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Stellen das Angebot vor: Konrektorin und Ganztagskoordinatorin Hanna Basel (li.) und Anna Koch von der Diakonie sitzen in einem der Chillingräume der Schüler.

Mittelschule Benediktbeuern

Ganztagsschule: Lernen fürs Leben

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An den Schulen im Landkreis geht der Trend zum Ganztag – auch in Benediktbeuern: 60 Prozent der Mittelschüler nutzen das Angebot. Es ist äußerst vielfältig – und in der Freizeitphase gibt es besondere Projekte.

Benediktbeuern– Mit dem Angebot einer Ganztagsschule wird grundsätzlich das Ziel verfolgt, dass die Schüler verlässlich betreut werden und die Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können. So definiert es die Regierung von Oberbayern. An der Mittelschule in Benediktbeuern gibt es das Angebot schon länger, und kommende Woche findet wieder ein Info-Abend darüber statt.

Seit Einführung des Ganztags in Benediktbeuern wurde dieser nämlich erweitert. Grundsätzlich gibt es zwei Züge – den gebundenen Ganztag (derzeit die kompletten Klassen 8bG und 9bG) und den offenen Ganztag, an dem sich freiwillig ein Teil der Schüler aus den Klassen 5 bis 9 beteiligen kann. „Das Angebot ist kostenlos, einzig das Mittagessen muss bezahlt werden“, sagt Konrektorin Hanna Basel, zuständig für die gesamte Koordination. Das Essen kostet pro Tag 4,15 Euro, für einkommensschwache Familien gibt es Unterstützung. Und wer das Ganztagsangebot nutzen will, muss sein Kind rechtzeitig dafür anmelden – ein- und aussteigen während des laufenden Schuljahres ist praktisch nicht möglich.

Ganztagsschule bedeutet natürlich nicht, ständig nur lernen zu müssen. In Benediktbeuern legt man großen Wert darauf, den Jugendlichen eine vertiefte Werteerziehung zu vermitteln und eine Berufsorientierung zu geben. „Wir wollen den Selbstwert stärken und das Übernehmen von Verantwortung fördern“, nennt Basel einige Beispiele. Ein wichtiges Thema ist auch die Hinführung zum selbstständigen Lernen. „Grundsätzlich geht es darum, die Lern- und Lebenskompetenzen unserer Schüler zu entwickeln.“

Der Ganztag in Benediktbeuern gliedert sich in drei Bereiche. Zuerst, unmittelbar nach Unterricht und Mittagessen, gibt es die „ungebundene Freizeit“ (6. bis 8. Stunde), in der man zum Beispiel spielen, Sport treiben (Bolzplatz) oder „chillen“ kann. „Es ist ganz wichtig, dass die Schüler runterkommen“, sagt Anna Koch, Bereichsleiterin der Diakonie (Werk Rosenheim). Diese ist der Träger des Ganztags. In der Schule gibt es gleich mehrere Chilling-Räume, die sich die Jugendlichen sogar selbst einrichten durften.

Dann folgt eine Studierzeit, in der man die Hausaufgaben macht. „Das heißt aber nicht, dass die Eltern davon entlastet werden“, sagt Anna Koch. „Sie haben schon noch die Kontroll-Verantwortung.“ In der Studierzeit gibt es auch die Möglichkeit, den Stoff – zum Beispiel Mathe – zu vertiefen. „Es ist aber keine persönliche Nachhilfe“, betont Basel.

Der dritte Bereich sind die Arbeitsgruppen. Hier arbeitet die Schule mit zahlreichen externen Fachkräften zusammen, die ein ganz besonderes Angebot unterbreiten. Und dieses ist in den vergangenen Jahren beständig gewachsen. Man kann unter anderem Theaterspielen, Töpfern, Tischtennis spielen, Grafikdesign lernen, den Fitnessraum nutzen, den Umgang mit einem Hund lernen, in den Bereich Eventmanagement hineinschnuppern oder mit einer Muttersprachlerin Englisch sprechen. Im Grafikdesign-Kurs haben die Schüler Schul-T-Shirts entwickelt, die nun in Produktion gegangen sind und von vielen gekauft wurden.

Außergewöhnlich sind auch das Entspannungsangebot TRE („Tension and Trauma Releasing Exercises“, dt: Übungen zur Entspannung und Traumaverarbeitung) und ein Philosophiekurs. „Der ist sehr beliebt“, sagt Basel. Trainerin Rike Zeus, auch am Gymnasium Tegernsee aktiv, diskutiert mit den Jugendlichen über persönliche Identität, Glück, Gerechtigkeit, Freiheit, Gesellschaft, Verantwortung, Gott, Zeit und Tod.

Die Schüler können bei der Anmeldung in einer Wunsch-Liste festlegen, welche Kurse sie interessieren. Um alles finanzieren zu können, ist auch der Förderverein der Schule eine große Hilfe: „Im vergangenen Jahr zahlte der Verein ein ganzes Streitschlichter-Seminar für Mädchen“, sagt Basel dankbar.

Die Konrektorin geht davon aus, dass der Bedarf für den Ganztag weiterhin da ist – nicht zuletzt deshalb, weil viele Eltern darauf eingestellt sind, ihren Nachwuchs zuverlässig in Betreuung zu geben, etwa aufgrund des Ausbaus der Kindertagesstätten. Bei den jetzigen Fünftklässlern liegt man mit 62 Prozent sogar über dem Schuldurchschnitt. Und damit das Netzwerk weiterhin stark ist, stehen in Benediktbeuern auch eine Jugendsozialarbeiterin, eine Schulpsychologin und eine Streetworkerin sowie Mitarbeiter aus der offenen Jugendarbeit und eine Berufseinstiegsbegleiterin zur Verfügung. Denn, so sagt Basel, es haben eben nicht alle Kinder von Haus aus gute Startchancen ins Leben. „Bei uns soll keiner durchs Netz fallen.“

Der Info-Abend zum Ganztagsangebot in Benediktbeuern findet am Donnerstag, 27. April, um 19 Uhr in der Schule statt. Dabei berichten auch Achtklässler von ihren Erfahrungen.

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