+
Die Zwillinge Luise und Mathilde haben das Leben von Pfarrerin Antonia Janßen und ihrem Mann Lasse ganz schön auf den Kopf gestellt. Die 34-Jährige ist teilweise schon wieder im Einsatz. Heuer wird sie erstmals einen „Krabbel-Gottesdienst“ anbieten.  

porträt

„Das Leben ist ein großes Geschenk“

Benediktbeuern/Kochel am See –  Im März werden es drei Jahre, dass Antonia Janßen als evangelische Pfarrerin in der Pfarrei Benediktbeuern-Kochel tätig ist. Drei Jahre, in denen sich das Leben der 34-Jährigen komplett geändert hat. Und das liegt vor allem an Luise und Mathilde.

Über die Veränderung stolpert man gleich hinter der Haustür. Dort, wo eine Treppe in den ersten Stock der Wohnung führt, versperrt jetzt ein überdimensional breiter Kinderwagen in Zartrosa den Weg. Vom ersten Stock herab schallt abendliches Geschrei – zum Glück nur von einem der Babys. Das andere schläft bereits.

Antonia Janßen ist dennoch die Ruhe selbst. Der Papa ist ja oben. Lächelnd führt sie den Besuch ins Wohnzimmer, wo die Couch einer Spielecke weichen musste. Regelrecht in sich ruhend kommt sie einem vor, so als wäre es Urlaub, wenn aus einem berufstätigen Paar Eltern von Zwillingsmädchen werden. „Eigentlich geht es mir sehr gut“, sagt sie auf die Frage nach dem aktuellen Stress-Level. „Es ist viel. Aber es ist schön.“

Ihre Mädchen Luise und Mathilde kamen sechs Wochen zu früh am 21. Januar 2015 per Kaiserschnitt zur Welt. Die Schwangerschaft war für die Pfarrerin nicht leicht. 22 Wochen musste sie liegen, um eine Frühgeburt zu vermeiden. Diese ständige Angst, ihre Babys zu verlieren, sei „fürchterlich“ gewesen.

Nach der Geburt ging es den Babys zunächst nicht gut, und sie mussten vier Wochen intensivmedizinisch betreut werden, während die Mutter wieder nach Hause durfte. „Das war sehr irreal“, erinnert sich Janßen. Babys zu haben und doch ohne sie zu Hause sein zu müssen. Durch die intensive Betreuung im Krankenhaus seien sie und ihr Mann Lasse aber auch „stückweise in die Verantwortung hineingewachsen“.

Endlich zu viert daheim hat sich Papa Lasse dann erst einmal vier Wochen Elternzeit genommen. „Als er danach wieder arbeiten gegangen ist, hatte ich schon erst einmal etwas Angst.“ Angst, alleine mit zwei Säuglingen zu sein. Angst vor der Verantwortung. Angst vor der großen Aufgabe, mit der schon Mamas mit nur einem Kind kämpfen.

Zum Glück wollen Luise und Mathilde (meistens) zeitgleich gefüttert werden. Und zum Glück leben Janßens Eltern im Ort. Noch heute kommt ihre Mutter täglich, um ihr mit den Mädchen zu helfen, denn trotz der privaten Belastungen hat Janßen – die derzeit noch in Elternzeit ist – recht schnell wieder begonnen, als Seelsorgerin tätig zu sein. „Um mal was anderes zu sehen“, sagt sie.

Schon im Sommer hielt sie hin und wieder einen Gottesdienst, vollzog eine Trauung oder feierte eine Taufe. Auch bei kirchlichen Veranstaltungen hilft sie mit „Halt alles, was gut planbar ist.“

Aber ihre neue Rolle als Mutter hat ihr Aufgabenfeld in der Gemeinde verändert. Sie hat ein Eltern-Kind-Café mit gegründet, es gibt einen neuen Familien-Gottesdienst, und fürs neue Jahr ist ein „Krabbel-Gottesdienst“ geplant. Der Baby-Alltag ist für Janßen und ihren Mann mittlerweile Routine geworden. Jeder von ihnen darf mal eine Nacht am Stück durchschlafen. Ausflüge als Paar haben die beiden – dank Oma – auch schon unternommen.

Was sie in den letzten Monaten gelernt hat? „Was das Leben für ein großes Geschenk ist.“ Und wie demütig es einen mache, wenn man wie sie das Glück gleich im Doppelpack bekomme. Ob die Familienplanung abgeschlossen ist? „Wir nehmen, was kommt.“

Franziska Seliger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Grundschule Lenggries verabschiedet Brigitte Berger
Die Rektorin geht in den Ruhestand. Die Erstklässler (Foto) sangen für sie "Ab in den Süden".
Grundschule Lenggries verabschiedet Brigitte Berger
Mehr Regionalität in den Regalen
Nach einem Todesfall war der Dorfladen in Schlehdorf lange geschlossen. Am heutigen Dienstag wird er wieder eröffnet. Neue Pächterin ist Barbara Steinberger.
Mehr Regionalität in den Regalen
Theaterpremiere der „Fahrnbergler“ am Donnerstag
Theaterpremiere der „Fahrnbergler“ am Donnerstag
Rekordzeit für Thea Heim über 10 000 Meter
Rekordzeit für Thea Heim über 10 000 Meter

Kommentare