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Nicht nur Benedikbeuern (hier das Kloster) und Bichl, sondern die ganze Region hat Wolfgang Neumeister im Blick.

Nachfolger von Ingrid Hauptmann

Ein Brückenbauer in der sozialen Arbeit: Das ist der neue Vorsitzende von „Zammlebn“

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Mit Wolfgang Neumeister (63) hat der Nachbarschaftsverein „Zammlebn“ einen neuen Vorstand gefunden. Der Verwaltungswirt hat große Erfahrung im Bereich soziale Arbeit.

Benediktbeuern/Bichl– Nein, seine Heimat kann Wolfgang Neumeister sprachlich nicht verbergen: Der 63-Jährige stammt aus Baden-Württemberg und war 36 Jahre lang im Alb-Donau-Kreis tätig. Zusammen mit seiner Frau ist Neumeister aber seit vielen Jahren mit Bichl verbunden. Seit Neumeister 2015 in Ruhestand ging, ist die Loisachtalgemeinde sein Lebensmittelpunkt geworden. Und seit Februar ist Neumeister Nachfolger von Ingrid Hauptmann als Vorstand des Nachbarschaftsvereins „Zammlebn“ für Benediktbeuern und Bichl.

Neuer Vorstand von „Zammlebn“: Nicht nur die zwei Dörfer, sondern die Region im Blick

Im Bereich soziale Arbeit tätig zu sein, ist Neumeister nicht fremd. Der studierte Diplom-Verwaltungswirt begann 1979 im Alb-Donau-Kreis seine Tätigkeit in der Landkreis-Verwaltung und wurde 1986 Krankenhausdezernent, gewählt vom Kreistag. „Mit 31 Jahren war ich damals einer der jüngsten in Baden-Württemberg“, erinnert sich Neumeister. Zuständig war er für 700 Mitarbeiter in den Kliniken in Ehingen, Blaubeuren und Langenau. Die Krankenhäuser wurden umgebaut und saniert. Mitte der 1990er-Jahre schuf man dann eine gemeinnützige Krankenhaus GmbH, deren Geschäftsführer Neumeister wurde. Das blieb er bis zu seiner Pensionierung 2015.

In diesen 20 Jahren tat sich einiges, erzählt Neumeister. Hinzu kamen eine geriatrische Reha-Klinik, ein Gesundheitszentrum mit niedergelassenen Ärzten und eine psychiatrische Klinik. Zudem gründete man einen ambulanten Pflegedienst und bot Senioren betreutes Wohnen an. Gegründet wurde auch eine Tagespflege in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kirchen. Insgesamt, sagt Neumeister, gab es bei seinem Weggang eine Holding mit neun GmbHs, über 2000 Mitarbeitern und eine Bilanzsumme von 250 Millionen Euro.

Wolfgang Neumeister, neuer Vorstand von„Zammlebn“

Schon 2011 hatte Neumeister in Bichl Wurzeln geschlagen und wurde zum Wochenend-Pendler. Freundschaften in Bichl und Umgebung machten ihm den Wegzug aus Baden-Württemberg nicht schwer. In seiner neuen Heimat wollte sich Neumeister im Ruhestand sozial engagieren und fing im Organisationsteam der Loisachtaler Tafel an. So entstanden dann auch Kontakte zu „Zammlebn“, und als die langjährige Vorsitzende Ingrid Hauptmann ihren Rückzug ankündigte, fiel Neumeisters Name.

„Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben“, begründet Neumeister seine Motivation. In den vergangenen Monaten hospitierte er bei Hauptmann und lernte nicht nur den Verein, sondern auch die sozialen Strukturen im Landkreis kennen. „Ich werde überall sehr nett aufgenommen.“ Was in der Region ehrenamtlich geleistet werde, sei „enorm“.

Der 63-Jährige hat sich auf die Aufgabe gut vorbereitet. Er kennt das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises und hat durch seine berufliche Tätigkeit ein weites Feld im Blick. Wenn der neue Benediktbeurer Bürgermeister gewählt ist, will Neumeister zu einem „Bürgerforum und Werkstattgespräch“ einladen. Dabei sind alle willkommen, ihre Ideen zur Zukunft der beiden Dörfer einzubringen: Bürger, Gemeinderäte und Vereinsvorstände, aber auch Fachpersonen von örtlichen Einrichtungen. Das Treffen soll dazu dienen, über Strukturen und Bedarf im sozialen Bereich zu diskutieren. „Schaut man sich die demografische Entwicklung an, dann sieht man, wo es in zehn bis 15 Jahren Probleme gibt“, sagt Neumeister und nennt als Beispiele betreutes Wohnen, Tagespflege und allgemein Pflegeplätze.

Neuer Vorstand von „Zammlebn“: Betreutes Wohnen auf dem Land nicht überall möglich

Was können hier Ehrenamtliche leisten? „Sie können anregen und Brücken schlagen“, sagt Neumeister. Themen wie diese müsse man ohne Unterlass wach halten, vor allem auf dem Land. Gesellschaftliche Entwicklungen würden hier später aufschlagen, weil häufig der Familienverband – etwa im Bereich Betreuung – präsenter sei als in Städten. Dafür seien in Städten die Wege kürzer. Neumeister weiß aber auch: „Wir können nicht an jedem Ort betreutes Wohnen ansiedeln. Solche Einrichtungen brauchen eine bestimmte Größe, um überlebensfähig zu sein.“

Im renovierten Rathaus in Benediktbeuern hat „Zammlebn“ jetzt einen eigenen Raum, der für Beratungsgespräch und Helfertreffen genutzt wird. „Das ist sehr gut“, freut sich Neumeister. „Die Gemeinde hat ein offenes Ohr für uns.“ Eine seiner Ideen ist, mit der Katholischen Stiftungshochschule enger zusammenzuarbeiten, etwa im Rahmen von deren Praxisprojekten.

Und was macht Neumeister, wenn er nicht für den Verein oder für die Tafel aktiv ist? „Ich reise gern und fahre Rad“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Mit dem E-Bike geht’s dann schon mal nach Ulm – 200 Kilometer, an einem Tag. „Diese lange Tour genieße ich richtig“, sagt der 63-Jährige schmunzelnd.

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