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Schnell getraut werden, bevor die Schranke sich schließt: Dieses Brautpaar musste sich sputen, bei einer Stunde Gratisparken am Klosterparkplatz noch den kirchlichen Segen zu bekommen.

Viele lokale Themen

Faschingszug in Benediktbeuern: Narrisch guad

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Der Virus kam, aber niemand nahm Reißaus. Denn infiziert waren sie schon alle – vom Faschingsfieber natürlich. Rund 4000 Zuschauer verfolgten bei frühlingshaften Temperaturen den Benediktbeurer Faschingszug.

Benediktbeuern – Der Benediktbeurer Maschkeraverein feierte in dieser Saison sein 20-jähriges Bestehen mit einigen besonderen Veranstaltungen. Und auch beim Faschingszug kannte heuer der kreative Einfallsreichtum keine Grenzen: Zahlreiche fröhliche Fußgruppen und fantasievoll kostümierte Einzelgänger begeisterten die Maschkera ebenso wie die vielen Wagen, von denen einige heuer für Raunen und Staunen im Publikum sorgten.

Lokale Themen spielten natürlich eine wesentliche Rolle. Vor dem Wagen „Walchensee sucht den Super-Ranger“ stolzierte ein staatstragender Kochler Bürgermeister. Hinter ihm folgte ein Tross demonstrierender Bürger, der auf die Missstände am See aufmerksam machte: Badende Touristen im See, die am Ufer campen und offenes Feuer machen: „Uns stinkt’s, lautet die Devise, die Preißn vermüllen uns die Wiese, des derf ned sei – drum setzt Bürgamoasta Holz die Ranger ei“, war auf einem Plakat zu lesen. Zeternde Walchenseer Weiber verdeutlichten den Zuschauern am Straßenrand laut klagend die Probleme.

Auch die geplante Schranke am Kloster-Parkplatz wurde thematisiert. „Ob Hochzeit oda Leich’, der Zeitdruck bleibt oiwei gleich“, stand auf einem Plakat, das eine Stunde Gratisparken verspricht. Auf dem Wagen hatte man groß die Basilika nachgebaut, in der gerade eine Trauung stattfand: Das Brautpaar musste sich sputen, am Mauthäuserl zu bezahlen und innerhalb von einer Stunde den kirchlichen Segen zu erhalten. Wer Glück hatte, bekam derweil am Straßenrand eine Jahreskarte für den Parkplatz geschenkt.

Benediktbeurer Faschingszug: Die Bilder

Seinen Augen wollte man nicht trauen, als plötzlich ein halber Wald dahergefahren kam: Beim Thema „Waldbaden“ standen zahlreiche Fichten auf dem Gespann, und zusätzlich kamen die Bäumchen den Zuschauern sogar entgegen gelaufen und wollten umarmt werden: „Umarmst du Tanne, Kiefer, Fichte – machst jeden Alltagsstress zunichte“ und „Vergiss des Wellness-Seifenschaum, umarme lieber einen Baum“ war da zu lesen. Auch wenn der Wagen sehr langsam fuhr, kam man gar nicht nach, zu entdecken, wer und was sich da alles in diesem Wäldchen tummelte: Kuckucksuhren auf zwei Beinen, Yoga-Praktizierende und Schwammerlsucher waren zu sehen. Nicht fehlen durfte der „Oberförster“, Buchautor Peter Wohlleben.

Umweltschutz spielt bei den Maschkera selbstverständlich eine große Rolle. Gleich zweimal wurde die „Fridays for future“-Bewegung verspottet. Von der ersten Gruppe wurde „Fridays“ durch „Freibier“ ersetzt („Wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft“). In der zweiten Gruppe spazierten einflussreiche Persönlichkeiten wie der Grünen-Politiker Anton Hofreiter mit – ein blonder Wuschelkopf, der stets von einem TV-Team verfolgt wurde. Auch die Plakate waren aussagekräftig: „Rettet die Erde! Sie ist der einzige Planet mit Bier. Sonst ist Hopfen und Malz verloren“ und „Müll kann man nicht trennen. Er hat nur eine Silbe“ war da zu lesen.

Faschingszug Bichl: Falscher Polizist braust an Polizei vorbei

Wie immer waren die Beira Maschkera der Zeit voraus. Sie wissen, dass Skirennen künftig am Sandstrand enden und die dominierenden Mannschaften im Weltcup Jamaika, Afrika und Hawaii sind. Auch in Sachen Gleichstellung ist Benediktbeuern den anderen Gemeinden weit voraus. Weil man hier Olaf Scholz’ Vorschlag für die Gemeinnützigkeit von Vereinen ernst nimmt, gibt es im Klosterdorf schon die ersten weiblichen Antlaßschützen und ab 2021 eine reine Männergarde. Nur das Kochen müssen die zahlreichen Mannsbilder noch üben, wie sich in der Lehrküche des Frauenbunds zeigte.

Die Bonpflicht machte auch vor dem Faschingszug nicht Halt. Das Abzeichen gab es heuer nur gegen Quittung, und bei Verweigerung verstanden die Maschkera keinen Spaß.

Zum Abschluss blickten die Narren noch zum neuen Berliner Flughafen: Wahrscheinlich wäre es billiger, diesen abzureißen und auf der Wiese nebenan neu zu bauen. Am besten von Chinesen – die schaffen das nämlich in 100 Tagen.

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