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Das Haus wurde um 1900 erbaut. Derzeit wohnen Studenten darin. 

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Was wird aus der Alten Apotheke?

Benediktbeuern – Vor vier Jahren war die Sanierung der „Alten Apotheke“ im Klosterdorf in aller Munde. Mittlerweile ist es still geworden um das Haus – und das wird wohl noch eine Weile so bleiben.

Keine Frage: Die „Alte Apotheke“ im Ortskern von Benediktbeuern ist baulich ein Schmuckstück. Sie wurde um 1900 gebaut und war die erste Apotheke am Ort, bewohnt von Familie Schade. Etwa elf Jahre später übernahm Familie Kraus die Apotheke und unterhielt sie bis in die 1970er-Jahre. Die Familie wohnte im Obergeschoss, die Arzneien wurden im Erdgeschoss aufbewahrt und verkauft. Besonders starke oder gefährliche Mittel wurden in einem „Giftschrank“ im Wohnzimmer der Familie weggeschlossen.

Heute gehört das Haus der Gemeinde, und einige Zimmer sind an Studenten vermietet. Eigentlich waren ihre Tage in dem Haus gezählt. Denn die Gemeinde wollte, dass die Gäste-Info ins Erdgeschoss zieht, und die Zimmer im Obergeschoss sollten in ein Heimatmuseum umgewandelt werden. Dafür stellten Benediktbeurer Bürger in den Jahren 2011/12 schon einige Unikate zur Verfügung. Viele Gegenstände haben oder hatten eine ganz besondere Bedeutung für die Familien und erzählen lebendige Dorfgeschichte. Zum Beispiel ein schweres, hüfthohes Paar Rindslederstiefel, deren Sohlen mit je 20 Nägel gespickt sind. Bauer Franz Sindlhauser († 1961) trug sie bei schweren Waldarbeiten in der Sattelbachklamm.

Ein weiteres Unikat ist eine besondere Trompete, mit der der „Oberschmied Hans“ viele Jahre lang jeden Abend an der Asenbauerweide (am Aufstieg zur Tutzinger Hütte) gespielt hatte. Der Wind trug die Musik bis ins Dorf und verhieß: Wenn drei Lieder verklungen waren, ist Feierabend.

Auch ein alter Ochsenkummet (Geschirr), eine alte Handbügelmaschine, ein Paar Ski aus Holz mit Gabelbindung, ein Spinnrad und kuriose Gegenstände aus den Kriegsjahren wurden gespendet, ganz zu schweigen von vielen historischen Fotos.

Auch aus der ehemaligen Apotheke ist noch vieles vorhanden. Die Gemeinde hatte seinerzeit Historiker Bernhard Müller-Wirthmann beauftragt, die Geschichte näher zu untersuchen. Er bezeichnete es als „absoluten Glücksfall“, dass die seinerzeit gebraucht gekaufte historische Apothekeneinrichtung aus der Biedermeier-Zeit überdauert hat. Und zahlreiche Gläser, Tiegel und Flaschen gibt es noch zuhauf. Müller-Wirthmann war damit beschäftigt, alles zu sichten, zu sammeln und zu sortieren.

Doch derzeit ruhen alle Arbeiten. Denn es fehlt das notwendige Geld, um das Projekt voranzutreiben. „Die Sanierung des Schwimmbads und der Neubau des Feuerwehrhauses haben uns quasi rechts überholt“, sagt Bürgermeister Hans Kiefersauer.

Das hatte sich schon in den letzten Monaten der Amtsperiode von Altbürgermeister Georg Rauchenberger abgezeichnet. Die Gemeinde musste sogar einen Zuschuss in Höhe von 118 000 Euro aus dem Leader-Programm der EU zurückgeben, denn die Ausschüttung war mit einem konkreten Baubeginn verknüpft. Kleiner Trost: Der Antrag kann jederzeit wieder gestellt werden, das Programm läuft noch.

Der Investitionsbedarf liegt bei rund einer Million Euro. Bürgermeister Hans Kiefersauer will sich nicht festlegen, wann es mit dem Projekt weitergeht. Und er sagt auch: „Wir werden sicher noch einmal im Gemeinderat diskutieren, ob das damals beschlossene Konzept noch tragfähig ist.“ Denn schließlich hätten sich auch andere Sachen entwickelt – als Beispiel nennt er die jetzt abgeschlossene Wohnraum-Befragung (wir berichteten). „Da kam heraus, dass die Bürger großes Interesse an gemeinschaftlichem Wohnen haben.“ In Bezug auf die Alte Apotheke sieht er jedenfalls „erhöhten Diskussionsbedarf“.

Und was passiert mit den gespendeten Objekten? Die wertvollen Gegenstände lagern bei Restaurator Erwin Wiegerling in Gaißach, sagt Kiefersauer. Andere Dinge sind im Gemeindekeller verstaut.

Christiane Mühlbauer

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