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Pfarrer Awakem Isleiwa zelebriert die heilige Messe. Die Chaldäer sind ein Teil der römisch-katholischen Kirche und unterstehen dem Papst. 

Mariä Himmelfahrt

Ein ganz besonderer Festtag in der Basilika von Benediktbeuern

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Zahlreiche chaldäische Christen aus ganz Bayern werden an Mariä Himmelfahrt wieder im Kloster Benediktbeuern erwartet. Die Glaubensgemeinschaft feiert einen besonderen Gottesdienst in der Basilika.

Benediktbeuern– Seit 2014 kommen chaldäische Christen jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt nach Benediktbeuern, um die Muttergottes zu verehren. Der Feiertag hat für die Gläubigen eine ganz besondere Bedeutung, weil die Theologie der Chaldäer marianisch geprägt ist. „Wir verehren Maria sehr“, sagt Pfarrer Awakem Isleiwa.

Die Verbindungen nach Benediktbeuern sind durch die Salesianer Don Boscos gewachsen. Die chaldäische Gemeinde in München, die größte in Bayern, feiert jeden Sonntag den Gottesdienst bei den Salesianern in der Kirche St. Wolfgang. 2012 gab es ein chaldäisches Jugendtreffen in Benediktbeuern. „Wir schätzen diesen Ort sehr und danken den Salesianern, dass wir dort willkommen sind“, sagt Isleiwa.

In Deutschland leben insgesamt rund 15 000 Chaldäer, die Hälfte davon in Bayern. In der größten Gemeinde in München betreuen Isleiwa und sein Kollege, der Pfarrer Sami Danka, rund 4500 Mitglieder. Die Chaldäer sind ein Teil der römisch-katholischen Kirche und unterstehen dem Papst. Ihr Ursprung liegt im Zweistromland. Die meisten Chaldäer leben beziehungsweise stammen aus dem Irak. Die Gemeinschaft in Deutschland wurde 2002 mit dem Segen der Erzdiözese München-Freising gegründet und anschließend von der bayerischen Bischofskonferenz bestätigt, berichtet Isleiwa. Außer in München gibt es in Bayern noch Gemeinden in Augsburg und Nürnberg.

Die Gottesdienste der Chaldäer dauern etwa eineinhalb Stunden. Die liturgische Sprache ist entweder Arabisch oder Hoch-Aramäisch – eine Sprache, die viele Mitglieder in Form eines Dialekts zu Hause sprechen, erklärt Pfarrer Isleiwa. Der Geistliche kann entscheiden, welche Sprache er verwendet. Manchmal predige er zuerst auf Arabisch, dann auf Aramäisch, sagt Isleiwa: „Ich mache das auch immer davon abhängig, welche Besucher in den Gottesdienst kommen. Es gibt auch Chaldäer, die beherrschen Hoch-Aramäisch nicht so gut. Aber Arabisch versteht jeder.“ Aramäisch ist die Sprache, die auch Christus gesprochen haben soll.

Fürbitten werden zu orientalischen Melodien gesungen

Die chaldäische Liturgie ähnelt zu Beginn eines Gottesdienstes dem römisch-katholischen Ritus, aber dann kommen eigene Riten. So bete man das Hochgebet erst sehr viel später als Katholiken, sagt Isleiwa, „und bei uns kommt der Friedensgruß vor dem Hochgebet“. Zudem werde alles gesungen, zum Beispiel die Fürbitten. Je nach Anlass gebe es dafür andere Melodien, etwa in der Fastenzeit und an Weihnachten.

Eine Orgel kommt im Gottesdienst nicht zum Einsatz. „Wir verwenden orientalische Instrumente“, sagt der Pfarrer, und meint damit zum Beispiel Oud (eine arabische Laute), Kanun (Kastenzither) und Nay (eine Art Flöte). Weil Musiker dafür rar seien, komme die Musik aber meistens vom Band.

Das Zölibat ist eine persönliche Entscheidung

Pfarrer Isleiwa ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Der 39-Jährige erzählt, wie in den vergangenen Jahren die Diskussion pro und kontra Zölibat auch in der chaldäischen Gemeinde hin- und her ging. Nun gelte, dass der Priester selbst entscheide, ob er zölibatär lebe oder nicht. Der Grund dafür sei pragmatisch: „Wir haben nur wenige Männer, die sich für den Priesterberuf interessieren. Müssten sie im Zölibat leben, wären es noch weniger“, sagt Isleiwa.

Der 39-Jährige stammt aus dem Irak und lebt seit 2000 in Deutschland. Isleiwa lernte Einzelhandelskaufmann und machte dann die Ausbildung zum Diakon im römisch-katholischen Ritus. Die Weihe zum Diakon in der chaldäisch-katholischen Kirche erfolgte 2014, die Priesterweihe dann 2016. Seine Frau, ebenfalls Chaldäerin, wuchs in Schweden auf und studierte in Deutschland Medizin.

Die Rolle der Frau in der chaldäischen Kirche entspreche jener in der römisch-katholischen Kirche, sagt Isleiwa. Das heißt, der Priesterberuf ist für Frauen tabu, gleichwohl übernehmen sie aber im Gottesdienst verschiedene Aufgaben. Die Chaldäer seien hier jedoch fortschrittlicher als andere Gemeinschaften in der Ostkirche, sagt Isleiwa: „Da dürfen Frauen den Altarraum nicht betreten.“

Auf das Fest am 15. August in Benediktbeuern freue sich die Gemeinde schon sehr, sagt Isleiwa. Damit alles reibungslos läuft, werden vorab in der Gemeinde verschiedene Aufgabe für diesen Tag verteilt, etwa, wer zuständig fürs Putzen und Aufräumen ist. Essen bringt jeder selbst mit.

Der Gottesdienst in der Basilika in Benediktbeuern beginnt an Mariä Himmelfahrt um 12 Uhr. Besucher sind herzlich willkommen, sagt Isleiwa. Weil er bald in den Irak reist, wird er nicht vor Ort sein und sein Kollege Sami Danka die Feier zelebrieren. Ist das Wetter schön, trifft man sich anschließend auf dem Fußballplatz des Klosters zur geselligen Feier. „Wenn es aber regnet, so haben wir vereinbart, fährt jeder wieder nach Hause.“

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