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„Dorfstraß 2035“: Diesem Zukunftsprojekt widmete sich ein besonders liebevoll dekorierter Wagen.

Gaudi über lokale Brennpunkte

Großes Kasperltheater: Das war der Benediktbeurer Faschingszug

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Ein kurzer Faschingszug mit vielen Zuschauern: Die Benediktbeurer Narren inszenierten lokale Themen wie die Abholzung des Lainbachwalds, den geplanten Waldkindergarten – und ein Kasperltheater im Rathaus.

Benediktbeuern– Der junge Mann hat Mut: Ohne Rücksicht auf Verluste wirft er sich kopfüber in den Schlamm. Und er kriegt auch noch Lob dafür. „Super, gut gemacht“, quietscht die junge Frau mit der Pädagogenbrille ihm zu. Der Bursch, der da im Dreck spielt, gehört zur Waldkindergartengruppe. Wie die Bichler beim Faschingszug am Sonntag machten auch die Benediktbeurer die alternative Betreuungseinrichtung zum Thema. Das Motto auf dem Traktor-Transparent: Wer Platz für 25 laute Kinder und drei naturbewusste Erzieher hat, der möge sich unter www.dreckbatz-kiga.de melden.

Blauer Himmel, satter Sonnenschein: Die Benediktbeurer Narrenwanderung ist 2018 bestens besucht – und ein relativ kurzes Schauspiel: Nach knapp 50 Minuten sind alle Wagen durch – die Party in der Dorfstraße kann steigen. Apropos: „Beira Dorfstraß 2035“ steht auf dem Gefährt, das ein Verkehrsprojekt der Zukunft aufgreift. Viel früher wird das nichts, sind sich die Gaudimacher einig, die den Zuschauern weiße Zettelchen in die Hände drücken. Eine Bürgerbefragung zum Belag für die „neue“ Dorfstraße: „Loanbochkies, Flüsterteer, Reßl-Leberkas oder doch Stern-Federn“?

Sonnenschein und gute Laune beim Benediktbeurer Faschingszug

Viel Arbeit steckt in dem großen Wagen mit den liebevoll dekorierten Häuschen der Ortsmitte. Sämtliche lokale Brennpunkte fasst aber das kleine Ape50-Dreirad zusammen, auf dem „Rathaus“ steht und aus dem ein Clown aussteigt. Zum regelmäßigen Kasperltheater wird hier geladen – und folgende Aufführungen stehen zur Wahl: Gemeindepark, Waldkindergarten, Kläranlage und Lainbachwald.

Der Abholzung des Waldstücks widmen sich gleich mehrere Faschingsprotagonisten: Aus dem Zweige-Dickicht äußern sie Kritik an Naturschützern, die nur meckern und keine Alternativen vorschlagen würden. Oder sie verkleiden sich als Indianer, die ihre Heimat von der Kettensäge bedroht sehen.

Wie der Karneval in Venedig abläuft,  demonstrierte eine große Gruppe in Benediktbeuern.

Gemütlich haben es die Darsteller, die auf dem Mitfahrerbankerl Platz nehmen, das eher an einen Thron erinnert und den Weg in folgende Richtungen weist: Quarzbichl, Trimini, Roma, Hochbichä. Eine Spitze gegen das Nachbardorf muss natürlich sein: Der „Hochbichä-Express“ bringt sogar Skifahrer auf den Bichler Hügel. Die Sessellift-Konstruktion auf dem Faschingswagen ist ein architektonischer Höhepunkt des Zugs. Zu bewundern sind aber auch die jungen Männer, die trotz Februarkälte in Boxer-Shorts mit dem Sauna-handtuch wedeln. Sie illustrieren das vor Blicken kaum abgeschirmte neue Trimini-Wellness-Haus mit dem Spruch: „Zoagt der Badegast sein Zipfe her, lockt es d’Wanderer her“.

Und rein in den Dreck: Wie in Bichl war der geplante Waldkindergarten ein Thema.

Das Rennen um das beliebteste Kostüm unter den Besuchern machen übrigens ganz klar die Einhörner. Die Fabelwesen blitzen immer wieder hervor – zwischen Marienkäfern, Wikingern, Bierfahrern, Polizei-Spezialeinheiten, Pokemons – und Forrest Gump.

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