Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz

Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz
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Das Gewerbegebiet soll um 5,2 Hektar erweitert werden. Aufgrund der Kritik soll entlang des Lainbachs nun ein 40 Meter breiter Grünstreifen bleiben. 

Geplantes Gewerbegebiet in Benediktbeuern

Großer Protest gegen Wald-Abholzung

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Benediktbeuern – Weil für die Erweiterung des Gewerbegebiets am Benediktbeurer Mondscheinweg großflächig Wald abgeholzt werden soll, schlägt der Gemeinde erheblicher Gegenwind entgegen.

Am Mittwoch wurden im Gemeinderat die Stellungnahmen verlesen. Der Widerstand kommt vom Amt für Landwirtschaft, verschiedenen Abteilungen des Landratsamtes (Planungsrecht, Naturschutz und Immissionsschutz), dem Bund Naturschutz, der Regierung, dem Wasserwirtschaftsamt und von der Gemeinde Kochel. Einzig die Handwerkskammer „begrüßt das Vorhaben ausdrücklich“.

Die Kritiker allerdings argumentieren, das Gebiet sei sensibel und der Eingriff in die Natur zu groß. „Der Lainbach ist das einzige Fließgewässer mit einem durchgehenden beidseitigen Waldstreifen, der von den Bergen bis ins Moor reicht“, schreibt zum Beispiel die Naturschutzbehörde. Würde das Gebiet zwischen B 11 und Bahnlinie fast gänzlich gerodet, wäre das ökologische Gleichgewicht bedroht. Wälder sollen erhalten und so bewirtschaftet werden, dass sie langfristig ihre Funktion erfüllen. In besagtem Bereich hätten wildlebende Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, zudem biete er Schutz vor Hochwasser. Würde man in unmittelbarer Nähe zum Lainbach bauen, müsse man „die neue, hochwasserempfindliche Bebauung künftig aufwendig schützen“.

Ähnlich argumentieren andere Behörden. Das Amt für Landwirtschaft fragt zudem, „ob der verbleibende Baumbestand stärkeren Winden standhält“. Auch der Bund Naturschutz (er war bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit getreten) hatte eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, in der Tier- und Pflanzenarten aufgelistet werden. Die Umweltschützer warnen vor „einer unwiederbringlichen Zerstörung des Landschaftsbildes und einer tiefgreifenden Wunde“.

Immissionsschützer geben zu Bedenken, dass bei einer Abholzung der Lärmpegel für die Bürger in Ried steigt. Statt bislang 235 Meter Abstand würde sich dieser nun auf 90 Meter verringern. Auch in Kochel gibt es deshalb Bedenken. Die Kommune fordert ausreichende Lärmschutzmaßnahmen und einen breiteren Grünstreifen.

Aufgrund der umfangreichen kritischen Stellungnahmen entwickelte sich im Gemeinderat eine lebhafte Diskussion. „Was die Naturschutzbehörde schreibt, ist sinnvoll“, meinte Marcus Schwabenland. „Das ist kein hochwertiger Wald, das sind Käfer-Bäume“, sagte Bürgermeister Hans Kiefersauer. Darauf Schwabenland: „Den Tieren ist es egal, ob ihr Rückzugsraum hochwertiges Holz hat oder nicht.“ Ähnlich argumentierte auch Cölestin Allgäuer. „Alle reden immer vom Heimatschutz, aber unterm Strich ist dann doch die Gewerbesteuer wichtiger.“

Als Befürworter meldeten sich Clemens Hammerl und Toni Lugauer zu Wort. „Als seinerzeit das Gewerbegebiet in Pessenbach gebaut wurde, gab es keine derartige Kritik.“

Die Gemeinde antwortet in ihrer Stellungnahmen allen Bedenkenträgern, dass es keine andere Möglichkeit für Gewerbeflächen dieser Größe im Dorf gibt. Für das Waldgebiet hatte die Verwaltung eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass dort „keine naturnah aufgebauten, standortgemäßen Wälder mit einem hohen Anteil heimischer Baumarten“ zu finden sind.

Wie sich jedoch im Vorfeld schon abgezeichnet hatte, lenkt die Gemeinde aufgrund der Kritik ein. Statt einem bislang geplanten zehn Meter breiten Grünstreifen am Lainbach soll dieser auf 30 Meter vergrößert werden, so dass das grüne Band unter Berücksichtigung umliegender Gehölzflächen insgesamt 40 Meter aufweisen wird.

Generell wird man sich von der Gewerbegebiets-Erweiterung an dieser Stelle aber nicht verabschieden. Es gebe „zig Anfragen von Betrieben“, sagte Kiefersauer, und man wolle kleinen und mittelständischen Unternehmen eine Standortperspektive geben. „In Abwägung der verschiedenen Belange hat die Gemeinde der Schaffung von Gewerberaum höheres Gewicht beigemessen“, argumentiert die Verwaltung.

Der geänderte Plan geht nun wiederum an alle Behörden mit der Bitte um Stellungnahme. Auch die Bürger haben die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Bislang liegen von ihnen keine Einwände vor.

Die Gemeinde muss zudem eine Bodenuntersuchung durchführen lassen, weil man früher auf anderen Grundstücken Hausmüll-Ablagerungen aus dem alten Lainbach-Graben gefunden hat.

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