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So dürfte es damals zugegangen sein: Joseph von Fraunhofer (Mitte) erläutert Joseph von Utzschneider (li., sitzend) und Georg von Reichenbach (re., Ingenieur) seine neueste Entwicklung des Theodoliten (Winkelmessgerät für große Entfernungen). Der Bichler Georg Merz war Fraunhofers Nachfolger in der Glashütte.

„Förderkreis Brauchtum und Kultur“

Eine Schatztruhe voller Ideen

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Welche Auswirkungen hatte der Bau des Walchenseekraftwerks auf das Loisachtal? Was bedeuten alte Flurnamen? Was hat die Bichler Optiker-Familie Merz mit den Fraunhofer-Forschungen zu tun? Antworten auf Fragen wie diese bieten die „Spurensuche“-Vorträge in Benediktbeuern. Das Interesse daran ist groß.

Benediktbeuern/Bichl – Die Vorträge werden seit vier Jahren von Maria Eckl organisiert, Vorstandsmitglied im „Förderkreis für Brauchtum und Kultur in Benediktbeuern und Umgebung“. Für ihr Engagement erhielt Eckl 2015 den Bürgerpreis der Sparkasse. Die Jury würdigte Eckls Einsatz für die „Wahrung der kulturellen Vielfalt in der Region“.

Maria Eckl - Organisatorin und Trägerin des Bürgerpreises

Auch 2017 gibt es wieder ein spannendes Programm. „Ich freue mich sehr, dass die Vorträge auf so großes Interesse stoßen“, sagt Eckl, die im Marktarchiv Murnau arbeitet und sich seit Jahren zusätzlich noch ehrenamtlich in Benediktbeuern auf ganz verschiedenen historischen Gebieten engagiert. Dabei bekommt sie Unterstützung von Vereinsmitgliedern und von der Gemeinde. 2014 organisierte sie die Ausstellung „Wirtschaftsg’schichten aus dem Klosterdorf“, 2015 eine Benefiz-Ausstellung über die Baugeschichte der Bichler St. Georgskirche („Dem Himmel entgegen“). Eckl stammt aus Bichl, lebt aber seit vielen Jahren in Benediktbeuern.

„Es ist meine Motivation, die Geschichte jedem zugänglich zu machen“, sagt Eckl über den Grund, warum sie die „Spurensuche“ ins Leben gerufen hat. Sie versucht, eine Art Jahresmotto zu finden, das sich wie ein roter Faden durch alle Vorträge zieht. 2016 ging es um bedeutende Persönlichkeiten im Loisachtal, etwa um die Maler Franz Marc und Hans Georg Asam, um den Bichler Optiker Georg Merz (er war Fraunhofers Nachfolger in der Glashütte) und um Eliland Öttl – ein Abt, dem das Kloster Benediktbeuern sein heutiges Aussehen zu verdanken hat.

„Mein Ziel ist es, dass die Besucher aus ganz verschiedenen Blickwinkeln Einblicke in die Zeitgeschichte unserer Region bekommen“, sagt Eckl. 2013 wurde das Wirtschaften in bayerischen Klöstern beleuchtet, zudem ging es um Landvermessung und Flurnamen. Im Jahr darauf ging es um Salzweg, Flößerei und „skurrile Geschichten aus dem Pfaffenwinkel“.

Maria Eckl macht sich große Mühe, namhafte Referenten zu gewinnen. Mehrmals schon war Reinhard Heydenreuter zu Gast. Der Professor war Archivdirektor am Bayerischen Hauptstaatsarchiv und Leiter des Archivs der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eckl ist nicht nur mit historischen Vereinen in der Region gut vernetzt, sondern versucht auch, die Heimatforscher untereinander zu vernetzen. Und dabei gibt es immer wieder nette Überraschungen: Heuer kommt zum Beispiel Martin Hille, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Passau nach Benediktbeuern, um über den Dreißigjährigen Krieg zu sprechen. Das Klosterdorf ist ihm nicht fremd, denn: „Am Telefon hat er mir erzählt, dass seine Eltern hier leben“, berichtet Eckl schmunzelnd.

21 Vorträge hat sie seit 2013 veranstaltet. Das Interesse war sehr groß – jedes Mal kamen zwischen 40 und 80 Besucher, sogar aus München und Starnberg. Und zwar quer durch alle Altersstufen. „Es freut mich, dass ganz unterschiedliche Menschen über diese historischen Themen ins Gespräch kommen“, sagt Eckl.

Sowohl Jüngere als auch Ältere fühlen sich angesprochen. Und nicht zuletzt stärken Vorträge und Ausstellungen über die Geschichte auch das Zusammengehörigkeitsgefühl im Dorf. „An Ideen mangelt es mir nicht“, sagt Eckl. Wäre es nicht im Ehrenamt, würde sie gerne noch mehr machen. „Neulich sagte mir jemand, ich hätte keine Ideenschatzkästchen, sondern eine Ideenschatztruhe. Das hat mich sehr gefreut.“

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