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Diskussion im Barocksaal: Ministerin Ilse Aigner bei der Abschlussveranstaltung der „Alpengespräche“.  

Wirtschaftsministerin Aigner im Kloster 

Ideen für den Alpenraum von morgen

Benediktbeuern – Wie muss eine gelungene Politik für den Alpenraum aussehen, die die Region weiterbringt, ohne mit Traditionen zu brechen? Darüber diskutierte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner am Samstag mit Menschen aus dem Oberland.

Die Politik für den Alpenraum gemeinsam mit den Menschen der Region weiterzuentwickeln und dabei Traditionen und Brauchtum bewahren: Das war das Ziel der sogenannten „Alpengespräche“, deren Abschlussveranstaltung am Samstag im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern stattfand.

Über eine Stunde diskutierte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hier mit Kommunalpolitikern sowie Vertretern von Vereinen und Verbänden aus der gesamten Region. Gesprochen wurde über nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten in Bereichen wie Wirtschaftspolitik, Land- und Forstwirtschaft, Umweltschutz oder Tourismus und Infrastruktur.

Hier gebe es zahlreiche Konfliktfelder und Konkurrenzen, wie Aigner zu Beginn sagte und fragte: „Wie kann der Spannungsbogen zwischen Ökonomie und Ökologie gelingen?“ Dazu wollte sie die „Vorschläge von Experten vor Ort“ hören. Und: „Dass Sie mir heute Ideen mitgeben.“

Ideen, Bitten oder Kritik hatten die Anwesenden zuhauf. Hans Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, etwa forderte Aigner auf, den Stellenabbau bei den Revierförstern zu verhindern. Die seien nämlich „die beste Waldförderung“. Außerdem gehöre das Schienennetz ausgebaut. „Wir können nicht überall einen Zug hinlegen“, sagte Aigner, räumte jedoch ein, dass bei der Bahn oft die Querverbindungen fehlen, weil das Streckennetz sternförmig Richtung München ausgerichtet sei.

Landrat Josef Niedermaier kritisierte, dass die Region bei Infrastrukturprojekten im Straßen- oder Schienenbau „schnell hinten runter falle“, weil die vielen Schutzzonen wie FFH und Co. den Kosten-Nutzen-Faktor neuer Baumaßnahmen oft ungünstig verschieben würden. Niedermaiers Vorschlag: „Ein Zuschlag für Projekte im Alpenraum.“ Aigner gefiel die Idee: „Das nehmen wir gerne mit.“

Der Direktor des Klosters Pater Reinhard Gesing sprach wie viele andere den fehlenden Wohnraum an – etwa für Studenten der Katholischen Stiftungsfachhochschule oder für Arbeitskräfte. Auch das Handwerk und die Unternehmer vor Ort bräuchten Flächen, sagten deren Vertreter. Hier nahm Aigner die Kommunen in die Pflicht, Einheimischenmodelle auszuweisen und den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben, denn das Bauen sei „nie mehr so günstig wie jetzt“.

Leni Gröbmaier, Bürgermeisterin von Dietramszell, forderte mehr Anstrengungen, um den Fortbestand der landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern. Sie seien unabdingbar für den Tourismus. Und der sei wiederum Garant für Arbeitsplätze. „Wir fördern das, wo wir können“, versprach Aigner in Bezug auf die vielen kleinen Betriebe und betonte: „Die Milchwirtschaft bei uns muss eine Zukunft haben.“

Und der Skitourismus? Neue Skigebiete würden angesichts des Klimawandels keine erschlossen, erklärte Aigner. Bestehende Anlagen sollen aber modernisiert werden. Die seien nämlich für das örtliche Sportangebot und all die Skiclubs wichtig.

Den zunehmenden Fachkräftemangel, der von Vertretern aus Industrie, Handwerk und Tourismus beklagt wurde, hat die auch für Tourismus zuständige Ministerin im Blick. Auch, dass junge Arbeitnehmer nach München abwandern. „Da werden wir große Herausforderungen haben.“

In den Flüchtlingen sieht Aigner hier „Potenzial“. Man müsse aber auch mittels Kampagnen verstärkt auf die Durchlässigkeit der Bildungswege hinweisen und darauf, dass nicht nur ein Studium erstrebenswert ist.

Die knappe Stunde war voll an Themen: die überbordende Bürokratie, die Auflagen für Investoren, der Ausbau eines umweltfreundlichen Nahverkehrs, der Internetausbau, und die Probleme die die Almbauern mit der Wiederansiedelung des Wolfes sehen. Anregungen für die zukünftige Gestaltung des Alpenraumes hat Ilse Aigner genug mit auf den Weg bekommen. Die Menschen vor Ort müssen abwarten, was davon umgesetzt wird.

Franziska Seliger

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