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„I gib mi in deine Händ“: Bewegende Passion in bairischer Sprache

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Sprecher Klaus Wittmann (re.) wurde begleitet von den Inntaler Sängern.
Sprecher Klaus Wittmann (re.) wurde begleitet von den Inntaler Sängern. © Sabine Näher

Im ausverkauften Barocksaal des Klosters Benediktbeuern wurde nun eine Passion in bairischer Sprache vorgetragen. Sprecher war Klaus Wittmann.

Benediktbeuern – Eine besinnliche Einstimmung auf die Karwoche wurde den Besuchern am Sonntag im ausverkauften Barocksaal des Klosters Benediktbeuern geboten. Klaus Wittmann, musikalisch unterstützt von den Inntaler Sängern (Sepp Wieland, Peter Anderl, Franz Singer) und dem Gitarrenduo Neumaier-Köhl (Heinz Neumaier, Markus Köhl), trug die von Herbert Regele verfasste Passionsgeschichte in bairischer Sprache vor. Von dem letzten Abendmahl und der Szene am Ölberg über die Verleugnung durch Petrus und den Verrat durch Judas bis zur Kreuzigung Jesu und den Leiden seiner Mutter Maria, die den abgenommenen Leichnam in den Armen hält, werden die Stationen beschrieben.

Direkte Sprache

Regele, ein gebürtiger Münchner, war Lehrer und Schulleiter. Er lässt dem Publikum das Passionsgeschehen dadurch nahe rücken, dass er nicht nur den bairischen Dialekt verwendet, sondern auch einen Sprachgestus findet, der den Hörer wie unter Freunden oder guten Bekannten direkt anspricht und ihn so mit einbezieht. Dadurch erlebt man den bekannten Ablauf in einer geradezu persönlichen Betroffenheit noch einmal neu.

Eindrucksvoll und pathosfrei

Dass Klaus Wittmann als Sprecher die ideale Besetzung darstellt, weiß, wer ihn schon mit Werken Orffs oder Thomas „Heiliger Nacht“ erlebt hat. Der Tölzer hat nicht nur eine ganz natürliche, selbstverständliche Beziehung zur altbairischen Sprache, sondern auch die Begabung, gleichzeitig eindrucksvoll wie pathosfrei vorzutragen und die einzelnen Figuren nur durch seinen sprachlichen Ausdruck lebendig werden zu lassen. So zeigt er Jesus in der nächtlichen Szene am Ölberg im Gefühlskonflikt, zeichnet seine Angst vor den kommenden Ereignissen und die Vorahnung, verlassen zu sein („Vater, i sigh di nimmer – wo bist denn?“), und schließlich die Ergebung in sein Schicksal („I gib mi in deine Händ. Amen!“).

Er beschreibt Petrus’ Verzweiflung („D’r Gockel hat kraaht. Kummst du vom himmlischen Gericht und schreist: Verdammt isser, d’r Petrus?“), er lässt „einen vom hohen Rat“ voller Häme und Gehässigkeit Jesus’ „Verfehlungen“ aufzählen, die in der Forderung gipfeln „Ans Kreiz mit ihm!“. Er schildert Judas’ Selbstanklage („Pfui über mi! Wie graust’s mir vor mir… Gebt’s ma an Strick!“).

Berührend vorgetragen

Doch am eindringlichsten und berührendsten sind die Worte des Gekreuzigten, die Schilderungen seiner Leiden aus dem Mund Jesus’ selbst. Neben den Schmerzen plagen ihn Zweifel: „San’s es denn wert, dass i mi opfer?“. Und das Gefühl der Verlassenheit wird immer stärker: „Mein Gott, wo bist du?“ Doch seine letzten Worte klingen versöhnlich: „I hab’s vollbracht!“.

Passende musikalische Begleitung

Wie ein Epilog folgt die Szene mit Maria unter dem Kreuz. Schmerzgebeugt fragt sie Gott, ob er das wirklich wollte, dass eine Mutter ihren Sohn in einem solch geschundenen Zustand in den Armen halten muss. Wer die Trostworte an sie richtet, ein Erzähler oder doch der himmlische Vater, bleibt offen: Es musste ein grausamer Tod gestorben werden, um die Menschheit zu erlösen. Mit den Worten „Mutter Maria, vergib uns!“ endet Regeles Text. Die musikalische Ausgestaltung auf einen Dreigesang mit Zitherbegleitung und ein Gitarrenduo aufzuteilen, ist eine kluge Idee. Denn die Sänger verstärken mit den Texten ihrer Lieder noch einmal den Inhalt des Vortrags Wittmanns, während die reine Instrumentalmusik Zeit zum Innehalten und Nachsinnen bietet.

So fügte sich alles passend und stimmig zusammen. Ein jubelnder Applaus wäre danach allerdings eher unpassend gewesen. So gab es am Ende einen kurzen, aber warmen Beifall. (Sabine Näher)

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