Im Porträt: Der Klosterladen

Geht nicht, gibt’s nicht

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Sie suchen eine Beichtgelegenheit, eine Unterkunft für Pilger, wollen ein Kreuz segnen lassen oder müssen einfach nur auf die Toilette? Das Team des Benediktbeurer Klosterladens ist auf alle Fragen vorbereitet. Die Mitarbeiter sind für viele Besucher die erste Anlaufstelle.

Benediktbeuern – „Wir sind der Dreh- und Angelpunkt im Kloster“, sagt Simone Spohr lächelnd. Kein Wunder: Der Klosterladen befindet sich zentral an der Pforte und hat sieben Tage in der Woche von 9 bis 18 Uhr geöffnet. An der Pforte beginnen die Führungen, man gelangt von hier aus zu den Padres, in den Barocksaal, zu den Kunstausstellungen im Kreuzgang oder ins Café. „Hier im Laden ist immer jemand da“, sagt Chefin Simone Spohr.

Der Laden wird von der Don Bosco Medien GmbH betrieben und schmiegt sich über eine kleine Treppe hinab noch eine Etage tiefer. Durch die Gewölbedecke wirken die drei Räume sehr heimelig – und man wird kaum vermuten, dass sage und schreibe 48 000 Artikel – vom Rosenkranz über zahlreiche Bücher bis hin zum „Klosterbrannt“-Schnaps – darin zu finden sind.

Zehn Mitarbeiter, fünf von ihnen festangestellt, kümmern sich um alle großen und kleinen Sorgen der Besucher. Egal, ob sich jemand im Klosterareal nicht zurecht findet, seine Brille verloren hat oder eine Frage zur Geschichte hat – die Mitarbeiter können fast immer weiterhelfen oder -vermitteln. „Wir machen das alle mit Herzblut“, sagt Spohr. Man fühle sich mit dem Geist des Salesianer-Ordens verbunden. „Für uns alle ist das mehr als nur ein Job.“

Der Klosterladen ist auch Vorverkaufsstelle für die Konzerte. Viele Menschen wissen, dass sie vor Ort noch Karten bekommen, wenn ein Aufritt online längst ausverkauft ist – wie etwa jener von Martina Schwarzmann heuer am 28. Juli im Maierhof. „Es ist sogar jemand eigens aus Passau hierher gekommen, weil er wusste, dass wir noch Karten haben“, erinnert sich Spohr. Mittlerweile sei für Martina Schwarzmann „aber wirklich nichts mehr zu haben“, versichert sie schmunzelnd.

Wer zum ersten Mal vor dem Laden steht, wird beim Anblick von Postkarten, kleinen Mitbringseln oder dem eigens fürs Kloster gebrauten Bier (es stammt aus Reutberg) eingeladen, ihn zu betreten. Spohr weiß, dass viele Menschen ihn aber auch ganz gezielt aufsuchen, weil sie wissen, dass sie hier Sachen bekommen, die sonst schwer zu finden sind – etwa Devotionalien oder besondere Geschenke für Taufe, Kommunion oder Firmung. „Unser Einzugsgebiet reicht von München bis Garmisch.“ Möchte jemand etwas gesegnet haben, können die Klosterladen-Mitarbeiter jederzeit einen Salesianer-Pater anrufen und ihn bitten, zu kommen.

Seit dem Umzug des Klosters Schlehdorf ist der Benediktbeurer der einzige Klosterladen im Loisachtal. Er hat auch in anderer Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal, etwa als Buchhandlung vor Ort. Auch Studenten der Katholischen Stiftungshochschule bekommen hier ihre Fachliteratur. Ansonsten gibt es ausgewählte Bücher, viele natürlich mit einem christlich-spirituellen Bezug und über Ordensgründer Johannes Bosco, aber auch über Franz Marc, das Blaue Land und generell zu Themen wie Achtsamkeit, Gesundheit, Natur oder zu allgemeinen Lebensfragen. Zu finden sind selbst die Luther-Bibel, Bücher mit buddhistischer Philosophie und der Koran. „Die Padres wissen und befürworten das“, sagt Spohr. Seit die 41-jährige Betriebswirtin den Laden führt, gibt es auch einen eigenen Kinder- und Familienbuchbereich. „Damit nehmen wir speziell Bezug auf das Kloster für die Jugend, und das kommt sehr gut an“, sagt Spohr, selbst Mutter von zwei Kindern.

Viele Besucher würden sich Mitbringsel wünschen, die sie ganz konkret mit Benediktbeuern in Verbindung bringen können, sagt Spohr. „Etwas, auf denen das Wort Benediktbeuern steht.“ Und so gibt es außer Kräuterprodukten, Bier und Likör seit Kurzem zum Beispiel auch Gewürze. „Die kommen so gut an, dass sie selbst die Padres bei uns kaufen“, freut sich Spohr. Zudem verkauft der Laden Handarbeiten von Einheimischen, etwa selbst Genähtes, Gestricktes und Geschnitzes.

Um auch selbst zu den vielen Veranstaltungen im Kloster beizutragen, organisiert Spohr Lesungen. Am 28. und 29. September wird heuer wieder Oliver Pötzsch kommen, bekannter Verfasser von historischen Romanen („Die Henkerstochter-Saga“). „Sein Besuch im vergangenen Jahr stieß auf großes Interesse, auch die angebotene Schreibwerkstatt“, berichtet Spohr. Im September wird er sein neues Buch vorstellen.

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