar Bily nahm sich der rund 450 Studenten an. Für sie sei es zunehmend schwierig, eine Bleibe zu finden. Ein Wegfall der Studenten hätte aber fürs Kloster „gewaltige Konsequenzen“. Die Ordensgemeinschaft könne zwar noch zwölf Zimmer zur Verfügung stellen, dann sei das Kloster aber voll belegt. Eine Erweiterung des Studentenwohnheims sei wichtig. Alle drei Kandidaten zeigten Verständnis. „Das Kloster muss als Hochschulstandort erhalten bleiben“, sagte Seller. 

Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung)

Eine positive Nachricht hatte der amtierende Bürgermeister bezüglich des leerstehenden Gasthofs Post. Die Gemeinde werde den Saal mieten, um ihn dann zum Beispiel für Vereine zur Verfügung stellen. „Unser Ziel ist eine erste Belegung an Fronleichnam.“ Das Brauhaus Tegernsee suche weiter nach einem Pächter. Weitere Fragen der Bürger drehten sich um den fehlenden Gehweg an der Meichelbeckstraße. Sie forderten die Kandidaten aber auch auf, die Stärke des Mitbewerbers zu benennen und wollten wissen, welchen Umgang sie mit Personal pflegen. 

Einen kleinen Disput gab es nochmal beim Thema Finanzen. Ortlieb wies auf den Schuldenstand der Gemeinde hin und ließ Zweifel aufkommen, ob die zeitliche Abfolge der jüngsten großen Investitionen richtig war. Mühlhans verteidigte das neue Feuerwehrhaus und das renovierte Schwimmbad. Das Bad sei kurz vor der Schließung gestanden, die Feuerwehr hatte ein akutes Platzproblem. So argumentierte auch Seller: „Die Investitionen waren nicht zum Spaß. Sie dienten der Infrastruktur.“

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