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Weil sich das Nest bedrohlich nach Osten senkt, will das ZUK den Vögeln eine neue Nistmöglichkeit auf dem Maierhof anbieten. Die Umweltschützer fürchten, dass das alte Nest ganz oder teilweise abstürzen wird.

Kloster Benediktbeuern

Ein neues Zuhause für die Störche?

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Wenn die Familie wächst, braucht man meistens mehr Wohnraum. So ähnlich ist es auch bei Familie Storch auf dem Klosterdach in Benediktbeuern. Das ZUK denkt über einen Umzug nach.

Benediktbeuern – Seit fünf, sechs Jahren nisten jeden Sommer Störche auf dem Klosterdach in Benediktbeuern. Sie sind die Lieblinge der Kloster-Besucher geworden, die regen Anteil nehmen an der Entwicklung des Storchenpaares und seiner Küken. Nicht immer haben alle Familienmitglieder den Sommer überlebt, etwa, wenn es kalt und regnerisch war.

Die Störche, die sich im Frühjahr auf dem Dach niederlassen, nutzen immer das gleiche Nest. Und genau hier liegt das Problem. Im Laufe der Jahre hat sich das Nest, das von jeder Storchenfamilie sozusagen noch „individualisiert“ wurde, deshalb stark zur Seite geneigt.

„Das Problem ist, dass das Nest von jeder Familie weitergebaut wurde“, sagt Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK). „Jetzt neigt es sich relativ stark nach Osten.“ Mittlerweile sei es so schlimm, dass das ZUK befürchtet, das Nest könnte spätestens im nächsten Jahr ganz oder in Teilen vom Dach stürzen.

Den Umweltschützern ist das Problem schon von Anfang an bewusst. „Wir haben schon damals, als die Störche hier wieder heimisch wurden, versucht, ihnen mit Hilfe der Bergwacht ein neues Nest anzubieten“, erzählt Pater Geißinger. Dieses Nest sei den Tieren aber offensichtlich zu niedrig. „Die Störche möchten über den Dachfirst schauen“, sagt Geißinger und fügt schmunzelnd hinzu: „Da haben sie halt die bessere Aussicht.“

Nun will das ZUK den Tieren ein neues Nest auf einem Kamin am Maierhof anbieten. Nach dem Sommer soll dort ein metallenes Nistkörbchen aufgesetzt werden, das auf dem Boden schon mit einem Weidengeflecht bedeckt ist. „Den Rest können sie dann selbst weiterbauen“, sagt Geißinger. Ein Metall-Körbchen sei deshalb sinnvoll, weil so das Wasser besser ablaufen könne.

Ein neuer Standort auf dem Maierhof habe zudem den Vorteil, dass die Störche die Fassade des Klosters weniger mit Kot verschmutzen – und zudem nisten sie derzeit unmittelbar über dem Kloster-Café.

Pater Geißinger stellt aber auch klar, dass man die Störche keinesfalls zum Umzug zwingen werde: „Sie sind streng geschützte Vögel, und das alte Nest wird im Winter nicht vernichtet.“ Man werde nichts tun, um die Tiere zu stören. „Wir bieten eine Alternative an und schauen, was passiert.“

Vielleicht wird in Benediktbeuern ja auch noch ein weiteres Storchenpaar heimisch. Denn immer wieder sind „Fremdstörche“ zu beobachten, derzeit zirka fünf Stück, die abends einfliegen und ihre Kreise ziehen. Denn das Nahrungsangebot im Loisach-Kochelsee-Moor ist groß.

Die jetzige Familie wird übrigens nicht beringt. Das tue man derzeit weniger, sagt Geißinger nach Gesprächen mit Fachleuten vom Landesbund für Vogelschutz. Stattdessen werden jetzt immer mehr Tiere mit einem Sender ausgestattet, der ihnen eingepflanzt wird. „Somit kann man über Satellit jeden Aufenthaltsort ermitteln.“ Das sei wichtig, um das Zug-Verhalten der Tiere zu erforschen. Viele, aber nicht mehr alle, fliegen im Winter nach Afrika.

Apropos: Weil die Störche so beliebt sind, bietet das ZUK jetzt neuerdings „Storchentage“ für Schulklassen und Familien an und bindet darin auch gleich die örtlichen Asylbewerber mit ein. Denn einige stammen aus den Ländern, in die die Störche ziehen. Grundschulen aus Lenggries und Penzberg haben das Programm schon absolviert. Zuerst geht es darum, einiges über den Storch und seine Lebensweise vor Ort zu lernen, dann geht es mit der Weltkarte auf die Reise nach Nigeria, Mali oder Eritrea. „So lernen die Kinder nicht nur die Heimat der Störche, sondern auch jene unserer Flüchtlinge kennen“, sagt der Pater. Diese berichten von ihrer Heimat, erzählen von Bräuchen, Musik und Essen, und auch von den Gründen ihrer Flucht. „Bei den Schülern kommt das sehr gut an“, sagt der Pater. Wer teilnehmen möchte, kann sich im Internet auf www.zuk-bb.de informieren.

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