Große Ehrung: Im Jahr 2014 bekam Anton Lugauer (li.) für seine Verdienste um das Bäckerhandwerk von Konrad Stelmaszek den Goldene Meisterbrief überreicht.
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Große Ehrung: Im Jahr 2014 bekam Anton Lugauer (li.) für seine Verdienste um das Bäckerhandwerk von Konrad Stelmaszek den Goldene Meisterbrief überreicht.

Nachruf

Ein Leben für das Bäckerhandwerk: Trauer um Anton Lugauer aus Benediktbeuern

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Anton Lugauer war Bäcker mit Leib und Seele – sein ganzes Leben lang. Nun ist der Bäckermeister aus Benediktbeuern, der sich viele Jahre in der Bäckerinnung engagierte, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Benediktbeuern - Dass er Bäcker werden würde, das war Anton Lugauer in die Wiege gelegt. Sein Großvater hatte 1902 den Betrieb mit zwei Standorten in Benediktbeuern und Walchensee gegründet. Er selbst übernahm ihn als junger Mann von seinen Eltern und erweiterte die Bäckerei in Benediktbeuern 1965 um ein Café. „Seine Arbeit war sein Lebensinhalt“, sagt Konrad Stelmaszek, Obermeister der Bäckerinnung Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen. Dieses Amt hat Stelmaszek 2005 von Lugauer übernommen, der bis zur Fusion der beiden Innungen Obermeister dieser Arbeitgebervertretung im Kreis Tölz-Wolfratshausen war. Stelmaszek wird den Verstorbenen immer als „sehr herzlichen Menschen“ in Erinnerung behalten, der ihm als seinem Nachfolger gerne mit Rat und Tat zur Seite gestanden und Mut zugesprochen habe. „Dafür bin ich ihm dankbar.“

2005 zum Ehrenobermeister der Innung ernannt

Mit der Innungsarbeit hat Lugauer, der 1938 in Walchensee geboren wurde, 1973 als Lehrlingswart begonnen. Als solcher, erläutert Stelmaszek, war Lugauer 17 Jahre lang Ansprechpartner für die Bäcker-Lehrlinge im ganzen Landkreis, bevor er im Anschluss weitere 18 Jahre als Innungsobermeister tätig war. Als sich eine Fusion der beiden Innungen abgezeichnet habe, habe Lugauer diesen Schritt wesentlich vorbereitet und mitgestaltet, sagt Stelmaszek. Wegen seiner Verdienste um das Bäckerhandwerk wurde Lugauer 2005 zum Ehrenobermeister der Innung ernannt. Wichtig sei seinem Vater immer gewesen, dass die Berufsschule in Bad Tölz erhalten bleibt, sagt Anton Lugauer, der nicht nur den Namen seines Vaters weiter trägt, sondern auch dessen Betrieb übernommen hat.

Übergeben an seinen Sohn hat Anton Lugauer, der laut Stelmaszek von 1991 bis 2010 auch stellvertretender Kreishandwerksmeister war und sich darüber hinaus im Aufsichtsrat der AOK engagierte, seinen Betrieb zwar bereits im Alter von 50 Jahren. „Aber bis er 75 Jahre alt war, hat er täglich in der Backstube gestanden“, erzählt sein Sohn.

Seinem Handwerk blieb Lugauer bis kurz vor seinem Tod verbunden

Sein Vater sei ein Familienmensch gewesen, außerdem gläubig, aber kein Kirchgänger, sagt Anton Lugauer. Geprägt habe ihn, dass er als junger Bursche in Walchensee den Nobelpreisträger Werner Heisenberg näher kennenlernen durfte. Die Bekanntschaft mit dem Physiker habe seinen Vater dazu gebracht, Zeit seines Lebens alles kritisch zu hinterfragen, so sein Sohn.

Seinem Handwerk blieb Lugauer bis kurz vor seinem Tod verbunden. Bis kurz vor Weihnachten, sagt sein Sohn, habe er täglich die bestellten Semmeln und Backwaren zu den Landwirten in den Kochler Ortsteil Ort ausgeliefert – der winterlichen Kälte und seinem Alter zum Trotz. „Die Orterer Bauern waren ihm ganz wichtig“, sagt Anton Lugauer. Bei seiner letzten Fahrt im Dezember sei sein Vater jedoch gestürzt und musste ins Krankenhaus.

Zwar sei der Sturz nicht schlimm gewesen, doch zurück zuhause habe sein Vater das Bett nicht mehr verlassen können. Auch essen wollte er immer weniger. „Er hat selbst beschlossen, dass er nicht mehr mag“, ist sein Sohn überzeugt. Nachdem er von P. Heiner Heim die Krankensalbung bekommen hatte, habe sein Vater wenige Tage später „friedlich einschlafen können“.

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