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Sternsingen anno 1960: Eine Gruppe für Benediktbeuern und Bichl

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Von: Christiane Mühlbauer

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Zu den ersten Sternsingern in Bichl und Benediktbeuern 1960 gehörten (v. li.) Helmut Gubo und Erich Gast (beide aus Benediktbeuern), der Salesianer-Don-Bosco-Theologiestudent Albert Link mit der Gitarre sowie die Bichler Kinder Fritz Trischberger sowie Hermann und Alfons Wallrapp. Das Foto machte Harald Kreuzer.
Zu den ersten Sternsingern in Bichl und Benediktbeuern 1960 gehörten (v. li.) Helmut Gubo und Erich Gast (beide aus Benediktbeuern), der Salesianer-Don-Bosco-Theologiestudent Albert Link mit der Gitarre sowie die Bichler Kinder Fritz Trischberger sowie Hermann und Alfons Wallrapp. Das Foto machte Harald Kreuzer. © Kreuzer

Dass in den Tagen rund um Heiligdreikönig die Sternsinger kommen, ist für viele Menschen Tradition. Das Brauchtum gibt es zumindest in Benediktbeuern und Bichl „erst“ seit 1960, weiß Harald Kreuzer. Der Bichler gehörte damals zu den ersten Sternsingern.

Benediktbeuern/Bichl – Das Besondere: Es gab damals nur eine Gruppe, die alle Häuser in Benediktbeuern und Bichl besuchte. „Danach war ich so heiser, dass ich nur noch krächzen konnte“, erinnert sich der 75-Jährige, der heute in Penzberg lebt.

Die Gruppe entstand auf Initiative von Salesianern Don Boscos, die in einem Knabenheim im Kloster Benediktbeuern Kinder und Jugendliche betreuten. „Es war in den Jahren von 1960 bis 1970 Jahren so beliebt, dass bestimmt zwei Drittel der Dorfbuben aus Bichl, Benediktbeuern und Ried dort regelmäßig die Freizeit verbrachten“, berichtet Kreuzer. Ein Kaplan sowie Jugendbetreuer Albert Link, damals Theologiestudent und heute Pfarrer im Ruhestand in München, riefen die Sternsinger-Aktion ins Leben. Link begleitete die Buben mit der Gitarre.

Rolle des Schwarzen war wenig begehrt

„Die Kleidung befand sich im Fundus des Theaters der Salesianer“, erinnert sich Kreuzer. Dort gab es auch die Schminke für den Mohr. Die Kinder wechselten sich ab, wer in welche Rolle schlüpfte. Der Mohr war wenig begehrt. „Das Abschminken nach einem anstrengenden Tag war unangenehm.“ War man in Benediktbeuern unterwegs, traf man sich zum Umziehen im Knabenheim, in Bichl erfolgte dies in der Wohnung von Familie Wallrapp, erinnert sich Kreuzer.

In allen Häusern sei man damals „voller Freude“ aufgenommen worden. „Die Leute waren nicht vorbereitet, so etwas gab es ja vorher noch gar nicht.“ Eine gute Woche dauerte es, bis man alle Haushalte besucht hatte. Die Kinder waren von morgens bis abends unterwegs. Sie sangen ein Lied, das in Kreuzers Erinnerung mit den Zeilen begann „Die Heiligen Drei Könige mit ihrigem Stern, die kommen gegangen, ihr Frauen und Herrn.“ Danach wurde erstmals C*M*B an die Haustür geschrieben. Es bedeutet „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“).

Zwei Ereignisse sind in Erinnerung geblieben

„Bichl und Benediktbeuern hatten damals viel weniger Häuser und Einwohner als heute. Heute wäre das mit nur einer Gruppe nicht mehr zu schaffen“, sagt Kreuzer. Zwei Ereignisse sind ihm in Erinnerung geblieben. In Bichl wurden sie von einer weinenden Frau in den Hausgang gebeten. „Sie sagte uns, dass in einem angrenzenden Zimmer jemand im Sterben liege, und wir sollten ihm noch was singen.“ Das taten die Buben dann auch und verließen das Haus in gedrückter Stimmung. Ganz anders verlief der Besuch beim damaligen Dorfarzt Doktor Konrad in Bichl. Die Sternsinger wurden ins Wohnzimmer gebeten, denn die Familie hatte Besuch von einem amerikanischen Offizier aus Bad Tölz, dessen Frau und der Tochter. Die Tochter Bonny ging mit Kreuzer in dieselbe Klasse in der Oberrealschule in Tölz. „Ich war an diesem Tag der Mohr und wurde deshalb nicht gleich von ihr erkannt“, schildert Kreuzer. „Ich legte auch geringen Wert darauf, weil ich den Verdacht hatte, nach den Ferien in der Klasse gehänselt zu werden. Es half aber nichts, sie hat mich nach einiger Zeit angegrinst, auf mich gezeigt und mit ihrer Mutter getuschelt, es aber später niemand in der Klasse erzählt.“

Geld gespendet und einen Fernseher gekauft

Wie heute auch spendeten die Bürger Geld und Gebäck, Süßigkeiten, Äpfel und Nüsse für die Sternsinger. Die Buben sammelten die Naturalien in Kartoffelsäcken, das Geld aber trug der Salesianer bei sich. Es wurde größtenteils an die Mission gespendet, erinnert sich Kreuzer. Zudem wurde fürs Knabenheim ein Schwarz-weiß-Fernseher gekauft. „Jetzt konnten wir am Samstagnachmittag die Sportschau und unsere Lieblingscowboy-Serie ,Bonanza‘ anschauen“, erinnert sich der 75-Jährige.

Für Gebäck und Äpfel wurde sogar ein Fest im Knabenheim veranstaltet. Aber alles konnten die Sternsinger beileibe nicht vertilgen. „Danach luden wir an einem anderen Tag noch alle Knabenheimbesucher zu Kinderpunsch und Süßigkeiten ein“, erinnert sich Kreuzer. „Auch bei dieser Gelegenheit konnten nicht alle Naturalspenden aufgegessen werden.“ Man hatte also noch längere Zeit Freude an den vielen Gaben.

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