Leonhardifahrt in Innenhof des Klosters Benediktbeuern.
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Keine Leonhardifahrt wird es in diesem Jahr in Benediktbeuern geben. Der Festgottesdienst wird aber dennoch in der Basilika abgehalten. (Archivfoto)

Das sagt der Leonhardilader

„Es war hoffnungslos“: Absage der Leonhardifahrt Benediktbeuern kam schleichend

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Die Leonhardifahrt in Benediktbeuern fällt wegen Corona aus. Leonhardilader Helmut Waxenberger berichtet, welche Gründe des in früheren Jahren für Absagen der Wallfahrt gab.

Benediktbeuern – Es ist ein ganz seltsames Jahr für Helmut Waxenberger. Seit Jahrzehnten dreht sich für den Benediktbeurer vieles um die Leonhardifahrt. Er ist Lader, er entwirft das Zeichen und stellt es auch her. Doch nicht in diesem Jahr.

„Schon im Frühjahr und Sommer war uns im Leonhardiausschuss eigentlich klar, dass die Fahrt heuer nicht stattfinden wird“, sagt Waxenberger. Obwohl die Zeichen zu dem Zeitpunkt besser gewesen seien als jetzt. „Wir haben aber immer gesagt, wir warten bis Mitte September, bis wir endgültig absagen.“

Mit der Absage der Leonhardifahrt in Benediktbeuern hatte jeder im Dorf gerechnet

Da es in seinen Augen ohnehin „hoffnungslos“ war, dass die Fahrt stattfinden kann, habe er auch nicht die üblichen Vorbereitungen vorgenommen. „Normalerweise haben wir in der ersten Septemberwoche eine Ausschusssitzung, die hatte ich im Sommer ein bisschen vorbereitet.“ Darin gehe es unter anderem um die Verkehrssicherung durch Polizei und Feuerwehr. „Danach bin ich immer zum Einladen gegangen.“ Nur über das Leonhardi-Zeichen hatte sich Waxenberger bereits im Frühjahr Gedanken gemacht. „Ich wollte ein altes Motiv nehmen und es massiv prägen, wie ein Geldstück, damit es besonders hochwertig aussieht.“ Auch aus Bad Tölz habe er die Anfrage bekommen, ob er kurzfristig die Zeichen herstellen könne, sollte die Fahrt stattfinden können. Wie berichtet wurde aber auch die Tölzer Wallfahrt abgesagt. Da die Absage in Benediktbeuern nicht überraschend, sondern eher schleichend kam, habe jeder im Dorf damit gerechnet, sagt Waxenberger.

Helmut Waxenberger, Leonhardilader aus Benediktbeuern.

Einen Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen Leonhard wird es in Benediktbeuern dennoch am 8. November in der Basilika geben. „Die Besucherzahl ist allerdings auf 76 Personen in der Kirche beschränkt“, sagt der Leonhardilader. Denn jede zweite Reihe müsse frei bleiben, nur drei Personen können pro Bank Platz nehmen. In den bisherigen Sonntags-Gottesdiensten seien Lautsprecher nach außen aufgestellt worden, sodass Menschen auch im Freien teilnehmen konnten. Die Pferde-Segnung werde in diesem Jahr komplett wegfallen, sagt Waxenberger.

Bisher gab es zwei Absagen der Leonhardifahrt in Benediktbeuern: 1989 und 1995

In der Geschichte der Benediktbeurer Leonhardifahrt hatte es bisher erst zwei Absagen gegeben. 1989 wurde aufgrund der Pferdegrippe nur eine Fußwallfahrt unternommen. „Da haben wir relativ spät umgeplant.“ 1995 waren Schneemassen und potenzielle Dachlawinen im Kloster-Innenhof das Problem. „Damals habe ich um 4 in der Früh angefangen zu telefonieren“, erinnert sich Waxenberger. Die Dächer konnten nicht geräumt werden. Schließlich habe man beschlossen, die Wallfahrt abzusagen. Und genau zu der Zeit, zu der sich alle Gespanne im Innenhof versammelt hätten, gingen tatsächlich Dachlawinen ab.

Waxenberger geht gar nicht nur die Leonhardifahrt ab. Das ganze gesellschaftliche Leben habe gelitten in diesem Jahr. „Das ist alles sehr traurig und auch merkwürdig.“ Er und seine Frau seien Vereinsmenschen. „Normalerweise bin ich an 30 Sonntagen im Jahr ausgerückt, mit Gebirgsschützen, Trachtlern.“ Nichts habe im Corona-Jahr 2020 stattgefunden. „Man trifft niemanden mehr.“ Ihm tue es sehr leid um die Traditionen. „Man muss sehen, wie viele vielleicht im kommenden Jahr wegbrechen – wenn es nächstes Jahr überhaupt eine Wallfahrt gibt.“

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