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Otto Gion (vorne, gestreiftes Hemd) bietet seit 22 Jahren Sensenmähkurse im ZUK an.

Ungewöhnliche Fachtagung

A gmahde Wiesn für die "Sensologen"

Benediktbeuern - Fachkongresse gab es schon sehr viele im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK). Aber einen „Sensologen"- Kongress? So etwas gab es noch nie im Kloster Benediktbeuern. Am Samstag fand nun auf Initiative des "Ober-Sensologen" Otto Gion die wohl deutschlandweit erste Fachtagung dieser Art statt.

Aber Spaß beiseite: Den Beruf des „Sensologen“ gibt es natürlich überhaupt nicht. Ebenso wenig wie der Duden das Wort „Sensologie“ kennt. Beide Begriffe sind eine Erfindung von Otto Gion. Der Benediktbeurer bietet seit 22 Jahren Sensenmähkurse im Rahmen des „Natursommer im Loisachtal“ in Benediktbeuern an.

Dabei hat er auch irgendwann den Begriff der „Sensologie“ – also die Wissenschaft von der richtigen Sensenmahd – erfunden. Auch deshalb, um sich gegenüber den sonst so im ZUK tagenden Geologen, Pädagogen oder Meteorologen nicht gar so unbedeutend fühlen zu müssen, wie er augenzwinkernd erklärt. „Und von Anfang an habe ich davon geträumt, irgendwann einen Kongress zu dem Thema abzuhalten“, erzählt Gion.

Am Samstag war es also endlich soweit. 17 Interessierte, allesamt ehemalige Teilnehmer seiner Sensenmähkurse, hatten sich für den rund sechsstündigen Kongress eingefunden – manch’ einer von ihnen war sogar über 300 Kilometer aus Franken angereist. Oberstes Ziel der Tagung war der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, erklärt Gion, der mit der Tagung auch gegen die immer mehr in Vergessenheit geratende Kunst des Sensenmähens ankämpfen will, denn: „Es ist so ein schönes und uraltes Handwerk.“

Bei der Tagung diskutierten die Teilnehmer etwa über das fachgerechte Dengeln (also das Schärfen des Sensenblatts mittels Kalt-Schmiede-Technik). Auch der fachgerechte Umgang mit dem scharfen Werkzeug sowie die richtige Einstellung der beiden Griffe, von Sensenblatt und Sensenworb (bayerisch für Sensenstil) wurden diskutiert.

Und dann ging es natürlich trotz Regens hinaus auf die Wiese, wo die „Sensologen“ in einem Wettstreit 160 Quadratmeter Gras fachlich korrekt zu stutzen hatten. „Ideal ist eine Höhe von einem Zentimeter über dem Boden“, sagt Gion.

Was für ihn die Faszination des Sensenmähens ausmacht? „Dieses gleichmäßige Arbeiten in aller Ruhe. Dabei kann man allen möglichen Gedanken nachhängen.“ Außerdem würden durch das Mähen mit der Sense die Rückenmuskeln trainiert. „Und für die Natur ist es sowieso ideal“, so Gion. Eine mit der Sense gemähte Wiese werde über die Jahre viel artenreicher als Rasenmäher-Rasen, der ja schon viel früher gekürzt werden muss. „Den Pflanzen bleibt viel mehr Zeit zum Aussamen.“

Den Teilnehmern hat der erste „Sensologen“-Kongress gut gefallen. „Es war sehr unterhaltsam und hat Spaß gemacht“, bilanziert etwa Hermann Merten. Auch Gion ist zufrieden. „Die Gruppe war von der Größe her genau richtig.“ Dass es eine Wiederholung des Kongresses geben wird, haben der „Ober-Sensologe“ und das Zentrum für Umwelt und Kultur bereits beschlossen. Wann er stattfinden wird, ist jedoch noch offen. Aber das überregionale Interesse ist gegeben.

Franziska Seliger

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