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Umstritten: Über den Standort im Südgarten des Klosters (nicht direkt im Bild) wurde intensiv diskutiert.

Fraunhofer-Gesellschaft lässt Projekt am Kloster Benediktbeuern fallen

Tagungshaus geplatzt: Wie geht es jetzt weiter?

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Nach dem Aus für das Tagungshaus am Kloster Benediktbeuern will sich die Fraunhofer-Gesellschaft von dort nicht komplett zurückziehen. Politiker äußern unterdessen ihr Bedauern über das Ende des Projekts. Und Generalkonservator Mathias Pfeil  hat „ein lachendes und  ein weinendes Auge“. 

Benediktbeuern– Die Fraunhofer-Gesellschaft verabschiedet sich von der Idee, am Kloster Benediktbeuern ein Tagungshaus zu bauen (wir berichteten am Donnerstag).

Dass in Sachen Tagungshaus „etwas im Busch ist“, hatte sich in den vergangenen Monaten schon abgezeichnet. Wie unsere Zeitung im Februar berichtete, hatte Fraunhofer den Vertrag mit dem Kloster immer noch nicht unterschrieben. Das war verdächtig – denn schon längst hätte man im Gemeinderat die Stellungnahmen zum Bebauungsplan (veröffentlicht im August) durcharbeiten müssen. Doch das Ganze wurde auf Eis gelegt.



Bei einer Besprechung am Mittwoch wurde dem Salesianer-Orden das endgültige Aus mitgeteilt.  „Wir waren auf dieses Gespräch am Mittwoch vorbereitet“, sagte Klosterdirektor Pater Lothar Bily am Donnerstag zu unserer Zeitung. Schon Ende vergangenen Jahres hätten sich die Anzeichen verdichtet, dass der Plan fürs Tagungshaus platzen könnte.

Das endgültige Aus bestätigte die Fraunhofer-Gesellschaft unserer Zeitung am Donnerstagmorgen. Das Projekt scheitert laut Fraunhofer an neuen, strengeren Kriterien des Bundesrechnungshofs für die Wirtschaftlichkeit von Tagungs- und Bildungseinrichtungen. Diese setzen Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer enge Grenzen beim Betrieb von Gast- und Tagungsstätten, heißt es in der Mitteilung. „Die Anwendung dieser neuen Kriterien hätte in Sachen Auslastung und Preise im Verhältnis zu den Kosten keinen wirtschaftlich vertretbaren Betrieb zugelassen“, teilt die Gesellschaft mit.

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen habe das Bundesbildungsministerium keine Möglichkeit mehr gesehen, der Finanzierung zuzustimmen. Zugesagt waren rund fünf Millionen Euro. Zuletzt war die Rede davon, dass das Tagungshaus 10,5 Millionen Euro kosten wird. Die Kosten wollten sich Bund und Freistaat teilen.

„Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren“, sagt Klosterdirektor Pater Bily. Nach jahrelanger Planung und Arbeit sei man freilich enttäuscht. Aber, und das ist Bily wichtig zu betonen: „Es gibt keinen Bruch mit der Fraunhofer-Gesellschaft. Wir werden neue Wege der Zusammenarbeit überlegen.“

Klosterdirektor Pater Lothar Bily

Auf politischer Seite herrscht großes Bedauern über das Aus. „Wir finden es sehr, sehr schade, dass die Fraunhofer-Tagungsstätte nicht in Benediktbeuern gebaut werden kann“, sagt Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler). „Die Tagungsstätte wäre eine wirklich gute und nachhaltige Perspektive für das Kloster gewesen.“ Mit Fraunhofer wurden in den bislang laufenden Projekten sehr gute Erfahrungen gemacht. „Das Haus hätte das Kloster weiter aufgewertet, belebt und so auch dessen Erhalt langfristig gesichert.“

Ähnlich äußert sich der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Von Anfang an war er ein Befürworter des Projekts. Trotz aller Herausforderungen des Denkmalschutzes wäre das Tagungshaus „eine Win-win-Situation für alle“ gewesen. Bachhuber, Niedermaier und auch Zweiter Bürgermeister Hanns-Frank Seller waren bei dem Treffen am Mittwoch dabei, ebenso Thomas Goppel als Leiter des Landesdenkmalrats. Auch die Gemeinde bedauert das Aus: „Das Tagungshaus hätte als wissenschaftliche Einrichtung nicht nur das Kloster, sondern die gesamte Region aufgewertet“, sagt Seller. „Es hätte zu Benediktbeuern sehr gut gepasst.“ Allerdings müsste natürlich auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein, sagt der Vize-Bürgermeister.

Das berühmte „lachende und weinende Auge“ hat Bayerns oberster Denkmalschützer, Generalkonservator Mathias Pfeil. Seine Behörde hatte sich – noch unter Vorgänger Egon Greipl – strikt gegen das Vorhaben ausgesprochen, unter Pfeil änderte sich das Vorgehen. „Einerseits ist es schade, dass die Nutzung nicht kommt, andererseits wird jetzt ein Eingriff ins Denkmal vermieden“, sagt Pfeil. Mittelfristig müsse man aber eben auch an eine Nachnutzung von Klosterbauten denken. Mit Pfeil hatte es lange und zähe Verhandlungen gegeben, das Tagungshaus im Südgarten realisieren zu können.

Landrat Josef Niedermaier. 

Gegen diesen Standort, aber nicht gegen Fraunhofer an sich, kämpfte jahrelang die Bürgerinitiative (BI) „DenkMal Benediktbeuern“. Sprecherin Julia Wolff betont, „dass bei uns jetzt nicht die Sektkorken knallen“. Wolff ist „froh, dass die Einsicht doch noch kam und die Vernunft siegte: Zwar wurden mit den Planungen und dem Architektenwettbewerb bereits genügend Steuergelder für das Hotelprojekt ausgegeben, aber immerhin bewahrt der Bund mit seiner Finanzierungsabsage die Salesianer und das Kloster vor einem nicht wieder gut zu machenden Schaden im denkmalgeschützten Garten, direkt vor der Südfassade des Klosters.“

Wie viel Geld die Fraunhofer-Gesellschaft bislang in die Planung gesteckt hat, war auf Anfrage nicht zu erfahren.

Allen Beteiligten ist es jetzt wichtig, nach vorne zu schauen. Derzeit unterhält die Fraunhofer-Gesellschaft am Kloster ein Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege. „Hier wird aktuell eine intensivierte Zusammenarbeit eruiert“, heißt es in der Pressemitteilung. Zudem beabsichtige man, künftig einen Teil der internen Veranstaltungen im Kloster durchzuführen und dafür eine Rahmenvereinbarung abzuschließen. Man bleibe im Dialog mit Kloster und Gemeinde, „um weitere Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen“.

Darauf stützt sich nun auch Pater Lothar Bily. Heuer beginnt die Renovierung des Kloster-Südtrakts, veranschlagt sind rund drei Jahre Zeit. „Dann werden auch unsere Tagungsbedingungen besser sein.“ Eine Schwachstelle sei jedoch die Zimmersituation – es gebe nicht genügend Räume für Übernachtungsgäste. „Hier wäre eben das Tagungshaus eine gute Ergänzung gewesen.“

Der Prozess, Fraunhofer anderweitig ans Kloster zu binden, stößt auf große Unterstützung. Das sagen Vize-Bürgermeister Seller, Landrat Niedermaier und der Landtagsabgeordnete Bachhuber klar und deutlich. „Man muss das jetzt verdauen und überlegen, wie man die Zusammenarbeit aufrecht erhalten kann“, sagt Bachhuber. Schließlich sei Joseph von Fraunhofer nicht nur Forscher, sondern auch Ökonom gewesen.

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