Volle Küche bei Familie Ruf in Bichl: Die vier Kinder machen Hausaufgaben, während die Mama kurz nach dem Rechten sieht.
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Volle Küche bei Familie Ruf in Bichl: Die vier Kinder machen Hausaufgaben, während die Mama kurz nach dem Rechten sieht.

Corona-Auswirkungen

Homeschooling fordert Eltern im Tölzer Land

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Homeschooling und Distanzunterricht prägen derzeit das Leben vieler Familien. So meistern drei Mütter aus dem Loisachtal diese Herausforderung.

  • Nach wie vor sind die Schulen geschlossen
  • Mütter sind Mama, Lehrerin und Nachhilfeinstitut in Personalunion
  • Doppelbelastung ist eine große Herausforderung

Benediktbeuern/Bichl/Bad Heilbrunn - Der große Esstisch bei Familie Rauchenberger in Benediktbeuern wurde umfunktioniert: Er ist jetzt Arbeitsplatz und Schulpult zugleich. Hier sitzen Sandra und Bernhard Rauchenberger mit ihren beiden Töchtern jeden Vormittag beisammen. Sie arbeiten, machen Hausaufgaben, lernen und verfolgen den Distanzunterricht. „Es ist aufregend und eine große Herausforderung“, sagt Sandra Rauchenberger. „Morgens starten wir gemeinsam alle am Esstisch, und über den Tag hinweg verteilen wir uns auf mehrere Zimmer – je nachdem, wer gerade eine Videoschalte hat“, erklärt sie.

Doppelbelastung stellt für Eltern große Herausforderung dar

Ihre jüngste Tochter Fanny besucht die 2. Klasse der Benediktbeurer Grundschule. „Ihr ist der Distanzunterricht nicht geheuer, das läuft noch nicht ganz rund“, sagt die zweifache Mutter und Grafikdesignerin. Ihre ältere Tochter Vreni besucht die 5. Klasse der Montessori-Schule Penzberg und hat sich gut in das Onlinelernen eingefunden. „Das ist mittlerweile ein Selbstläufer“, berichtet Rauchenberger erleichtert. Dennoch: „Es ist nicht immer leicht, die Kinder zu motivieren, dran zu bleiben. Wir sind ja keine Lehrer.“ Nach den vielen Wochen Homeschooling laufe es „langsam echt zäh. Die Kinder lassen sich den Schulstoff lieber von Lehrern erklären als von den eigenen Eltern.“ Diese Doppelbelastung sei erschöpfend. „Abends ist mein Hirn völlig überfüllt. Ich habe meinen Beruf, die Schule der beiden Kinder und bekomme ständig auch alles aus dem Job meines Mannes mit.“ Erleichterung schaffe allerdings die Möglichkeit, dass die Kinder ab und an auch mal vormittags zum Spielen rauskommen. „Mit dem Schnee ist das jetzt super.“

Auch bei Familie Rauchenberger in Benediktbeuern sitzen allen an einem Tisch.

Andrea Gründl aus Bad Heilbrunn schmeißt den Alltag gemeinsam mit ihren drei Töchtern. „Ich war dem Ganzen immer positiv gegenüber eingestellt“, sagt die Bürokauffrau. Doch: „Es ist langsam sehr herausfordernd, man hat das Gefühl, das Ganze Homeschooling dauere schon Monate“, sagt sie. Die vergangenen Tage seien besonders anspruchsvoll gewesen. „Es standen zum normalen Unterricht zusätzlich viele wichtige Schulentscheidungen an, wie Fächerwahlen.“ Da sei man plötzlich in der Funktion von „Mama, Helferin und Lehrerin“ gewesen. Die jüngste Tochter besucht die vierte Klasse der Grundschule Bad Heilbrunn und braucht daher etwas mehr Unterstützung als ihre Geschwister, die bereits in die 10. und 12. Klasse des Gymnasiums gehen. „Da muss man als Mutter schon auch beim Erklären helfen. Ich merke, dass ich vieles noch mit einem anderen Systemen gelernt habe, in Mathe beispielsweise das Dividieren.“

Homeschooling funktioniert besser als im ersten Lockdown

Auch Diana Ruf, Tierärztin und Vierfach-Mama aus Bichl, befasst sich aktuell viel mit dem Schulstoff ihrer Kinder. „Mein Latein war noch nie so gut wie aktuell jetzt. Zusätzlich habe ich mal wieder meine Französisch-Kenntnisse aufgefrischt“, scherzt sie.

Ihre Praxis sei glücklicherweise im gleichen Haus. So kann sie öfter zu den Kindern schauen und alles im Blick behalten. „Das mit den Computern ist aber ein großes Thema. Wir haben Glück, dass es sich gerade so ausgeht. Aber es gab auch schon Situationen, in denen ich für zwei Stunden auf unseren Praxis-PC verzichten musste, weil meine Tochter eine Konferenz hatte“, berichtet Ruf. Dennoch falle auf, dass das Homeschooling wesentlich besser klappe als beim ersten Lockdown. Sowohl der digitale Unterricht als auch die Lernplattform mebis funktionieren besser. Eine große Aufgabe sei es, dass man „wesentlich mehr dahinter sein muss, dass die Kinder zusätzlich auch lernen“. Immerhin falle der Druck von Stegreifaufgaben und Co. aktuell komplett weg. Denn die Lehrer können momentan keine schriftlichen Noten erheben.

Trotz aller Mühen und Herausforderungen versucht Ruf, „auch mal alle Fünfe grade zu lassen. Man kann sich in der aktuellen Situation natürlich maßlos aufarbeiten. Aber das bringt dann auch nichts“.

Fehlender Klausurendruck erleichtert Abiturvorbereitung

Sandra Rauchenberger ist sich sicher, dass für viele Familien die technischen Herausforderungen problematisch sein könnten. „Wir haben Glück, da ich beruflich schon immer viel mit Computern gearbeitet habe. Aber das ist nicht ohne“, sagt sie.

Einen Vorteil sieht Andrea Gründl in der aktuellen Situation durchaus: „Für meine älteste Tochter, die heuer Abitur macht, ist es praktisch. Da der normale Klausurendruck wegfällt, kann sie sich bereits jetzt schon mit den Abiturvorbereitungen befassen“, erklärt die Heilbrunnerin. Dennoch sind sich alle drei Mütter einig: „Den Kindern fehlt die Schule und der soziale Austausch sehr.“

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