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Musiker Hans-Jürgen Buchner (Bild links, rechts) engagiert sich sehr für den Naturschutz, derzeit weist er auf den vielen Plastikmüll in den Meeren hin. Seine Musiker banden sich deshalb Müllsäcke um die Hüften. Das Publikum war von der Botschaft und Haindlings Musik begeistert. 

Konzert im Meierhof

Haindling: „Plastik-Müllsack-Orchester“ für Umweltschutz und Mundart

Für den Schutz der Umwelt, für den Erhalt der Mundart - Haindling kamen mit eindeutigen Botschaften und ausgezeichneter Musik nach Benediktbeuern. Die Konzertkritik:

Benediktbeuern – Die Botschaft von Hans-Jürgen Buchner und seinen fünf Mitstreitern der Gruppe Haindling war eindeutig: Der Erhalt der im Aussterben begriffenen bayerischen Mundart liegt ihnen genauso am Herzen wie der Erhalt der Umwelt. Handwerklich wie gewohnt ausgezeichnet, präsentierte Haindling am Samstagabend im sehr gut besuchten Benediktbeurer Meierhof einmal mehr ein Konzert der Extraklasse – sofern man Buchners Musikgeschmack teilt.

Was der 73-jährige Multi-Instrumentalist da auf die Bühne zaubert, kann noch am ehesten im Bereich Popmusik mit starken Einschlägen von Jazz und bayerischer Volksmusik eingeordnet werden. Dabei sind, trotz überwiegend bairischer Texte, die Einflüsse exotischer Instrumente aus afrikanischen, tibetischen und chinesischen Klangwelten unüberhörbar. Da kommen dann perfekt bediente Klanghölzer genauso zu Gehör wie Alphörner.

Eigentlich ist es zwecklos, den kreativen Geist Hans-Jürgen Buchner in irgendeine musikalische Schublade zwängen zu wollen. Er entzieht sich allen Richtungen des Mainstreams und schafft mit seinen großartigen Soundgemälden seine eigene Musik-Welt.

Mit kernig-sattem Synthie-Sound unterlegt, tobt er sich zusammen mit seinen Mitstreitern nach Herzenslust aus. Manchmal laut und mitreißend, oft aber einfühlsam und fast schon melancholisch, wobei seine Texte immer wieder zum Nachdenken animieren. Obwohl weit weg von jeder Volkstümelei, wird Buchners Zwiespalt der Gefühle deutlich, wenn er sagt: „Schunkeln, des is gschissn, do taten mir nia higehn.“ Dennoch fordert er seine Zuhörer zum Schunkeln auf und erklärt mit einem Augenzwinkern: „Des is bei uns was ganz anderes. Des is bei uns nur der Ausdruck exzessiver Lebensfreude.“

Überhaupt war Mitmachen im Maierhof angesagt. Sei es beim rhythmischen Fingerschnippen oder mit fast gymnastisch anmutenden Übungen im Stehen. Denn Buchner hat nicht vergessen, dass nach 35 Jahren Bühnenpräsenz auch die Besucher seiner Konzerte mitgealtert sind: „Damals gab’s für meine Fans der ersten Stunde noch keine Stühle vor der Bühne. Aber da ihr mit mir älter geworden seid, haben wir heute viele Stühle aufgestellt. Wenn dann etwas Bewegung guttut, dann sag ich euch schon, wenn ihr aufstehn sollt.“ Und das durchwegs begeisterte Auditorium machte auch alles brav mit.

Leidenschaftlich machte Buchner Stimmung gegen die Verschwendung der natürlichen Ressourcen und die fortschreitende Zerstörung der Umwelt. „Bis im Jahr 2030 wird in den Weltmeeren mehr Plastik herumschwimmen als Fische“, konstatierte er. Um seine eindringlichen Worte zu unterstreichen, verwandelten sich seine Mitstreiter flugs in das „Haindling-Plastik-Müllsack-Orchester“. Immer mit einem guten Schuss Ironie unterlegt, dürfte da die Botschaft bei den Zuhörern auch gut angekommen sein. Als die Musiker nach knapp zwei Stunden Konzert ohne Pause zu den Zugaben übergingen und Buchner „Bayern, des samma mia“ anstimmte, gab’s kein Halten mehr, und aus mehreren tausend Kehlen schallte ihm immer wieder als Antwort das gewünschte „Jawoi“ entgegen.

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