Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Loisach begradigt. Mit dem Bau des Walchenseekraftwerks wurde dem Fluss mehr Wasser zugeführt. Beides hat erhebliche Auswirkungen auf den Lebensraum der Fische wie Barbe, Nase und Aitel.
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Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Loisach begradigt. Mit dem Bau des Walchenseekraftwerks wurde dem Fluss mehr Wasser zugeführt. Beides hat erhebliche Auswirkungen auf den Lebensraum der Fische wie Barbe, Nase und Aitel.

Natur- und Artenschutz

Die Loisach soll mehr Platz bekommen: Das plant das Wasserwirtschaftsamt

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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In der Loisach müssen in den kommenden Jahren einige Maßnahmen ergriffen werden, um den Lebensraum der Fische zu verbessern. Außerdem wird es Gespräche über die Verlegung des Moosrundwegs in Benediktbeuern geben. Das ist ein Spannungsfeld.

  • In der Loisach wurde ein drastischer Rückgang der Fischvielfalt festgestellt
  • Deshalb soll für den Bestand der Tiere einiges verbessert werden
  • Die Sperrung des Moosrundwegs auf Höhe Kloster Benediktbeuern bleibt bestehen

Kochel am See/Benediktbeuern – Im Zuge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) müssen bis 2027 alle Seen und Flüsse in Europa einen guten Zustand erreichen. An der Umsetzung wird in den deutschen Wasserwirtschaftsämtern seit der Jahrtausendwende gearbeitet, und zwar jeweils in mehrjährigen, vorgeschriebenen zeitlichen Etappen. Zuletzt wurden von 2009 bis 2015 sowie von 2016 bis jetzt verschiedenste Daten gesammelt, um darauf basierend einen Maßnahmenkatalog zu erstellen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Loisach erreicht im Streckenabschnitt zwischen dem Kochelsee und der Einmündung in die Isar bei Wolfratshausen in vielen Punkten gute Werte, berichten Robert Kapa (Sachgebietsleiter Biologie und Koordinator der WRRL) und Marina Brunner (Landschaftsplanerin und Mitarbeiterin im Bereich Gewässerentwicklung) vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim auf Anfrage. Sowohl die Kleinstlebewesen im Wasser als auch die Wasserpflanzen und Algen auf dem Boden des Flusses sowie die Wasserqualität seien in einem guten Zustand (Stufe zwei von fünf). Auch bei Nähr- und Schadstoffen wurden in den Untersuchungszeiträumen keine Überschreitungen festgestellt.

Dass die Loisach dennoch in der Gesamtbewertung nur Stufe drei erreicht, liegt am Zusammenspiel von Gewässerstruktur, Abflussverhalten und damit einhergehenden Problemen für die Fische, erklärt Kapa. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Fluss ausgebaut. Heute ist er begradigt, die Fachleute sprechen von einem „Kastenprofil“. Auch mit dem Bau des Walchenseekraftwerks hat sich die Loisach verändert. Wegen der Überleitung wird dem Fluss mehr Wasser aus dem Isargebiet zugeführt. „Wir haben heute viel mehr Wasser in der Loisach als ursprünglich“, sagt Kapa. Die heutige Struktur des Gewässerbetts habe nur wenig mit dem ursprünglichen Zustand des Flusses gemein.

Drastischer Rückgang der Fischarten

Je mehr Wasser abfließt, desto größer sind jedoch die Auswirkungen auf den Lebensraum der Jungfische. „Die Loisach hatte ursprünglich eine artenreiche Fischfauna“, berichtet Kapa. Einst gab es hier 20 verschiedene Arten, auch aufgrund der zahlreichen Zuflüsse. Die Experten im WWA haben jedoch einen drastischen Rückgang der Arten festgestellt. Das liege unter anderem daran, dass die Loisach sich eintiefe und Auen nur noch selten überflutet werden. Zudem fehlt dem Fluss die Vernetzung zu Seitengewässern und Altarmen, wo Jungfische heranwachsen können. „Wir wollen nicht den Naturzustand der Loisach erreichen, aber dem Fluss mehr Raum geben“, sagt Brunner.

Im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie gehe es darum, das Überleben der Fische zu sichern sowie die verschiedenen „Qualitätskomponenten“ – sprich den guten Zustand der anderen Bereiche – zu sichern. Deshalb wird gerade an einem Maßnahmenkatalog gearbeitet, der vermutlich Ende des Jahres vorgestellt wird. Das WWA will naturnahe Strukturen im Uferbereich und im Gewässerbett herstellen. Zudem muss die Durchlässigkeit für Fische gewährleistet sein.

Es gibt mindestens neun Querbauwerke, die nicht durchlässig sind. Als Beispiel nennt Kapa das Kraftwerk Schönmühl. Hier gebe es zwar eine Fischaufstiegsanlage, doch diese funktioniere nicht so gut. „Die Fische finden sie nicht.“ Außerdem müsse in diesem Bereich die Passierbarkeit der Loisachschleife verbessert werden. Auch die Kraftwerke in Eurasburg und Weidachmühle müssten durchgängig gemacht werden.

Totholz hilft Fischen

Die Fachleute am WWA planen zudem verschiedene Renaturierungsmaßnahmen. Beispielsweise soll die Uferversteinerung in manchen Bereichen entfernt werden. Zudem wolle man Totholz einbringen, damit die Fische Unterstände und die Jungfische Schutz vor Fressfeinden haben. Ein dritter Schritt ist die bessere Anbindung von Altarmen und Seitengewässern, etwa vom Lainbach bei Benediktbeuern und vom Altarm Bierbichl südlich von Königsdorf. In solche Bereiche solle wieder „Leben einziehen“.

Der Maßnahmenkatalog wird mit den weiteren Behörden, Gemeinden und Grundstückseigentümern erörtert. Kapa rechnet mit einem „langen Abstimmungsprozess“. Das WWA habe nur wenig eigenen Grund, vielfach grenze der Fluss an landwirtschaftliche Nutzflächen. Wo es möglich sei, werde man über einen Kauf verhandeln, sagt Kapa. Vielfach werde es sich jedoch darauf hinauslaufen, dass man Maßnahmen im Gewässerbett mache.

Laut WRRL muss der „gute biologische Zustand“ bis 2027 nachgewiesen werden. Die beiden Experten im WWA bezeichnen das aber als „ambitioniert“. Es gehe ja nicht nur um bauliche Veränderungen an den Kraftwerken, sondern auch um die Reaktionszeit der Biologie. Die Population müsse sich erst wieder ausdehnen, und das müsse man über einen längeren Zeitraum überwachen und dokumentieren.

Teilstück des Moosrundwegs am Kloster Benediktbeuern bleibt weiter gesperrt

Für die Situation am Moosrundweg auf Höhe des Klosters Benediktbeuern entsteht gerade ein Umsetzungskonzept. Der Weg – ein Stück verläuft nahe am Fluss – ist seit März 2018 in Teilen gesperrt, allerdings beachten das nur wenige Ausflügler, oft werden die Warnhinweise sogar abgerissen. Zwischen dem Ausfluss Kochelsee und der Brücke über die B 472 „knabbert“ der Fluss am Ufer, will also sein Bett erweitern. Nach starkem Regen Niederschlägen oder Hochwasser sei die akute Gefahr am größten, denn dann sei der Uferbereich geschwächt. „Der Weg bleibt gesperrt“, sagt Marina Brunner. Die Loisach habe eine starke Eigendynamik. „Der Fluss sucht sich seinen Weg, die Verbauungen brechen dann ein.“ Aus Sicht der Wasserwirtschaft sei das gewünscht. Der derzeitige Verlauf des Moosrundwegs müsse so nicht zwingend erhalten werden, sagt Robert Kapa. Er weiß aber auch, dass eine Verlegung mit anderen Naturschutzanliegen kollidiert, etwa dem Lebensraum der Wiesenbrüter. „Hier gibt es noch viel Abstimmungsbedarf.“

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