Monika Huppelsberg (72) betreut die Sprechstunde im Loisachtal seit elf Jahren. Das Foto entstand in ihrem Büro bei der Caritas in Geretsried.
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Monika Huppelsberg (72) betreut die Sprechstunde im Loisachtal seit elf Jahren. Das Foto entstand in ihrem Büro bei der Caritas in Geretsried.

Huppelsberg hilft helfen

Benediktbeurer Nachbarschaftshilfeverein „Zammlebn“ bietet auch in Corona-Zeit soziale Sprechstunde an

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Wer bei sozialen Themen Hilfe sucht, ist bei Monika Huppelsberg willkommen: Seit elf Jahren bietet die Sozialpädagogin für den Benediktbeurer Nachbarschaftshilfe-Verein „Zammlebn“ ehrenamtlich eine Sprechstunde an.

Benediktbeuern – In den vergangenen Jahren konnte Huppelsberg vielen Menschen helfen. Auch in der Corona-Zeit bleibt dieses Angebot bestehen. Die Sprechstunde ist neben Demenzhilfe, Besuchsdienst, Babysitter-Vermittlung, den Familienpaten und dem „Helferkreis Asyl“ eines der zahlreichen Projekte des Vereins (siehe Kasten). Huppelsberg betreut die Sprechstunde seit deren Einführung. Die 72-Jährige verfügt über großes Fachwissen, arbeitet sie doch noch festangestellt als Sozialpädagogin bei der Caritas in Geretsried in der Sozialen Beratung. Für „Zammlebn“ engagiert sich Huppelsberg in ihrer Freizeit.

Gut vernetzt, mit viel Wissen über alle Fachstellen

Wer beispielsweise Hilfe beim Ausfüllen von Formularen braucht, Fragen hat zu Pflegeeinstufungen oder Hartz IV beantragen muss, ist bei Huppelsberg an der richtigen Stelle – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunftsland und Religionszugehörigkeit, betont der Verein. Huppelsberg kann auch weiterhelfen, wenn Menschen bei wirtschaftlichen und persönlichen Problemen Hilfe brauchen. Sie kennt die Fachstellen im Landkreis und ist gut vernetzt.

Anfragen seit Ausbruch der Pandemie zurückgegangen

2019 hat Huppelsberg für den Verein 70 Telefonberatungen durchgeführt und 40 Hausbesuche absolviert. Heuer waren es bis März allein 20 Gespräche, doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie seien die Anfragen stark zurückgegangen, berichtet Huppelsberg. „Aber die individuellen Probleme bleiben ja bestehen“, weiß die Sozialpädagogin. Nicht nur, aber häufig seien es Senioren oder deren Angehörige, die sie kontaktieren, berichtet Huppelsberg. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob und wie man Geld vom Staat bekommt für Pflegeleistungen oder den Einbau eines Treppenlifts. Huppelsberg hilft auch beim Ausfüllen von komplizierten Formularen. Manchmal, erzählt sie, werde sie von älteren Menschen auch gefragt, welche der vielen Unterlagen aus dem Berufsleben denn im Alter noch wichtig seien. Gelegentlich passiert es auch, dass Menschen, die nicht in der Region wohnen, Monika Huppelsberg anrufen und sie bitten, bei den Verwandten in Benediktbeuern und Umgebung mal vorbeizuschauen. Sie fühle sich, sagt Huppelsberg lächelnd, „manchmal ein bisschen wie ein Hausarzt, nur eben anders“.

In der Regel rufen die Ratsuchenden zuerst bei ihr an. Huppelsberg bespricht dann erst mal grundlegende Dinge am Telefon und bietet grundsätzlich an, die Betroffenen zu Hause zu besuchen. Wer das nicht möchte, kann sich weiter am Telefon beraten lassen, oder man trifft sich in einem Besprechungszimmer im Rathaus oder auch mal im Café – „ganz, wie die Menschen das möchten“.

„Anfragen sind sehr vielfältig"

Sie erinnert sich an eine Frau, die sich von ihrem Mann trennen wollte, aber Angst hatte, dass dieser dann gewalttätig wird. Hier war besondere Vorsicht geboten. „Das sind sehr sensible Dinge, die ich da erfahre. Da muss man immer nach dem besten Weg schauen, wie man den Betroffenen helfen kann“, sagt sie. Huppelsberg konnte auch schon Hilfe vermitteln, wenn Menschen vor der Obdachlosigkeit standen oder wenn Senioren Unterstützung bei der Gartenarbeit brauchten. „Die Anfragen sind wirklich sehr vielfältig.“

Huppelsberg stammt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, studierte in Essen Sozialpädagogik und ging dann nach München, um in einer Förderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder zu arbeiten. In den 1980er-Jahren war sie für einige Zeitungen journalistisch tätig. Seit Anfang der 1990er-Jahre arbeitet Huppelsberg in der Sozialen Beratung der Caritas in Geretsried. Dort baute sie unter anderem die Nachbarschaftshilfe aus. Seit 2009 lebt Huppelsberg mit ihrem Mann in Benediktbeuern. Das Paar, seit 50 Jahren verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Huppelsberg engagiert sich auch als Seniorenbeauftragte der Gemeinde Benediktbeuern und ist zudem im Seniorenbeirat des Landkreises aktiv.

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch in der Corona-Zeit gibt es die Sprechstunde des Vereins „Zammlebn“ weiter – das ist Huppelsberg wichtig zu betonen. „Natürlich beachten wir alle Vorsichtsmaßnahmen“, sagt die 72-Jährige. Wenn sie jetzt Hausbesuche macht, gelten Mundschutz und Abstandsregeln. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in Benediktbeuern, Bichl und Ried, aber anrufen können auch Personen aus Kochel und Penzberg. „Aber da mache ich keine Hausbesuche.“

Huppelsbergs Hilfe hat auch Grenzen. „Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt sie. Sie definiert sich selbst als Organisatorin und Vernetzerin, die im Bedarfsfall an Fachstellen weitervermittelt oder Tipps gibt, wo man sich hinwenden kann. „Ich frage aber nicht stündlich nach, wie es geht“, sagt sie. Die Arbeit macht sie nach wie vor sehr gerne: „Es ist schön, wenn man dann sieht, wie man helfen konnte.“

Weitere Infos: Wer mit Monika Huppelsberg Kontakt aufnehmen möchte, kann das unter Telefon 0 88 57/39 60.

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