Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

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Das Tagungshaus soll im Südgarten des Klosters (Pfeil) entstehen. 

Gemeinderat Benediktbeuern stimmt zu

Ja zum Fraunhofer-Tagungshaus

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Einstimmig und mit dem großen Bekenntnis, die Zukunft des Klosters sichern zu wollen, hat der Benediktbeurer Gemeinderat am Mittwoch den Weg zum Neubau eines Tagungshauses der Fraunhofer-Gesellschaft geebnet. Die Bürgerinitiative „DenkMal“ will nun in Kürze mit den Vorbereitungen für eine Klage gegen das Haus beginnen.

Benediktbeuern– Monatelang hatte man öffentlich nichts mehr von dem Projekt gehört, doch hinter den Kulissen wurde intensiv diskutiert. Als „emotional“ und „kontrovers“ beschrieb Bürgermeister Hans Kiefersauer die Debatte, vor allem in punkto Parkplätze. Es sei die Gemeinde gewesen, die das Projekt in den vergangenen Monaten vorangetrieben habe, so Kiefersauer. „Die Anstöße kamen von uns“, sagte auch Toni Ortlieb. Und: Fraunhofer hätte in der Planungsphase „nicht die beste Seite“ gezeigt. Das Zusammenspiel von Architekten und Gesellschaft einerseits und Gemeinde andererseits sei „nicht immer glücklich“ gewesen, so Ortlieb.



Knackpunkt sind und bleiben die Parkplätze. Die Tatsache, dass, wie schon berichtet, die geplante Tiefgarage wegfallen wird, stößt den Räten sauer auf. Für Bayerns obersten Denkmalschützer, Generalkonservator Mathias Pfeil, ist sie ein „zu städtisches Element“. Die Stellflächen werden nun in den bestehenden Kloster-Großparkplatz eingebunden, für den es ein neues Parkraumkonzept geben soll. Im Klartext: Die Tagungshaus-Gäste müssen ihr Gepäck quer übers Areal tragen. Es besteht vielfach aus Kies. Unmittelbar vor dem Tagungshaus werden nur fünf Stellplätze zur Verfügung stehen.

Die Gemeinde befürchtet, dass die Tagungshaus-Gäste vor allem auf die nahe liegenden Parkplätze der Kloster-Gastwirtschaft ausweichen. „Hier sehe ich ein riesiges Problem auf uns zukommen“, sagte Ralph Seifert. Auch der Bürgermeister ist skeptisch, dass die Tagungsgäste „Klosterluft schnuppern wollen und gerne 500 Meter das Gepäck tragen“. Die Vorgabe von Generalkonservator Pfeil sei „nicht nachvollziehbar“, sagte Rudi Mühlhans.

Dennoch war man sich einig, dass das Tagungshaus, von Fraunhofer auch „Netzwertzentrum“ genannt, nicht an der Parkplatz-Frage scheitern soll. In der Sitzung meldeten sich fast alle Räte zu Wort, um zu betonen, wie wichtig ihnen dieses Tagungshaus sei. Einige Zuhörer, darunter Vertreter von Kloster und der Bürgerinitiative, verfolgten die Diskussion.

Die Gemeinde hat noch unter Altbürgermeister Georg Rauchenberger 2012 einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan erarbeitet, der Fraunhofer Regeln vorschreibt. Dieser Plan wird jetzt ausgeführt, das offizielle Verfahren nimmt seinen Lauf.

Im Tagungshaus, entworfen vom Münchner Architekturbüro Auer-Weber und bei einem Wettbewerb ausgewählt, ist Platz für 36 Betten (geplant waren 40). Es wird rund zehn Millionen Euro kosten (siehe Kasten unten). Das Haus ist 12,40 Meter hoch und wird in Holzständer-Bauweise errichtet. Die Gemeinde ist einen weiteren Kompromiss eingegangen und gestattet nun Blech auf dem Dach (statt Ziegeln). Das Haus steht parallel zur historischen Glashütte von Joseph von Fraunhofer, getrennt durch eine kleine Straße und die Klostermauer. Dem neuen Tagungshaus ist ein Bereich mit Flachdach vorgeschoben, das auf Drängen der Gemeinde die Klostermauer nicht überragen wird.

„Das Haus muss den Charakter eines Nebengebäudes haben, das sich dem Kloster unterordnet“, betonte der Bürgermeister und sagte weiter: „Ich stehe voll hinter diesem Projekt.“ Es sei „ein Mosaiksteinchen im Zukunftsplan des Klosters“.

Ähnlich äußerten sich andere Räte. Rudi Mühlhans blickte in die Vergangenheit: Hätte man 1680 schon ein Bürgerbegehren gegen den Maierhof machen können, wäre dieser wohl auch nie gebaut worden. „Aber heute würden wir ihn vermissen. Ich hoffe, dass auch wir in 10, 15 Jahren zum neuen Tagungshaus sagen können: Gut, dass es gebaut wurde.“ Das Kloster werde von den Salesianern mit Leidenschaft geführt, sagte Toni Lugauer. „Wir müssen dem Kloster die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln.“ Ingrid Hauptmann gefällt der Standort. „Schön, dass jetzt in unmittelbarer Nähe zur historischen Fraunhofer-Glashütte wieder Forschung betrieben wird.“ Das gefällt auch Toni Ortlieb: „Im Kloster wird gelebt und geforscht, es gibt eben nicht nur Ausstellungen.“ Einzig Margarete Steffens bekannte, dass ihr „das Haus an sich“ nicht gefalle: „Bei dem Wettbewerb hat mir ein anderer Entwurf besser gefallen. Aber ich kann mich mit dem jetzigen Gebäude arrangieren.“

Man habe, so Kiefersauer, erfahren, dass im süddeutschen Raum nur zwei bis drei Klöster erhalten werden, „und ein Fels in der Brandung wird Benediktbeuern sein“. Das hätten Politik und Kirche signalisiert.

Der Gemeinderat stimmte schließlich geschlossen für den Standort und die Errichtung des Hauses. Der Bebauungsplan wird in Kürze vier Wochen im Rathaus ausgelegtdamit die Bürger ihn einsehen und schriftlich Stellungnahmen abgeben können. Gleiches gilt für die sogenannten Träger öffentlicher Belange, also Behörden und Verbände.

Pater Claudius Amann, ehemaliger Klosterdirektor und jetzt zuständig für den Masterplan der Salesianer Don Boscos, äußerte sich am Donnerstag „dankbar“: „Ich freue mich, zu erfahren, wie wichtig der Gemeinde die Zukunft unseres Klosters ist.“ Das Thema Parken nehme man „sehr ernst“: „Ich kann die Argumente der Gemeinde verstehen.“ Man werde mit Fraunhofer daran arbeiten. Die Salesianer haben mit der Gesellschaft einen Erbpachtvertrag vereinbart, der demnächst unterzeichnet wird, so der Pater: „Es ist für beide Seiten ein zufriedenstellender Vertrag.“

Die Bürgerinitiative „DenkMal Benediktbeuern“ hat am Donnerstag angekündigt, Vorbereitungen zu treffen, um gegen den Bebauungsplan zu klagen. Das sagte Julia Wolff, die zusammen mit ihrem Vater Michael die BI vor vier Jahren gegründet hat. Michael Wolff verfolgte am Mittwoch die Sitzung des Gemeinderats. „Wir sind nicht gegen Fraunhofer an sich, sondern gegen diesen Standort“, sagt Julia Wolff erneut. Durch den Bau an dieser Stelle werde ein historisches Ensemble zerstört. Man werde sich nun mit den Unterstützern zusammenschließen, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Der Kreis der Gegner erstreckt sich über die ganze Region. Wolff kritisiert, dass bis heute nichts Konkretes über die Wirtschaftlichkeit des Tagungshauses veröffentlicht wurde. „Wie kann man hier davon sprechen, dass das Haus ein ,Mosaikstein für die Zukunft des Klosters‘ ist, wenn darüber geschwiegen wird?“, argumentiert die Benediktbeurerin. Sie bezweifelt, dass 36 Betten ausreichend seien. „Und wer soll das Haus betreiben?“ In der Debatte des Gemeinderats sei der Eindruck entstanden, dass es in letzter Zeit vor allem die Kommune gewesen sei, die das Projekt vorangetrieben habe. „Das finde ich merkwürdig. Wollte Fraunhofer eigentlich gar nicht mehr?“ Zudem sei es befremdlich, dass das Tagungshaus im Masterplan zur Gesamtentwicklung des Klosters gar nicht erwähnt werde. „Dabei wird es jetzt so dargestellt, als sei es der einzige Weg, das Kloster zu retten.“ Dieses, so Wolff, könne sich jedoch nur durch sich selbst, also durch Ordensnachwuchs, am Leben erhalten.

Die Fraunhofer-Gesellschaft wollte sich am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung generell nicht zum Thema äußern.

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