Das Team der „Post“ in Benediktbeuern (v. li.): Emerson Pohl, Hans Pohl und Antonia Suares.
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Das Team der „Post“ in Benediktbeuern (v. li.): Emerson Pohl, Hans Pohl und Antonia Suares.

Loisachtaler Gastronomen

Mitten in der Corona-Pandemie Lokale neu eröffnet: „Wie soll man so überleben?“

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Es gibt gute Zeitpunkte, um ein Gasthaus zu übernehmen, und es gibt schlechte. Und es gibt ganz, ganz üble Zeitpunkte. Ein Lied davon singen können Mirjana Eidenschink und Emerson Pohl. Die beiden Wirtsleute entschieden sich dafür, ausgerechnet in diesem Frühjahr, die „Post“ in Benediktbeuern und den „Bayerischen Löwen“ in Bichl zu eröffnen.

Benediktbeuern/Bichl – Bereits zum zweiten Mal sind die Wirtsleute durch einen Corona-Lockdown ausgebremst. Der Benediktbeurer Post-Wirt Emerson Pohl ist aufgrund der permanenten Rückschläge mit den Nerven am Ende: „Wir halten höchstens noch ein, zwei Monate durch“, sagt er.

Für ihn selbst ging die Pechsträhne schon etwas früher los als für die anderen Gastronomen, genauer gesagt am 23. September 2019. Pohl war damals noch Wirt des Jachenauer Schützenhauses. Aus heiterem Himmel kam es um 4.30 Uhr morgens zu einem Brand in der Küche – die Polizei tippte auf einen technischen Defekt. Als Konsequenz musste Pohl ganze Busse und Stammgäste zurückweisen. „Da haben wir auch schon kein Geld verdient“, erinnert er sich.

Ersten Lockdown für intensive Renovierungen genutzt

Anfang Februar übernahm er mit seinem Partner die „Post“ und wollte gleich loslegen. Doch dann stoppte ihn im März der erste Lockdown. Die Pohls nutzen die Zeit zu einer intensiven Renovierung und sperrten am 19. Juni auf. Vier Monate lief der Betrieb recht gut. „Aber Mitte Oktober hat Angela Merkel gesagt, dass man nicht mehr weggehen soll, und am nächsten Tag ist der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen.“ Schließlich mussten die Gaststätten komplett zusperren: „Alleine für Weihnachten hatten wir 250 Reservierungen“, sagt Pohl. „Reservierungen weg, Leonhardi weg, Fasching weg. Wie soll man so überleben? Mit drei, vier normalen Monaten kann man nicht ein ganzes Jahr überbrücken. Die ganzen Kosten laufen ja weiter.“

Zumal die Investitionen im Frühjahr enorm gewesen seien. Alleine das neue Kassensystem habe 10 000 Euro gekostet, weitere 13 000 Euro die neue Kaffeemaschine. Selbst wenn er im Januar und Februar aufsperren dürfte, würde das seiner Ansicht nach die Lage nicht entscheidend verbessern, da dies Monate mit geringen Einnahmen sind. „Ich werd’ immer mehr gefrustet“, sagt Pohl. „Ich weiß nicht, wie lange wir dieses Mal zusperren müssen – ich gehe davon aus bis Ostern. Und so lange halten wir auf gar keinen Fall durch.“

Wer will hier noch arbeiten, wenn er immer Angst vor dem nächsten Lockdown haben muss?“

Was ihm besonders Sorgen bereitet: „In der Gastronomie gibt es ja eh schon ein Personalproblem. Wer will hier noch arbeiten, wenn er immer Angst vor dem nächsten Lockdown haben muss?“ Von Kurzarbeitergeld könne auf Dauer niemand leben. Um seine sechs Mitarbeiter halten zu können, will er einen Monat lang testen, ob ein Lieferservice angenommen wird, „auch wenn der Steuerberater gesagt hat, dass sich das nicht lohnt“. Zudem will Pohl im Januar mit dem Tegernseer Brauhaus über die Situation sprechen. Kredite und Stundungen würden ihm auch nicht weiterhelfen, „weil wir in Zukunft dann nur noch dafür arbeiten, um die Schulden abzubauen“.

In Bichl hilft die Gemeinde dem „Bayerischen Löwen“

Nicht ganz so angespannt ist die Situation beim „Bayerischen Löwen“ in Bichl: „Wir haben das Glück, dass die Gemeinde sehr gut hinter uns steht“, sagt Michael Eidenschink, Ehemann der Wirtin Mirjana Eidenschink. „Ohne die Gemeinde hätten wir schon zusperren müssen.“ Einzige Einnahmequelle ist der Lieferdienst, der gut laufe. Mit dem normalen Geschäft sind die Einnahmen natürlich nicht vergleichbar: „Allein in der ersten November-Woche hatten wir über 300 Reservierungen. Und einige Weihnachtsfeiern mussten wir auch absagen.“

Mirjana Eidenschink ist seit Frühjahr die Wirtin im „Bayerischen Löwen“ in Bichl.

Die Zeit im „Bayerischen Löwen“ stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Am 13. März wurde die Gaststätte wiedereröffnet, „und gleich am nächsten Tag mussten wir wegen Reichtum schließen“, sagt Michael Eidenschink sarkastisch mit Blick auf den ersten Lockdown. Mit staatlicher Unterstützung schaut es seither düster aus. Beim ersten Lockdown hatten die Eidenschinks ihre GmbH gerade eben erst gegründet und damit zu viele Rücklagen, um einen Zuschuss zu erhalten. Auch der Vergleich mit dem Vorjahresumsatz half nicht weiter – „denn wir hatten 2019 ja noch keine Einnahmen“. Wenn überhaupt, rechnet Eidenschink nur mit einer geringen Unterstützung, „denn es wir alles gegengerechnet – von den Einnahmen aus dem Lieferservice bis zum Kurzarbeitergeld.“ Somit bleibt nur der Griff ins Ersparte.

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