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In diesem Garten, der südlich des Klosters liegt und unter Denkmalschutz steht, soll das Tagungshaus gebaut werden – die historische Glash ütte von Fraunhofer ist gegenüber.

Diskussion um Neubau am Kloster in Benediktbeuern 

Fraunhofer: Tagungshaus wird nicht größer

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Wird das geplante Tagungshaus der Fraunhofer-Gesellschaft am Kloster Benediktbeuern womöglich größer als geplant? Wegen einer Formulierung im Bebauungsplan schlägt die Bürgerinitiative „DenkMal Benediktbeuern“ Alarm.

BenediktbeuernNoch bis zum 28. September können Bürger Einsicht nehmen, welche Vorgaben die Gemeinde Benediktbeuern der Fraunhofer-Gesellschaft zum Bau eines Tagungshauses im denkmalgeschützten Südgarten des Klosters macht. Die Bürgerinitiative (BI) „DenkMal Benediktbeuern“ kämpft gegen den Standort und schlägt Alarm, weil im Bebauungsplan-Entwurf zu lesen ist, „dass das Gebäude gegebenenfalls nach Westen hin erweitert werden kann“. Was sagen die Beteiligten dazu? Unsere Zeitung hat Stimmen gesammelt.

-DieGemeindestellt den Entwurf online zur Verfügung. „Wir haben keine Zahlen, wie viele Bürger ihn schon abgerufen haben“, sagt Bauamtsleiterin Sabine Steiger. Bislang sei eine Stellungnahme eingegangen.

-Die BI „DenkMal Benediktbeuern“hat in den vergangenen Tagen mehrere Briefe an Minister, die Fraunhofer-Gesellschaft und an die Medien geschickt. Es sei „ein Skandal“, dass die Fraunhofer-Gesellschaft ein national bedeutendes Kulturdenkmal mit staatlicher Förderung von mindestens 10,5 Millionen Euro zerstören wolle, heißt es darin unter anderem. Die BI kritisiert, dass bislang finanziell nicht dargelegt wurde, „wie man mit dem Neubau das Kloster retten will: Reichen diese Einnahmen überhaupt aus?“, fragt Julia Wolff. Zudem sei im Masterplan zur Zukunft des Klosters zu lesen, dass die Flächen im Norden und im Süden von jeder Bebauung frei bleiben sollen. „Aber die Bodenfläche des Tagungshauses ist mit bis zu 2300 Quadratmetern größer als die Basilika mit 1600 Quadratmetern“, sagt Wolff und äußert große Sorge, dass man das Haus vermutlich nach Westen erweitern will. „Steht die Rettung des Klosters für Fraunhofer an erster Stelle, oder will man sich ein unerreichbares Traumgrundstück mit Bergblick sichern?“ Wolff fordert eine Info-Veranstaltung von Fraunhofer.

-Die Fraunhofer-Gesellschaft dementiert Erweiterungspläne. „Es gibt keine Überlegungen zu einer möglichen baulichen Erweiterung. Weder im Architektenwettbewerb 2013 noch im weiteren Projektverlauf wurde diese geplant“, sagt Pressesprecher Janis Eitner zum Tölzer Kurier. Eine Info-Veranstaltung stellt er in Aussicht, und zwar gemeinsam mit Kloster und Gemeinde vermutlich im Frühjahr 2018: „Vorbehaltlich der Zusagen und Planungsfortschritte.“

-Auch das Kloster rechnet nicht mit einer Erweiterung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fraunhofer ein neues Haus baut und anschließend erweitert“, sagt Direktor Pater Lothar Bily. „Bei den bisherigen Gesprächen war auch keine Rede davon.“ Und was ist mit den eigenen Festsetzungen der Salesianer im Masterplan? Dieser sei, so Bily, zu einem Zeitpunkt entstanden, „als das Fraunhofer-Tagungshaus noch im Diskussionsprozess war“. Mit dem jetzigen Standort im Südgarten habe man einen Kompromiss gefunden, mit dem alle, auch die Denkmalschützer, leben könnten. Der Osten (Obstgartenbereich; nahe Bräustüberl) sei für einen Neubau keinesfalls in Frage gekommen, ebenso der Westen: Hier seien die Jugendeinrichtungen, und es sei Ziel der Salesianer, Jugendbildungs- und Tagungsgäste getrennt zu halten. Der Neubau im Süden werde den Blick vom und aufs Kloster nicht beeinträchtigen, sagt Bily. Das neue Gebäude mit 36 Zimmern sei eine Erweiterung zu den 38 Zimmern, die man im Kloster derzeit anbieten könne. Das Catering der Tagungsgäste werde die Klosterküche übernehmen. „Deshalb ist es wichtig, dass wir mit dem Umbau im Südtrakt beginnen können und unsere drei Küchen zu einer großen, auch organisatorisch professionellen Küche zusammenführen.“ Die „Schank- und Speisewirtschaft“, von der im Bebauungsplan Fraunhofer die Rede sei, beziehe sich auf Frühstück und Snacks, so Bily. „Die Tagungsteilnehmer werden auch bestehende Säle im Kloster für ihre Zusammenkünfte nutzen.“

-Das Landesamt für Denkmalpflege würde eine Erweiterung des Tagungshauses nicht genehmigen: „Dafür können wir keine Zustimmung geben“, so Generalkonservator Mathias Pfeil.

Weitere Infos: Der Bebauungsplan ist auf www.benediktbeuern.de/buergerservice/rathaus/informationen/bekanntmachungen/bauleitplanung („Sondergebiet Fremdenbeherbergung und Kongresse“) abrufbar. Der Bayerische Rundfunk war vergangene Woche in Benediktbeuern. Die Beiträge werden laut BR am Mittwoch im Radioprogramm Bayern 1 (ab 12 Uhr) und im Fernsehen in der Abendschau (ab 17.30 Uhr) gesendet.

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