Fledermaus-Exkursion im ZUK Benediktbeuern: Mit dem Detektor kann man den Gesang der Fledermäuse hören.
+
Ganz genau hinhören: Mit dem Detektor kann man den Gesang der Fledermäuse hören.

Oberlandtouren

Führung in Benediktbeuern enthüllt die Geheimnisse der Fledermaus

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
    schließen

Die Fledermaus-Exkursionen im ZUK in Benediktbeuern sind spannend und unterhaltsam. Und man kann dabei sogar Batmans kleine Brüder singen hören.

  • Bei der Exkursion „Batmans kleine Freunde" im ZUK lernen die Teilnehmer viel Wissenswertes über Fledermäuse.
  • ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger schöpft dabei aus einem unglaublichen Fachwissen und erzählt etliche Anekdoten.
  • Ein Detektor macht für die Teilnehmer den Ultraschall-Gesang der Fledermäuse hörbar.

Benediktbeuern – Fledermaus-Exkursionen unter dem Titel „Batmans kleine Freunde“ gehören zu den Klassikern im Benediktbeurer Veranstaltungsprogramm. Die Teilnahme lohnt sich – vor allem für Kinder und Erwachsene.

Vor dem Eingang des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) hat sich ein Dutzend Menschen eingefunden, die gespannt sind, was sie nun erwartet. ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger drückt den Teilnehmern ein kleines graues Kästchen mit einem roten und einem schwarzen Drehknopf in die Hand. „Das ist ein Detektor, der den Ultraschall-Gesang der Fledermäuse hörbar machen soll“, erläutert er. Geißinger empfiehlt, mit dem roten Knopf eine Frequenz von 40.000 Herz einzustellen: „Damit kommt man beim Fledermaus-Gesang durch.“

Fledermäuse schnüren sich ein Lunch-Paket

Es dauert eine Dreiviertelstunde, bis die Teilnehmer den Detektor das erste Mal einschalten dürfen. Es kracht und scheppert. Gerade bei den jüngsten Teilnehmern steigt die Spannung. Erst recht, als Geißinger die Gruppe in den stockdunklen Wald neben dem Kloster führt. Als die Gruppe einen Tümpel erreicht, ertönt aus den Detektoren plötzlich ein Geräusch, das an das Klopfen eines Spechts erinnert. Sekunden später huschen Fledermäuse über die Köpfe der Gruppe. „Da, da, da!“, ruft eine junge Teilnehmerin begeistert und deutet in Richtung Himmel. „Die sind aber winzig.“ Geißinger stellt sachlich fest: „Das sind Wasserfledermäuse.“

Hunderte Male hat Geißinger schon Besuchergruppen durch das Moor und das Kloster geführt. In seinen Exkursionen kann der Leiter des ZUK auf ein unglaubliches Fachwissen und unzählige Anekdoten zurückgreifen. Da ist zum Beispiel die Geschichte von der entsetzten Putzfrau. „Sehen sie mal“, sagte die Reinigungskraft einst zu Geißinger. „Da liegen überall Schmetterlingsflügel. Wer macht denn so etwas?“ Ist im Kloster womöglich ein Tierquäler unterwegs? Geißinger konnte die Bedenken zerstreuen. Übeltäter war eine Langohr-Fledermaus, die sich in der Ritze eines Dachbalkens eingenistet hatte. Die Besonderheit: Langohr-Fledermäuse formen ihre Schwanzflughaut zu Taschen und sammeln kurz bevor es hell wird Motten und Schmetterlinge ein. „Das ist ihr Lunchpaket“, sagte Geißinger. „Wenn die Fledermaus Hunger hat, braucht sie nur ihre Flughaut aufzumachen, und dann fällt ihr der Braten ins Maul.“

Aufgetaute Fledermäuse fallen im Kühlschrank wieder in Winterstarre

Und dann ist da noch die Geschichte von der Bäuerin, die im tiefsten Winter im Kloster anrief, weil sie in einem Holzstapel eine ganze Reihe scheinbar toter Fledermäuse entdeckte. Die Bäuerin sagte, dass sie sich fürchterlich ekelt und die reglosen Tiere immer in die Mülltonne wirft. Geißinger empfahl ihr, die Tiere lieber ins ZUK zu bringen.

Dort stellte sich heraus: Die Tiere leben noch, sie befinden sich nur in Winterstarre. Die Mitarbeiter wogen sie, stellten fest, dass sie viel zu leicht sind, um den Winter zu überstehen. Also tauten sie die Fledermäuse mit ihren Händen auf. Die Tiere begannen zu zittern und waren plötzlich wieder ganz munter. Ein paar Tage lang päppelten die ZUK-Mitarbeiter die Tiere mit Mehlwürmern auf. Das Problem: Die Fledermäuse fühlten sich wohl und wollten partout nicht mehr zurück in die Winterstarre. Also packten die Mitarbeiter ihre kleinen Gäste in Plastikdosen und stellten sie für ein paar Wochen in den Kühlschrank.

Mops-Fledermaus kann Körpertemperatur auf unter null Grad absenken

Die Fledermäuse verfielen wieder in Winterstarre – und flatterten im Frühjahr fröhlich davon. „Es ist schon unglaublich, was sie aushalten“, sagte Geißinger.

Der ZUK-Rektor fütterte die Teilnehmer mit vielen weiteren Fakten zu Fledermäusen. Beispielsweise, dass die Mops-Fledermaus ihre Körpertemperatur auf unter null Grad absenken kann. Die Teilnehmer erfuhren, dass Fledermäuse vier Ohrmuscheln haben und dass sie die einzigen Säugetiere sind, die aktiv fliegen können. Geißinger berichtete außerdem, dass im Dachboden des Klosters 300 bis 500 Fledermäuse ihre Heimat haben. „Ich fand das alles hochinteressant“, urteilte der Benediktbeurer Herbert Kommnick, der mit seinem Enkel unterwegs war. „Wir sind rundherum zufrieden – die Exkursion ist empfehlenswert.“

Die Serie

Wegen der Corona-Krise wird in den Sommerferien wohl vermehrt auf große Auslandsreisen verzichtet und Urlaub daheim gemacht. Deshalb stellen wir unseren Leserinnen und Lesern in den kommenden Wochen in der Serie „Oberlandtouren“ viele Ausflugstipps, Radtouren, Wanderungen und Kinderprogramme vor – auch über die Landkreisgrenzen hinaus.

Weitere Touren:

Mit Kindern unterwegs auf dem Brauneck: Mit dem Navi zu Blüten und Kräutern

Auf Filmspuren durch Bad Tölz, das bayerische Hollywood

Rundgang zu den Drehorten von „Hubert und/ohne Staller“ in Wolfratshausen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maskenpflicht: Marktleiterin in Kochel enttarnt gefälschtes Attest
Maskenpflicht: Marktleiterin in Kochel enttarnt gefälschtes Attest
Verkehrskonzept: Kochler Gemeinderat bremst SPD-Antrag aus
Verkehrskonzept: Kochler Gemeinderat bremst SPD-Antrag aus
Tölz live: Erster Schnee am Brauneck und am Blomberg
Tölz live: Erster Schnee am Brauneck und am Blomberg
Moderatorin mit Tölzer Wurzeln gewinnt Deutschen Radiopreis
Moderatorin mit Tölzer Wurzeln gewinnt Deutschen Radiopreis

Kommentare