Schnitzeljagd durchs Benediktbeurer Moor: Am Smartphone bekommen die Teilnehmer Hinweise. Leonie (6), Tobias (8) und Papa Patrick Staar hören zu.
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Schnitzeljagd durchs Benediktbeurer Moor: Am Smartphone bekommen die Teilnehmer Hinweise. Leonie (6), Tobias (8) und Papa Patrick Staar hören zu.

ZUK Benediktbeuern bietet Schnitzeljagd für Familien

„Erlebnisrallye durchs Klosterland“: Wie imitiert man einen Salamander?

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Das Gebiet um das Kloster Benediktbeuern ist ein Traum für jedes Kind. Tümpel, ein Kletterturm, Tiere, Pflanzen – an jeder Ecke gibt es was zu entdecken. Nun kann man den Ausflug dorthin noch etwas unterhaltsamer gestalten: Das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) bietet eine digitale Erlebnisrallye per Smartphone an.

Benediktbeuern - Kurier-Mitarbeiter Patrick Staar hat das neue Angebot des ZUK mit seinen Kindern und der Oma getestet – und festgestellt: „Die geheime Mission durch das Klosterland“ ist eine Herausforderung.

Die Tour beginnt problemlos. Die App „Actionbound“ lässt sich einfach auf dem Smartphone installieren. Nun muss man nur noch den QR-Code einscannen, und los geht’s. Es erscheint ein Kompass-Pfeil, der uns zu einer Schautafel führt. Tobias juchzt, als er auf deren Rückseite einen weiteren QR-Code findet, mit dem sich die „geheime Mission“ starten lässt. Aus dem Lautsprecher tönt eine Durchsage des (fiktiven) „Radio Benediktbeuern“. Ein (ebenfalls fiktiver) „Pater Helmut“ bittet die Mitspieler um Hilfe. Nur wenn sie erfolgreich Rätsel lösen, können sie verhindern, dass ein böser Investor ein riesiges Hotel mitten ins Moor baut.

An der zweiten Station müssen Baumarten bestimmt werden

Die Kinder lassen sich von der Geschichte fesseln und laufen mithilfe der virtuellen Kompassnadel zur zweiten Station. Dort sollen sie drei Baumarten bestimmen, die in 30 Schritten Umkreis wachsen. Leonie (6) sucht kurz, dann entdeckt sie was viel Spannenderes: Eine Wasserpfütze, in der man einen Damm bauen kann. Binnen fünf Minuten sieht sie aus wie ein Kumpel nach einem Tag harter Arbeit in einem Kohlebergwerk. Tobias (8) ist in seinem Element. Hier wächst ein Ahorn – klar, eine Eiche – klar. Doch die dritte Baumart ist fies. Uns bleibt nur Raten. Ein Tröten ertönt – falsche Antwort. Tobias blickt entsetzt.

Martin Malkmus, Bildungsreferent am ZUK

Die Idee zur virtuellen Schnitzeljagd durch das Moor hatte Martin Malkmus. Der Bildungsreferent am ZUK ist seit jeher ein großer Fan von Schnitzeljagden. Die App „Actionbound“ lernte er in einer Fortbildung kennen. Er beschloss, die App für eine Tour durchs Klosterland einzusetzen. „Sie passt super in die Coronazeit“, sagt der Umweltpädagoge. Die Gruppen könnten ohne Führung das Moor durchstreifen. Zwei Wochen lang habe er an dem Projekt gearbeitet. Erst mal müsse man sich eine Geschichte überlegen, in der am besten ein „Bösewicht“ und ein „guter Mensch“ vorkommen.

Nistkästenzählen - das ist eine echte Herausforderung

Tobias hat sich von dem Schreck erholt und stürmt zur nächsten Station. Wir sollen die Nistkästen in einer schönen Allee zählen. Tobias läuft bis zum Ende und verkündet: „Ein Nistkasten links, zwölf rechts.“ Als ich ihm sage, dass ich auf der linken Straßenseite mindestens vier Nistkästen gesehen habe, lässt sich Tobias enttäuscht auf den Matschboden plumpsen. Nun sieht auch er aus wie ein Grubenarbeiter. Also beschließen wir: Tobias und ich zählen gemeinsam die Nistkästen auf der linken Straßenseite, Leonie und die Oma die Kästen auf der rechten. Wir kommen auf 19 Kästen, tippen es in die App ein – und wieder ertönt ein Tröten. Unser Fehler: Wir hätten nicht alle Kästen, sondern nur die ab dem Startpunkt zählen sollen. Die Oma merkt an: „Pater Helmut wird wahrscheinlich nicht zufrieden mit uns sein.“

Wie sieht eigentlich die Wilde Karde aus?

Das Kloster bietet die Erlebnisrallye seit einigen Wochen an. Bislang hätten sie rund 20 Gruppen mit drei bis fünf Personen benutzt, sagt Malkmus. Er habe mit einigen Startschwierigkeiten kämpfen müssen. „Einige Gruppen haben was ganz Anderes gemacht, als ich wollte.“ Die meisten hätten mehr Zeit an den Stationen verbracht als geplant, „zum Beispiel, weil sie Spaß daran hatten, zu dichten“. Als Konsequenz habe er einige Punkte aus der Rallye herausgenommen. Drei Stunden Zeit müsse man trotzdem mindestens einplanen. Einige Familien blieben sogar sechs Stunden, sagt Malkmus: „Ich habe mir schon gedacht: Oh Gott, was ist da schief gelaufen – aber dann haben wir in der Bewertung fünf Sterne bekommen, und der Kommentar hat gelautet: ,Alles super‘.“

Bei uns geht unterdessen die Pechsträhne weiter. „Pater Helmut“ teilt uns mit, dass wir eine „Wilde Karde“, eine Moorpflanze, suchen sollen. Aus Versehen drücke ich auf „überspringen“. Wieder können wir die Aufgabe nicht lösen, bei Tobi fließen die Tränen. Leonie bleibt ungerührt und hat ihre eigene Spielidee. Sie nimmt ein Schilfrohr, hält es in den Schmetterlingsteich und teilt der Oma mit, dass sie gerade einen Blauwal an der Angel hat.

Wer einen Salamander nachmachen kann, hat schon halb gewonnen

Immerhin: Wir finden einen Stein, auf dem Tiere wie eine Libelle und ein Molch gemeißelt sind. An der nächsten Station sind beide Kinder voll in ihrem Element. Wir sollen filmen, wie sie ein Moortier nachahmen. Sie entscheiden sich für einen Salamander und krabbeln über den Boden. Dann sollen wir alle hoppeln wie ein Hase. Die Kinder sind begeistert, dass Oma mitmacht. Gerade als die Stimmung am besten ist, geht die Technik in die Knie. Das Filmen, die Ton-Aufnahmen, die Navigation und vor allem der eisige Wind haben dem Akku zugesetzt. Ich frage bei den Kindern nach, ob wir am Wochenende wiederkommen sollen. Tobi muss nicht lange überlegen: „Na klar. Das Spiel ist viel cooler, als ich gedacht habe.“

Infos zur Schnitzeljagd unter zuk-bb.de. Die Teilnahme kostet 9 Euro, das Angebot gibt’s bis 6. Juni.

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