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Als Salesianer-Ordensmann trägt Pater Lothar Bily weltliche Kleidung. Der neue Direktor (entspricht der Position eines Abts) wird sein Amt im August antreten, wenn sein Vorgänger Pater Reinhard Gesing der neue Provinzial in München wird, also der oberste Salesianer in Deutschland. Unser Foto zeigt Bily vor der Büste des Ordensgründers, Johannes (Giovanni) Bosco.

Ein Ordensmann, der die Welt im Blick hat

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Pater Lothar Bily (64) übernimmt im August die Leitung des Klosters Benediktbeuern. Der neue Direktor ist in der Region gut bekannt. Er war schon einige Zeit stellvertretender Direktor, zudem Rektor der Ordenshochschule PTH und zuletzt Klinik-Seelsorger in Bad Heilbrunn. Der gebürtige Regensburger kennt das Kloster und seine Einrichtungen sehr gut. Die Herausforderungen, die auf ihn warten, sind enorm. Unsere Zeitung hat sich darüber mit ihm unterhalten.

Pater Bily, wie läuft denn eine Wahl zum Klosterdirektor?

(lächelt) Nun, es ist ja keine Wahl im eigentlichen Sinn. In den vergangenen Wochen gab es unter den Mitbrüdern hier in Benediktbeuern, aber auch unter den 198 Mitbrüdern in der deutschen Provinz eine Umfrage, wen man sich als Direktor in Benediktbeuern vorstellen kann. Dazu darf jeder auf einer Liste drei Namensvorschläge samt Begründung einreichen. Im Vorfeld hatten mich schon einige Mitbrüder gefragt, ob ich das Amt annehmen würde, wenn die Wahl auf mich fällt. Insofern kam der Anruf von unserem Provinzial aus München, Pater Grünner, nicht ganz überraschend für mich.

Erfahren Sie denn Details aus der Umfrage?

Nein, die Details erfahren wir alle nicht. Das ist ja auch eine sehr vertrauliche Umfrage. Pater Grünner hat mich Anfang März angerufen und um ein Gespräch gebeten. Und dann muss man natürlich warten, was das Generalat in Rom dazu sagt.

Wann kam von dort die Bestätigung?

Ungefähr drei Wochen später.

Wer wird Ihr Stellvertreter?

Das ist noch nicht klar. Ich habe schon jemanden im Auge, aber das möchte ich noch nicht bekannt geben.

Wann soll die Entscheidung fallen?

Ich hoffe, so schnell wie möglich – vielleicht sogar bis Ende kommender Woche.

Derzeit sind Sie noch Seelsorger in Bad Heilbrunn, zuständig für die Fachklinik. Wer wird Sie dort ersetzen?

Das ist noch offen. Es ist gut möglich, dass Pater Karl Bopp (der weitere Seelsorger in Bad Heilbrunn, Anm. d. Red.) die beiden Aufgaben als Vollstelle übernehmen wird. Hier wird aber auch das Bistum Augsburg mitentscheiden.

Pater Bily, Sie stammen aus Regensburg. Wie katholisch war Ihr Elternhaus?

(lächelt) Mein Elternhaus war nicht super-katholisch. Meine Eltern waren katholisch, aber sehr intensiv wurde das zu Hause bei uns nicht gelebt. Ich war zum Beispiel nie Ministrant und auch nicht in einem katholischen Jugendverband organisiert.

Wie sind Sie zum Theologie-Studium gekommen?

Das Thema Glaube und Spiritualität hat mich schon immer interessiert.

Haben Sie gleich mit dem Gedanken gespielt, Priester zu werden?

Durchaus, aber der Weg verlief doch anders als gedacht. Ich hatte mich zum Priesterseminar in Regensburg angemeldet, aber der dortige Regens hat mich gebeten, erst mal Kontakt mit dem Pfarrer in meiner Heimatgemeinde aufzunehmen, um die Arbeit an der Basis kennenzulernen. Und das war durchaus sehr interessant und hilfreich. Wir waren damals umgezogen, und die Pfarrgemeinde wurde neu aufgebaut. Die ersten Gottesdienste haben wir im Keller des Kindergartens gefeiert. Also habe ich mein Theologie-Studium nicht als Priesteramts-Kandidat, sondern als Laie aufgenommen. Laientheologen waren damals noch selten.

Was haben Ihre Eltern zu Ihrem Berufswunsch gesagt?

Sie waren einverstanden und hatten auch kein Problem damit, dass sie keine Enkel bekommen würden. Ich habe ja keine Geschwister.

Und wie sind Sie dann zu den Salesianern gekommen?

Nun, ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich den Beruf des Priesters ausüben kann. Aber alleine in einem Pfarrhaus zu sitzen, das wäre nichts für mich. Also habe ich mich über Ordensgemeinschaften informiert. Aber ich wollte in keine strenge Gemeinschaft. Anhand von Info-Material haben sich dann die Jesuiten und die Salesianer herauskristallisiert. Beiden habe ich Briefe geschrieben, und von den Salesianern bekam ich sehr schnell eine Antwort. Der damalige Provinzial kam auch noch zufällig nach Regensburg. Wir haben uns getroffen, und er war mir sympathisch.

Was gefällt Ihnen an der Gemeinschaft der Salesianer?

Die geistige Wertegemeinschaft, die Spiritualität, die Offenheit und der Stellenwert der Bildung.

Haben Sie je an Ihrem Glauben gezweifelt?

Ja, natürlich gibt es manchmal Zweifel. Aber grundlegend habe ich bei den Salesianern die Spiritualität gefunden, die ich gesucht habe. Es ist eben auch diese Offenheit, die ich schätze. Wir sind in diesem Orden nicht kaserniert. Ich kann mir nicht vorstellen, einem Orden anzugehören, dessen Tagesablauf streng reglementiert ist. Aber natürlich muss man darauf achten, dass man nicht oberflächlich wird, und dass der Glaube nicht im alltäglichen Getriebe untergeht.

Sie leben seit 1988 in Benediktbeuern und hatten schon verschiedene Aufgaben im Kloster, nun werden Sie Direktor. Was haben Sie sich vorgenommen?

Etwas Konkretes habe ich mir nicht vorgenommen. Es gibt zwei große Aufgabenbereiche: Die Umsetzung des Masterplans und die Anforderungen, die an die Gemeinschaft gestellt werden.

Welche Anforderungen sind das?

In der Kerngemeinschaft im Kloster leben 29 Mitbrüder, sechs weitere in angrenzenden Einrichtungen wie Jugendherberge und Aktionszentrum. Von den 29 Mitbrüdern sind zehn über 80 Jahre alt. Nicht allen geht es gesundheitlich gut. Seit einiger Zeit haben wir im Kloster einen Pflegedienst, der sich um die Betreuung kümmert. Die beiden ältesten Mitbrüder werden heuer 89 Jahre alt.

Wie sieht es denn mit Ordensnachwuchs aus?

In Europa stagniert die Zahl der Mitglieder, aber weltweit, vor allem in Asien, Indien und Afrika, hält sie sich konstant beziehungsweise wächst.

Gibt es in Benediktbeuern derzeit Novizen?

Nein, wir haben keine Novizen. Und wenn, würden sie einige Zeit in einer eigenen, größeren Gemeinschaft des Ordens in Pinerolo in Italien leben. Es ist wichtig, dass die Jüngeren für sich sind und sich finden können.

Wie wird der Orden dem Nachwuchsproblem begegnen?

Nun, es wird nicht ausbleiben, dass Gemeinschaften aufgelöst werden – nicht die Einrichtungen, wohlgemerkt. In Pfaffendorf nahe Bamberg wird das zum Beispiel der Fall sein. Das dortige Jugendhilfezentrum wird dann vom nahegelegenen Bamberg aus betreut. Ich gehe davon aus, dass es allgemein zu einer Konzentration der Ordensgemeinschaften kommt – in Österreich kann man das schon sehr gut sehen. Dort wird es bald nur noch fünf Gemeinschaften geben.

Wird auch daran gedacht, Ordensleute aus anderen Erdteilen nach Europa zu holen?

Ja, daran wird schon gedacht. Wichtig ist, dass diese Mitbrüder in die europäische Lebenswelt hineinwachsen und beispielsweise die Möglichkeit bekommen, hier zu studieren. Es ist eine ganz persönliche Frage für jeden einzelnen, ob er sich vorstellen kann, seine Heimat und den Familienverbund für längere Zeit zu verlassen. Man wird sehen, wie sich das entwickelt.

Kommen wir wieder nach Benediktbeuern zurück. Können Sie bitte kurz erklären, wie die Umsetzung des Masterplans, für den ja nach wie vor Ihr Vorvorgänger Pater Claudius Amann zuständig ist, vonstatten gehen soll?

Ein großes Projekt dieses Plans ist zum Beispiel die Sanierung des Südarkadentrakts. Wir hoffen, schon im nächsten Sommer die notwendigen Gelder bereitstellen zu können, um mit den Arbeiten zu beginnen. Es wird größere Veränderungen im Tagungs- und Bildungsbereich geben. Dieser soll professionalisiert, konzentriert und damit kostengünstiger werden. So wird aus bislang drei Großküchen eine. Zudem werden einige Büros umziehen, so dass der Südtrakt für den Tagungsbereich zur Verfügung steht.

Wird auch die Hauskapelle umziehen?

Das ist eine wichtige Frage. Fakt ist, dass wir die Hauskapelle in der jetzigen Größe nicht mehr benötigen. Dieser ehemalige Fürstensaal könnte zum Beispiel auch für Veranstaltungen genutzt und die Hauskapelle in einem anderen Raum untergebracht werden. In einer Mitbrüderbefragung hat sich der ehemalige zentrale Lesesaal der Bibliothek, der Pater-Karl-Mindera-Saal, als eine mögliche Alternative herauskristallisiert. Aber ich sage offen, dass wir darüber in unserer Hausgemeinschaft noch diskutieren müssen und werden. Ich würde mir wünschen, dass wir im Sommer, noch vor dem Amtswechsel, eine Entscheidung treffen.

Im Gespräch ist auch der Umzug des Klosterladens. Die Gemeinde und das Landratsamt haben das baulich genehmigt. Der Laden soll in die Maierhof-Nordseite am Großparkplatz ziehen. Dort soll eine Art Info-Zentrum die Besucher empfangen. Wann soll es soweit sein?

Einen genauen Zeitpunkt kann ich noch nicht nennen. Derzeit diskutiert eine Arbeitsgruppe über die Gestaltung des Info-Zentrums und des Ladens.

Kommen wir noch zum Tagungshaus der Fraunhofer-Gesellschaft. Davon hat man schon lange nichts mehr offiziell gehört.

Auch hier sind die Gespräche noch nicht beendet. Man diskutiert derzeit noch über die Parkplatz-Situation. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Gespräche bald zu einem guten Ende kommen, und dass das Fraunhofer-Institut im Jahr 2018 mit dem Bau beginnen kann.

Dann gibt es also zwei Baustellen im Kloster, Fraunhofer-Tagungshaus und Südtrakt?

Ja, unter Umständen. Ich weiß, das ist nicht unproblematisch. Für den Südtrakt muss erst einmal festgelegt werden, in welchen Schritten die Baumaßnahme durchgeführt werden soll.

Sie haben große Aufgaben vor sich. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Da müssen Sie jetzt eigentlich meine Mitbrüder fragen, die mich vorgeschlagen haben (schmunzelt). Nun, ich komme ja aus dem wissenschaftlichen Bereich und habe Erfahrungen als Einrichtungsleiter und in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern. Wie meine Vorgänger möchte ich mich einbringen, sowohl mit den Mitbrüdern als auch mit den Mitarbeitern hier vor Ort am Projekt Don Bosco im Kloster zu arbeiten, damit das Kloster ein lebendiges Zentrum für Jugend, Umwelt, Schöpfung und Bildung bleibt. Das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Ich möchte das gute Betriebsklima in diesem Haus erhalten. Zu meinen Aufgaben gehört es aber auch, einige Dinge zu verbessern, etwa in Bezug auf die Professionalisierung. Die Koordination der einzelnen Einrichtungen untereinander könnte noch besser sein. Das möchte ich anpacken.

Was unterscheidet Sie von Ihren Vorgängern?

Ein Direktor soll auch der geistliche Hausvater sein. Wie ich das umsetze, darüber mache ich mir noch Gedanken – aber sicherlich wird es Unterschiede zu meinen Vorgängern geben. Jeder hat ja seine eigene spirituelle Prägung. Meine Leitbilder sind nicht nur römisch-katholisch, sondern auch Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer, Max Josef Metzger und Desmond Tutu faszinieren mich. Metzger war ein Priester, der wegen seiner pazifistischen Überzeugung von den Nazis ermordet wurde. Auch Erzbischof Tutu hat sich für Aussöhnung eingesetzt.

Sie sind also ein Freund der Ökumene?

Ja, auf jeden Fall! Der interreligiöse Dialog ist mir sehr wichtig. Ich würde mich zum Beispiel freuen, weiterhin gute Kontakte zum islamischen Zentrum in Penzberg zu haben.

Als Fundamentaltheologe haben Sie sich wissenschaftlich mit den Fundamenten, also den Grundlagen des Glaubens beschäftigt...

Richtig, und dabei habe ich mich mit den Gemeinsamkeiten der Religionen beschäftigt.

Sie haben viel zu tun. Was machen Sie, wenn Sie Entspannung suchen?

Ja, freie Zeit ist selten! Früher bin ich gerne Radfahren und Wandern gegangen, das kommt jetzt viel zu kurz. Ich habe schon mal damit geliebäugelt, mir ein E-Bike anzuschaffen – mal sehen. Ansonsten höre ich gerne Musik, lese und trinke dabei ein gutes Glas Wein oder Bier. Und gelegentlich ist auch Zeit für ein freies Wochenende bei guten Freunden.

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