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Bereiten die Ausstellung vor: Maria-Anna Bäuml-Roßnagl, Paul Roßnagl und Erwin Pecho.

1946 war die erste große Marc-Ausstellung in Benediktbeuern

Tiger, Stier und blaue Pferde im Kloster

Benediktbeuern/Ried –  Anlässlich des 100. Todestages von Franz Marc am 4. März finden auch in Benediktbeuern kulturelle Veranstaltungen statt. Denn vor 70 Jahren fand im Kloster die erste Ausstellung von Marc nach der Nazi-Zeit statt, sagt Kunsthistoriker Pater Leo Weber.

Als erste Kunstausstellung mit Werken von Franz Marc gilt gemeinhin jene 1949 im Haus der Kunst in München. Die Recherchen des Benediktbeurer Kloster- und Kunsthistorikers Pater Leo Weber haben jedoch ergeben, dass die erste Ausstellung im August 1946 im Kloster war, und zwar anlässlich eines Gedächtniskonzerts zu Ehren des Komponisten Heinrich Kaminski. Dieser war im Juni 1946 in Ried gestorben. Kaminski war mit Marc befreundet gewesen und wohnte später auch in dessen Haus.

Während des Dritten Reichs galt die Kunst von Franz Marc als entartet. Seine Witwe Maria konnte jedoch zahlreiche Gemälde schützen. Auf Wirken des damaligen Klosterdirektors Pater Karl Mindera stellte sie die Werke ihres Mannes anlässlich des Gedächtniskonzerts erstmals wieder aus.

„Mindera hat sich mit großem Verständnis dafür eingesetzt“, recherchierte Weber. Zusammen mit der Witwe habe er die „kostbaren und zahlreichen Originalgemälde“ im und um den Barocksaal aufgehängt. „Frau Marc ließ so viele Bilder bringen, dass nicht alle im Saal untergebracht werden konnten.“ Unter ihnen, so Weber weiter, waren so wertvolle Bilder wie der gelbe Tiger, der weiße Stier, blaue Pferde und viele Reh-Darstellungen. „Es waren ingesamt die wichtigsten Werke aus dem Besitz von Maria Marc und aus der berühmten Sammlung von Bernhard Köhler aus Berlin, die während des Krieges in verschiedenen Kellern in Ried und Benediktbeuern verwahrt und gerettet worden sind.“

Das Konzert und die Ausstellung, so Weber weiter, fanden überregional große Beachtung. Auch Maria Marc und Gabriele Münter waren anwesend. „500 bis 600 Personen fanden sich ein“, so Weber. „Rund 150 Menschen mussten wegen Überfüllung weggeschickt werden.“ Deshalb wurden Konzert und Ausstellung eine Woche später wiederholt.

Heuer jährt sich also nicht nur der 100. Todestag von Franz Marc, sondern auch der 70. Jahrestag dieser – so Weber – ersten öffentlichen Ausstellung. Aus diesem Grund will der Kunsthistoriker mit einer besonderen Ausstellung Kunstliebhaber nach Benediktbeuern einladen.

Weil Weber (87) diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst koordinieren kann, übernimmt das Maria-Anna Bäuml-Roßnagl. Die ehemalige Professorin an der Münchner LMU (Fakultät für Psychologie und Pädagogik) lebt in Peißenberg. Eine langjährige Künstlerfreundschaft verbindet sie mit Weber.

Bäuml-Roßnagl wird erstmals am 8. April einen Vortrag über dieses Thema in Benediktbeuern halten. Dafür hat sie Erwin Pecho mit dem „Förderkreis für Brauchtum und Kultur“ zusammengebracht. Bäuml-Roßnagl wird nicht nur über die Recherchen von Pater Weber sprechen, sondern auch über den Bezug von Franz Marc zum Loisachtal und die künstlerische Deutung seiner Bilder.

Für Ende Juli ist dann eine Ausstellung im Kreuzgang des Klosters geplant, genauer gesagt von 23. Juli bis 31. August. Ein Künstlerkreis, der in den vergangenen Jahren mit Weber zusammengearbeitet und sich mit dem Werk von Franz Marc beschäftigt hat, wird seine Arbeiten zeigen. Es geht darum, wie regionale Künstler Marcs Werk interpretieren. Erwin Pecho hat zum Beispiel Gemälde wie „Das arme Land Tirol“ individuell neu gestaltet, gleiches gilt für Helmut Haut und Tanja Schönberg aus Benediktbeuern. Mit dabei sind auch andere Künstler aus dem Tölzer und Werdenfelser Land. Sie zeigen insgesamt etwa 70 Werke ganz unterschiedlichen Inhalts und Gestaltung. Auch Bäuml-Roßnagl stellt einige Arbeiten vor.

Im Zuge dieser historischen Recherchen kommt auch wieder zu Tage, in welcher Situation sich eigentlich Ried, also der kleine Weiler, in dem das Ehepaar Marc wohnte, befindet. Marc war 1914 von Sindelsdorf nach Ried gezogen. Ried gehörte damals zur Gemeinde Benediktbeuern. In den Datumsangaben auf seinen Briefen, so berichtet Erwin Pecho, vermerkte er „Benediktbeuern“ oder „Ried b. Benediktbeuern“. Als der Maler 1916 gefallen waren, ließ seine Witwe den Leichnam 1917 nach Kochel überführen. 1918 wurde Ried nach Kochel umgemeindet. Laut Pecho hängt dies mit einem Sozialfall zusammen, den die Gemeinde Benediktbeuern nicht übernehmen wollte. Seither gehört das Dorf kommunalpolitisch zu Kochel, doch es bestehen nach wie viele Bezüge – etwa bei der Telefon-Vorwahlnummer – zu Benediktbeuern. Der jüngste Vorstoß zu einer „Rück-Umgemeindung“ wurde 2002 indes abgelehnt.

Christiane Mühlbauer

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