Der Trinkwasserpreis wird um 14 Cent pro Kubikmeter erhöht. Zudem wird eine Grundgebühr in Höhe von 36 Euro eingeführt. 

Gemeinderat trifft Entscheidung

Trinkwasser in Benediktbeuern wird teurer

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Die Bürger in Benediktbeuern müssen ab Januar fürs Wasser tiefer in die Tasche greifen. Außerdem wird ein Grundbetrag eingeführt. Im Gemeinderat wurde darüber kontrovers diskutiert.

Benediktbeuern– Bislang zahlen die Benediktbeurer Bürger pro Kubikmeter Trinkwasser 1 Euro netto. Ab Januar 2018 werden es 1,14 Euro netto sein, hinzu kommen 36 Euro Grundgebühr.

In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde für die Wasserversorgung mehr ausgegeben als eingenommen. Die Versorgung muss jedoch kostendeckend sein. 2016 gab es einen Verlust von 1400 Euro, heuer gar von 52 000 Euro. Zurückzuführen ist das laut Bürgermeister Hans Kiefersauer im Wesentlichen auf die steigende Zahl von Wasserrohrbrüchen. „Unsere Leitungen sind in einem sehr schlechten Zustand.“ Deshalb plane die Gemeinde, dass man in den kommenden Jahren jeweils 100- bis 150 000 Euro für die Instandsetzung investiere.

Die Rechnungsprüfung des Landratsamtes hat bemängelt, dass die Gemeinde im Prüfungszeitraum von 2010 bis 2015 sowohl die Wasser- als auch die Abwasser-Gebührenkalkulation nicht ausführlich genug gemacht habe.

Jetzt hat ein Fachbüro die Investitionen für die Jahre 2018 bis 2021 durchkalkuliert. Die Gemeinderäte diskutierten kontrovers, ob es sinnvoll sei, von nun an einen stets gleichbleibenden Grundbetrag in Höhe von 36 Euro einzuführen, damit der Wasserpreis pro Kubikmeter (1,14 Euro) niedriger bleibe. Denn dieser könne theoretisch auch wieder sinken. „Ein frommer Wunsch“, sagte Zweiter Bürgermeister Hanns-Frank Seller.

Viele der Räte sprachen sich für eine Grundgebühr aus – „weil es ein Sockelbetrag ist, mit dem die Gemeinde jedes Jahr rechnen kann“, sagte zum Beispiel Clemens Hammerl. Beim Strom sei es ja genauso, meinte Thomas Guggemos, und fügte hinzu: „36 Euro sind übers Jahr gerechnet drei Euro pro Monat.“ Das könne sich ein „Einfamilienhausbesitzer schon leisten“, meinte auch der Bürgermeister. Eine Diskussion entbrannte darüber, dass diese Gebühr pro Zähler gelte, und deshalb Bewohner eines Mehrfamilienhauses im Vergleich zu einem Einfamilienhaus im Vorteil seien. Hier eine Unterscheidung zu machen, sei jedoch in Bayern nicht möglich, sagte Kämmerer Johann Fischhaber zu Cölestin Allgäuer.

Gegen den Grundbetrag sprachen sich Marcus Klingler und Ingrid Hauptmann aus. Beiden geht es ums Prinzip. Klingler findet eine Gesamt-Gebührenerhöhung um 40 Prozent „Wahnsinn“, und Hauptmann rechnete vor, dass man diejenigen, die viel Wasser verbrauchen, mit dieser Regelung bevorteile. Clemens Hammerl hielt dagegen: „Aber wenn alle Leute viel weniger Wasser verbrauchen würden, müsste der Preis noch höher sein. Denn die Fixkosten sind ja da.“

Einig war man sich, dass man die Besitzer von Zweitwohnungen, die man, so war eingangs der Debatte herauszuhören, gerne mehr belastet hätte, mit der Grundgebühr per se aber nicht wirklich zur Kasse bittet. „Da müssten wir schon an anderen Schrauben drehen“, sagte Ingrid Hauptmann. Aber es sei immerhin ein Schritt, sagte Rudi Mühlhans. Momentan hätten die Zweitwohnungsbesitzer die gesamte Wasser-Infrastruktur quasi umsonst, jetzt könnte man sie immerhin um 36 Euro bitten.

Hauptmann gab außerdem zu Bedenken, dass 36 Euro für manche Menschen sehr viel seien. „Wer knapp über dem Arbeitslosengeld II liegt, den trifft es mit voller Wucht.“

Mit den Gegenstimmen von Hauptmann und Klingler wurden der Grundbetrag und der neue Nettopreis genehmigt. Benediktbeuern gehört also nun an zu den Gemeinden in der Region, die einen Grundbetrag haben (Stand 2016): In Penzberg liegt er auch bei 36 Euro, in Bad Tölz bei 38 Euro. Höher ist er nur in Geretsried (41) und Lenggries (45 Euro; hier beträgt der Wasserpreis derzeit aber auch nur 72 Cent). Niedriger ist der Grundbetrag in Gaißach (30 Euro), Großweil (20 Euro) und Bad Heilbrunn (5 Euro). Keinen Grundbetrag gibt es in Kochel, Schlehdorf und Sindelsdorf.

Vergleicht man den Wasserpreis, liegt Benediktbeuern regional nun im Mittelfeld. In Bichl kostet der Kubikmeter derzeit 96 Cent, eine Grundgebühr wurde nicht eingeführt.

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