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Dialog auf Augenhöhe: Islam-Kenner Dr. Rainer Oechslen und Gönül Yerli, stellvertretende Direktorin des Islamischen Forums Penzberg. 

Vortrag „Der Glaube der Anderen“

Gegen Unwissenheit und Angst

Benediktbeuern –  Was trennt den Islam vom Christentum? Ist der Islam überhaupt mit europäischen Werten vereinbar? Und kann es ein friedliches Miteinander beider Religionen geben in Deutschland? Mit diesen Fragen befasste sich ein interreligiöser Abend im Bonhoeffer-Haus Benediktbeuern.

Der Abend räumte auf. Mit Vorurteilen, mit Unwissenheit, mit diffusen Ängsten. Zumindest ein bisschen. Aber der Abend unter dem Titel „Der Glaube der Anderen“, zu dem die evangelische Kirchengemeinde Kochel eingeladen hatte, machte auch deutlich, dass es einige Anstrengung erfordert, die jeweils andere, fremde Religion zu verstehen. Dass man das wollen muss, dass man dann aber viel Faszinierendes erfahren kann.

Auf dem Podium im Bonhoeffer-Haus hatten zwei hochkarätige Kenner beider Religionen Platz genommen: Dr. Rainer Oechslen, Beauftragter für interreligiösen Dialog- und Islamfragen der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Und Gönül Yerli, stellvertretende Direktorin des Islamischen Forums Penzberg. Mit großem Interesse verfolgten die rund 50 Zuhörer, wie die beiden zunächst erklärte, was sie an der jeweils fremden Religion fasziniert. Bei Yerli ist das im Christentum die Figur des Jesus sowie die institutionalisierte Nächstenliebe in Form von Hospizen. Bei Oechslen ist es das enorme Gottvertrauen der Moslems. „Dieses ,alles-annehmen-können-was-kommt’ halte ich für sehr hilfreich.“

Ausführlich und verständlich erklärten die Experten den Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten und betonten, dass dieser Konflikt längst kein religiöser, sondern vielmehr ein politischer ist. „Es geht um den Kampf um Macht“, betonte Oechslen. Der Islam-Kenner beleuchtete die Entstehung der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) und betonte, dass dessen Führungsriege aus der einstigen Offiziers-Clique Saddam Husseins stamme, die militärisch versiert, aber ganz sicher nicht religiös sei.

Das und noch viel mehr konnten die Zuhörer lernen in diesen zwei Stunden. Sie lernten etwa, dass laut Yerli der Koran keine Todesstrafe bei Glaubensabfall vorschreibt. Dass 60 Prozent der Studenten der Islamischen Theologie in Deutschland Frauen sind oder dass das Wort „Dschihad“ eigentlich bedeutet: „Das eigene böse Ego besiegen.“

Streng und kritisch ging Yerli, die mit vier Jahren nach Deutschland kam, mit ihren Glaubensbrüdern in der muslimischen Welt ins Gericht. Sie stellte klar, dass man den Koran als Buch aus dem 12. Jahrhundert lesen müsse, und die Moslems von heute das darin Geschriebene darum nicht unreflektiert übernehmen dürften. Aber: „Leider leben Muslime nicht gerade in Bildungsstaaten.“ In der islamischen Welt läge die Analphabetenquote bei 40 Prozent. Dass die Flüchtlingen, die derzeit nach Deutschland kommen, ihre Koran-Auslegung verändern werden, „da habe ich große Hoffnung“, denn: „In Europa gibt es Bildung und Freiheit.“

Franziska Seliger

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